Praxeologie Ertragsgesetz

Praxeologie: Das Ertragsgesetz #11

Veröffentlicht Veröffentlicht in Leo Mattes, Praxeologie

Wie leiten wir den Nutzen einer Ware ab?

Im letzten Beitrag haben wir uns mit dem Nutzen beschäftigt. Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen zeigt uns wie ein Individuum homogene Güter nach dem zusätzlichen Nutzen einer weiteren Einheit bewertet.

Dieses Verständnis kann uns Probleme erklären, die wir vorher als Paradox empfunden haben.  Wir können nun erklären, warum eine Tasse Wasser billiger als ein Diamant ist, obwohl Wasser überlebenswichtig ist und Diamanten meist nur als Schmuck verwendet werden.

In diesem Beitrag möchte ich zeigen, wie der Nutzen eines Mittels abgeleitet wird. Der Nutzen eines Stück Kuchens ist uns relativ schnell klar, denn es stillt unseren Hunger, doch wie können wir feststellen, wie viel Nutzen eine Diamantfräsmaschine für einen handelnden Menschen hat?

Die Mittel, mit denen wir unseren Zweck erfüllen, nennen wir Güter. Wir können die Güter in zwei Hauptkategorien einteilen: Konsumgüter und Investitionsgüter.

Konsum- und Investitionsgüter

Konsumgüter sind Güter, die unmittelbar von einem handelnden Menschen zur Erfüllung eines Zwecks verwendet werden. Investitionsgüter sind jene Güter, die mit mindestens einem anderen Gut kombiniert werden, um eine bestimmte Menge eines Konsumgutes zu erzeugen.

Ein Beispiel: Ein Sandwich ist ein Konsumgut, das gegessen werden kann, um den Hunger zu stillen. Das Brot, der Schinken und die Arbeitskraft, die zur Herstellung des Sandwichs einsetzen werden, sind die Investitionsgüter oder auch Produktionsfaktoren.

Wenn wir den Nutzen, der aus einer Einheit eines Konsumguts abgeleitet wird, herausfinden wollen, so müssen wir nur berücksichtigen, dass das menschliche Handeln eine Wahl ist, bei dem wir eine Sache der anderen vorziehen.

In anderen Worten:

  • Die Kosten eines Bedürfnis wird durch jedes andere Bedürfnis bestimmt, das man hätten wählen können.
  • Die Handlung bestimmt, was ein Mensch am meisten schätzt, denn logischerweise muss er das, was er tat, als das angesehen haben, was er für am Dringendsten hielt.
  • Die Präferenzen können in einer Skala angeordnet werden. Diese Skala zeigt uns, dass der dringlichere Wunsch zuerst befriedigt wird. Jedes weitere Bedürfnis muss daher weniger wichtig sein.

Daher gibt eine zusätzliche Einheit eines Konsumguts dem handelnden Menschen einen geringeren Nutzen.

Peter kauft Fernsehgeräte für sein Haus

Angenommen, Peter will sein Haus mit Fernsehgeräten ausrüsten. Der erste Fernseher, den er kauft, befriedigt das dringendste Bedürfnis. In diesem Fall stellte er den Fernseher in sein Wohnzimmer, um mit seiner Familie fernzusehen. Wenn er einen zweiten Fernseher kauft, stelle er ihn in sein Schlafzimmer, um ihn vor dem Schlafen gehen zu benutzen. Ein dritter Fernseher könnte in seiner Küche aufgestellt werden, damit er ihn während dem Kochen benutzen kann.

Nehmen wir jetzt an, er musste auf einen seiner Fernsehgeräte verzichten, weil seine Energiekosten zu hoch werden. Dann ist der erste Fernseher, den er loswerden würde, derjenige, der das geringste Bedürfnis befriedigt. Das ist in diesem Fall der Fernseher in der Küche. Wenn er mehr als einen Fernseher loswerden müsste, würde er den in seinem Schlafzimmer, vor dem in seinem Wohnzimmer loswerden. Wenn Peter zuerst sein Schlafzimmerfernseher loswerden will, so verstößt dies nicht gegen das Prinzip, sondern Peter passt lediglich seine Skala an die Realität an.

Wir müssen daher zu dem Ergebnis kommen, dass es tatsächlich sein Schlafzimmerfernseher war, der einen weniger dringendes Bedürfnis befriedigt hat, und dass Peter sein Küchenfernseher mehr schätzt als sein Schlafzimmerfernseher, während sein Wohnzimmerfernsehen sein höchstes oder wichtigstes Bedürfnis bleibt.

Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen

Der Punkt ist, dass wir mit logischer Sicherheit wissen können, dass jeder weitere Fernseher, den Peter abgibt, ein weniger dringendes Bedürfnis erfüllt hat.

Dies ist uns als das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens bereits bekannt. Wir verstehen jetzt, dass der Wert von Konsumgütern, Güter die Bedürfnisse unmittelbar befriedigen, durch den abnehmenden Grenznutzen eines handelnden Individuums bestimmt wird. Dieser Nutzen verringert sich immer weiter mit jeder weiteren Einheit.

Es gibt keine Möglichkeit, diese Tatsache rechnerisch zu ermitteln. Im Fall von Peter entscheidet nur er selbst, wo er den nächsten Fernseher aufstellt. Wenden wir uns nun dem Fall der Investitionsgüter zu. Güter, die Bedürfnisse indirekt befriedigen.

Der Nutzen von Investitionsgütern

Zunächst müssen wir anerkennen, dass es keine Möglichkeit gibt, einen Nutzen aus Investitionsgütern zu ziehen, weil sie nicht direkt verbraucht werden. Sie erfüllen nicht direkt unsere Ziele, sondern tragen nur dazu bei, ein Endprodukt zu produzieren, welches dann unsere Ziele erfüllt.

Zum Beispiel: Während wir sagen können, dass die Fernsehgeräte von Peter aufgrund des abnehmenden Grenznutzens jeweils ein geringeres gewünschtes Bedürfnis befriedigen, können wir nicht sagen, dass sich für Peter auch ein sich ständig verringernder Nutzen aus einer weiteren Stromeinheit ergibt, weil Peter den Strom nicht direkt konsumiert.

Peter macht Sandwiches

Nehmen wir ein anderes Beispiel: Angenommen Peter möchte für sich und seine Freunde Sandwiches machen. Dazu benötigt er mehrere Investitionsgüter/Produktionsgüter wie Brot, Salat, Salami oder Käse. Wir können sagen, dass jeder weitere Sandwich einen abnehmenden Nutzen für Peter hat, aber über den Nutzen einer weiteren Scheibe Käse können wir bisher nichts sagen.

Um den Nutzen zu bestimmten, den Peter aus einer Scheibe Käse bezieht, müssen wir überlegen, wie viel Nutzen Peter verlieren würde, wenn er einen Sandwich ohne Käse belegt. Der Nutzen einer weiteren Einheit eines Investitionsguts bzw. Produktionsguts ergibt sich somit aus dem Nutzen eines weiteren Produkts.

Der Nutzen, den Peter aus einer weiteren Käsescheibe erhält, wird Grenzproduktivität bezeichnet.

Wie wir bereits gesagt haben, handelt es sich bei Gütern um knappe Mittel, die zur Erfüllung unserer Ziele eingesetzt werden. Allein die Tatsache, dass wir Konsumgüter produzieren müssen, bedeutet auch, dass die Produktionsgüter knapp sind.

Also zurück zu unserem Beispiel mit Peter. Wir können allein aus der Tatsache, dass Peter entscheiden muss, was er mit seiner begrenzten Anzahl an Sandwiches machen will, sagen, dass es auch nur ein begrenztes Angebot an Käsescheiben, Brot, Salat oder Salami gibt.

Dinge, die unbegrenzt zur Verfügung stehen, sind überhaupt keine Waren oder Mittel.

Rezepte sind nicht knapp

Zum Beispiel: Mit dem Wissen wie Kaffee zubereitet wird muss niemand sparsam umgehen, denn das Rezept für eine Tasse Kaffee ist niemals vergriffen oder verbraucht. Die einzigen Güter, die uns aus gehen können, sind Kaffeebohnen, Filter, Wasser usw. Mit diesen Gütern müssen wir wirtschaftlich umgehen.

Ein Investitionsgut muss mit mindestens einem weiteren Investitionsgut kombiniert werden, um ein Konsumgut zu schaffen. Denn wenn wir nur ein Investitionsgut für ein Konsumgut benötigen würden, so wäre das Investitionsgut selbst das Konsumgut. Aus der Tatsache, dass Investitionsgüter jederzeit mit mindestens einem anderen Investitionsgut kombiniert werden müssen, ergibt sich folgende Schlussfolgerung.

Obwohl wir den Wert und den Nutzen eines Guts nicht berechnen können, folgt daraus logischerweise, dass die Grenzproduktivität von Produktionsgütern irgendwann einen optimalen Punkt erreicht.

Das heißt, wenn wir alle anderen Inputfaktoren gleich lassen und nur die Menge eines Investitionsguts um eine Einheit erhöhen, dann wird irgendwann ein Optimum erreicht, bei dem jede zusätzliche Einheit dieses Investitionsguts seine Grenzproduktivität nicht mehr steigern kann.

Dies wird als Ertragsgesetz bezeichnet.

Beispiele für das Ertragsgesetz

Angenommen, Patrick will sein T-Shirt rot färben. Dazu benötigt er eine gewisse Menge roten Farbstoff. Eine größere oder kleinere Menge Farbstoff würde Patrick nicht helfen, sein Ziel zu erreichen. Wenn er zu viel Farbstoff hat, dann bleibt zusätzlicher Farbstoff ungenutzt, denn in diesem Beispiel gibt es überhaupt keinen weiteren Bedarf für den zusätzlichen Farbstoff. Wenn Patrick nicht genug Farbe hat, dann kann er nur einen Teil seines T-Shirts färben. Jede zusätzliche Farbstoffeinheit würde ihm dabei einen zusätzlichen Ertrag bringen, bis er tatsächlich das gesamte T-Shirt rot gefärbt hat.

Es sollte an dieser Stelle leicht ersichtlich sein, dass es eine optimale Menge an roter Farbe gibt.

Ein weiteres Beispiel: Die optimale Menge an Reifen für ein gewöhnliches Auto ist vier.

Ein weiteres Beispiel: Wenn eine Maschine, um zu funktionieren, eine minimale Menge Öl benötigt, dann würde das Hinzufügen von mehr Öl bis zum optimalen Punkt einen zunehmenden Ertrag bringen. Eine weitere Einheit an Öl würde die Maschine nicht sofort zum Stoppen bringen, aber jede zusätzliche Öleinheit würde sich dann wieder negativ auf die Grenzproduktivität auswirken.

Diese optimalen Verhältnisse der Investitions-, bzw. Produktionsgüter müssen durch technologische Erfahrungen bestimmt werden und ist keine Aufgabe der Praxeologie.

Zusammenfassung

Das Ertragsgesetz, welches besagt, dass knappe Produktionsgüter einen optimalen Ertrag erbringen müssen, ist eine logische Schlussfolgerung. Wir können somit logisch durch die Eigenschaften des zielgerichteten Handelns ermitteln, wie der Mensch einen Nutzen ermittelt, egal ob es sich um direkte Konsumgüter oder um indirekte Investitions-, bzw. Produktionsgüter handelt.

Alles, was wir dafür tun müssen, ist es den Nutzen von den Konsumgütern bis zu den Produktionsgütern zu betrachten.  Wir können daraus schließen, dass der Nutzen eines Produktionsguts sein Beitrag zum Konsumgut ist.

Die Schlussfolgerung, dass Investitionsgüter einen optimalen Einsatz haben, wird an Bedeutung gewinnen, sobald wir über Märkte sprechen und uns fragen, warum Produkte, die nahezu ununterscheidbar sind, dennoch verschiedene Preise haben und wie das alles zu Gewinnen und Verlusten führt. Dennoch sind dies unabdingbar logische Schlussfolgerungen aus der Wissenschaft der Praxeologie.

Wir sehen uns im nächsten Beitrag „Praxeologie: Die menschliche Arbeit #12“.
Hier geht’s nochmal zum letzten Beitrag „Praxeologie: Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen #10„.

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Beste Grüße

Leo Mattes

Quellen:

Ludwig von Mises – Nationalökonomie, Theorie des Handelns und Wirtschaftens (Buch)

Praxeologie auf Wikipedia

Praxeologie Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen

Praxeologie: Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen #10

Veröffentlicht Veröffentlicht in Leo Mattes, Praxeologie

Warum sind Diamanten mehr wert als Wasser? Warum zahlen die Leute mehr für ein Gut und weniger für ein anderes? Können wir den Nutzen einer Person messen?

Im letzten Beitrag habe ich über die Unsicherheit geschrieben, die allen menschlichen Handlungen innewohnt. Ich habe den logischen Weg aufgezeigt, das Risiko nach verschiedenen Arten von Maßnahmen zu kategorisieren. Und ich habe die Unterschiede der Vorhersagen zwischen Naturwissenschaft und Praxeologie aufgezeigt.

In diesem Beitrag möchte ich über die praxeologische Bewertung sprechen, die als Nutzen bekannt ist. Dabei möchte ich die auftretenden Grenzkosten verstehen und wie Güter derselben Art von handelnden Personen eingestuft werden.

Wie wir bereits behandelt haben, möchte der Mensch durch sein Handeln ein gewisses Unbehagen beseitigen. Er glaubt, dass der Einsatz eines Mittels sein eigenes Wohlbefinden verbessert.

Der Wert, der einer Sache aufgrund der Hoffnung, dass sie das Unbehagen beseitigen kann, kann auch als Nutzen der Sache bezeichnet werden. Der größere Wert einer Sache gegenüber einer anderen, kann nur durch die Handlung eines Menschen bestimmt werden. Und deshalb muss sich logischerweise jeder Wert auf die subjektive Bewertung des handelnden Menschen beziehen.

Manche Dinge in der realen Welt haben einen objektiven und messbaren Wert. Einige Leute nennen dies Nutzen, aber dies ist nicht derselbe Wert, nach dem ein Mensch handelt. Ein Mensch handelt nur nach dem Gebrauchswert, welchen er einem Mittel zuweist. Der subjektive Gebrauchswert ist das, was wir Nutzen nennen.

Praxeologischer Nutzen ist nicht gleich technologischer Nutzen

Ein Beispiel kann helfen, den Unterschied zu erklären: Jonas möchte sein Haus mit Kohle erwärmen. Sechs Kohlestücke können die objektive Heizleistung haben, um einen kleinen Raum zu erwärmen. Aber für Jonas ist der angenommene Gebrauchswert, der Nutzen, dass die sechs Kohlestücke sein gesamtes Haus erwärmen. Weil er glaubt, dass die sechs Kohlestücke sein Unbehagen lindern werden, nutzt er die Kohle als Mittel, um sein Ziel zu erreichen.

Der praxeologische Nutzen basiert nicht immer auf dem technologischen Nutzen, da wir wissen, dass der Mensch in vielen Fällen nicht alle relevanten Informationen berücksichtigt, die für die Durchführung einer Aktion erforderlich sind. Er handelt oft irrtümlich und schafft es nicht, sein Bedürfnis zu beseitigen.

In unserem Beispiel wird Jonas es niemals schaffen, sein ganzes Haus aufzuwärmen. Er wird seine Befriedigung ebenso wenig erhalten, wie ein Mensch, der die Wirkung einer Sache komplett falsch einschätzt.

Ein Mensch kann in Situationen geraten, in denen er etwas völlig ignoriert und damit komplett falsch wertschätzt, was er nicht versteht. Angenommen, Jonas hat keine Ahnung, dass Kohle zur Erzeugung von Wärme verwendet werden kann. Er wird also überhaupt keine Kohle einsetzen.

Ein Mensch kann also eine Sache auf eine subjektive Art nach einem Nutzen bewerten, die mit ihrem technologischen Nutzen nichts zu tun hat. Der praxeologische Nutzen kann nicht aus der Sicht eines Individuums gemessen oder zwischen verschiedenen Personen verglichen werden. Nutzen kann nur als wichtig oder weniger wichtig aus der Sichtweise einer Person eingestuft werden.

Ein Beispiel: Wir könnten sagen, dass Robert es mehr schätzt ein Buch zu lesen, anstatt Radio zu hören. Aber niemand kann sagen, dass er es 2,5-mal mehr schätzt ein Buch zu lesen, anstatt Radio zu hören. Man kann nur sagen, dass es eine Reihenfolge zwischen den beiden Alternativen gibt.

Der Nutzen kann objektiv nicht gemessen werden

Damit wir etwas messen können, muss es eine feste und objektiv festgelegte Einheit geben, an der sich andere Einheiten messen lassen, und es gibt keine solche objektive Einheit im Bereich der menschlichen Bewertung. Ein Mensch muss selbst bestimmen, ob es ihm infolge einer Veränderung besser oder schlechter geht.

Jetzt, da wir erklärt haben, was Nutzen ist, ist hier eine interessante Frage:  Warum ist ein Diamant wertvoller als eine Tasse Wasser? Warum ist eine Tasse Wasser, die wir zum Leben brauchen, weniger wert als ein Diamant, den wir nicht zum Leben brauchen? Sollten die Menschen nicht bereit sein viel mehr für eine Einheit Wasser als für eine Einheit Diamant zu bieten?

Die Antwort ist, dass wir niemals in der Lage sind, zwischen allen Diamanten der Welt und dem gesamten Wasser der Welt zu wählen. Wir wählen nur zwischen der nächsten Wassereinheit und der nächsten Diamanteinheit. Unsere Wahl wird durch den Nutzen einer zusätzlichen Einheit getroffen. Wir vergleichen nur den Grenznutzen von Diamanten und den Grenznutzen von Wasser, nicht den Gesamtnutzen von Diamanten und den Gesamtnutzen von Wasser.

Der Grenznutzen ist dabei der Nutzen, den wir einer zusätzlichen Einheit eines Gutes beimessen.  Eine Handlung impliziert die Knappheit der Mittel, denn sonst müssten wir nicht handeln. Aus diesem Grund müssen wir unsere Mittel zur Erreichung unserer Ziele sinnvoll einsetzen. Logischerweise müssen daher unsere knappen Mittel so eingesetzt werden, dass sie dem größten Bedürfnis als erstes Nutzen. Das nächste Mittel dient unserem zweitstärksten Bedürfnis und so weiter …

Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen

Dies bedeutet, dass jede zusätzliche Einheit eines homogenen Gutes dazu dient, ein geringeres Bedürfnis zu befriedigen und dass jede zusätzliche Einheit uns somit einen geringeren Grenznutzen verschafft. Dies ist als das Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen bekannt.

Lass uns dazu nochmal ein Beispiel anschauen: Betrachten wir die Familie Müller. Sie kaufen ihr erstes Auto, das an den Vater geht. Er benutzt es, um ins Büro zu fahren, da dies die wichtigste Verwendung des Autos für die Familie Müller ist.

Nehmen wir jetzt an, sie beschließen, ein zweites Auto zu kaufen. Dieses Auto würde an Frau Müller gehen. Frau Müller benutzt es, um zum Supermarkt zu fahren und um weitere Besorgungen zu erledigen. Dies ist für die Familie Müller die zweitwichtigste Verwendung eines Autos.

Jetzt kaufen sie ein drittes Auto für den Sohn, der damit zur Schule fahren kann. Dies ist die drittbeste Verwendung eines Autos für die Familie Müller.

Dies zeigt, dass die Familie Müller jede zusätzliche Einheit eines Autos weniger als die vorherige schätzt, weil sie einem weniger dringenden Zweck dient.  Nehmen wir jetzt an: Das Auto von Herr Müller geht kaputt. Was meinst du, wer müsste ohne Auto auskommen?

Es ist der Sohn, der ohne Auto auskommen muss, weil die zwei verbleibenden Autos für die beiden dringendsten Bedürfnisse verwendet werden. Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen ist eines der grundlegendsten Prinzipien der Praxeologie.

Zusammenfassung

Wir halten fest, dass dieses Prinzip nicht auf psychologischen oder verhaltensbezogenen Annahmen beruht, sondern logischerweise aus dem unwiderlegbaren und wahren Satz des menschlichen Handelns abgeleitet werden kann. Und bevor wir empirische Tests durchführen, kann uns das Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen folgendes sagen: Die Preise von Waren entstehen nicht mechanisch durch Angebot und Nachfrage, sondern durch zielgerichtetes Wählen von Individuen und dem zu erwartenden Nutzen.

Wir sehen uns im nächsten Beitrag „Praxeologie: Das Ertragsgesetz #11„.
Hier geht’s nochmal zum letzten Beitrag „Praxeologie: Die Unsicherheit #9„.

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Beste Grüße

Leo Mattes

Quellen:

Ludwig von Mises – Nationalökonomie, Theorie des Handelns und Wirtschaftens (Buch)

Praxeologie auf Wikipedia

Praxeologie Unsicherheit

Praxeologie: Die Unsicherheit #9

Veröffentlicht Veröffentlicht in Leo Mattes, Praxeologie

Im letzten Beitrag habe ich erklärt, warum das Konzept der Zeit für die Wissenschaft der Praxeologie so wichtig ist. Die Zeit ist im Wesen des menschlichen Handelns inbegriffen und grenzt die Praxeologie als Wissenschaft von allen anderen Denkschulen, die versuchen, das menschliches Handeln zu untersuchen, ab.

In diesem Beitrag möchte ich auf das Thema der Unsicherheit, die im menschlichen Handeln inbegriffen ist, eingehen, und einen Blick auf die begrenzte Möglichkeit praxeologischer Vorhersagen werfen.

Die Ungewissheit der Zukunft ist bereits im eigentlichen Begriff des Handelns enthalten. Handeln heißt wählen. Aber wenn der Mensch die Zukunft wüsste, müsste er sich nicht entscheiden, was bedeutet, dass er nicht handeln würde. Der Mensch wäre wie eine Maschine, die ohne eigenen Willen auf Reize reagiert.

Der Mensch kennt die Zukunft nicht und auch die Naturwissenschaften können die Zukunft nicht vorhersagen. Sie teilen uns nur möglichen Ergebnisse aufgrund einer Reihe bestimmter Parameter mit.

Dabei sind zwei Punkte unvorhersehbar:

  1. Die Fakten über die Natur, die wir nicht kennen und
  2. menschliche Entscheidungen.

Unser Mangel an Wissen in Bezug auf diese beiden Bereiche wirkt sich auf alle menschlichen Handlungen mit Unsicherheit aus. Es gibt drei verschiedene Arten, wie wir die Handlungen eines Menschen in Bezug auf die Zukunft einordnen können.

  • Glücksspiel,
  • Spekulationen und
  • das Einsetzen von Technik.

Beim Glücksspiel kennen wir die Häufigkeit der Möglichkeiten, aber diese Informationen können uns nicht dabei helfen, das Glücksspiel zu gewinnen. Wir müssen uns auf das Glück verlassen.

Beim Spekulieren versuchen wir die Zukunft mit Hilfe von vergangenen Informationen bestmöglich abzuschätzen und unser Handeln daran anzupassen. Dabei gehen wir immernoch ein Risiko ein, aber dieses Risiko wird reduziert, indem wir zusätzliche Informationen über das Ziel einholen.

Jede menschliche Handlung ist eine Form der Spekulation. In den Ingenieurswissenschaften wissen wir fast alles darüber, wie ein Werkzeug oder eine Maschine nach den Anforderungen entwickelt wird. Zusätzlich werden aber Vorsichts- und Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um einige Unsicherheiten zu beseitigen.

Es gibt den Begriff namens Social Engineering, aber dieser Begriff ist nichts anderes als ein Synonym für Diktatur und Totalitarismus. Man kann einen Menschen und eine Gesellschaft nicht gestalten, wie man sie gerne hätte, denn Menschen kann man nicht so behandeln, wie ein Ingenieur ein Zahnrad und seine Maschine behandelt. Auch ein Diktator kann seinen Willen nicht dem Willen des Volkes aufzwingen. Ein Individuum muss glauben, dass es durch eine Handlung seinem Glück näherkommt. Ein Diktator kann diesen Glauben nicht erzwingen.

Vorhersagen der Praxeologie

Zuvor sprachen wir über die Grenzen naturwissenschaftlicher Vorhersagen. Gleichermaßen ermöglicht uns die Praxeologie, die Ergebnisse verschiedener Handlungen mit logischer Sicherheit vorherzusagen. Aber diese Vorhersagen können niemals etwas quantitatives aussagen.

In anderen Worten: Wir können sagen, dass ein Rückgang der iPhone-Nachfrage zu einem Rückgang des iPhonepreises führen wird, wenn alle anderen Faktoren gleichbleiben. Wir können jedoch nicht vorhersagen, um wie viel Euro der Preis fallen wird. Denn wie ich in früheren Beiträgen erklärt habe, können wir einer menschlichen Handlung keinen festen Wert zuweisen.

Jeder Praxeologe, der eine quantitative Vorhersage über den Preis eines Gutes oder dessen Zeitpunkt macht, trifft keine praxeologische Vorhersage, sondern äußert seine eigene unternehmerische Meinung.

Zusammenfassung

Wir können die Zukunft nicht kennen, wir können nur spielen, spekulieren oder konstruieren. Und bei jedem dieser drei Ansätze besteht ein unbestreitbares Risiko und eine Unsicherheit. Es gibt somit keine vollständige und exakte Vorhersagbarkeit, Sicherheit oder Stabilität. Unsere Vorhersagen können eine Reihe logischer Ergebnisse aussagen. Diese prognostizierten Ergebnisse können jedoch nur qualitativ und nicht quantitativ sein.

Wir sehen uns im nächsten Beitrag „Praxeologie: Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen #10„.
Hier geht’s nochmal zum letzten Beitrag „Praxeologie: Die Zeit #8„.

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Beste Grüße

Leo Mattes

Quellen:

Ludwig von Mises – Nationalökonomie, Theorie des Handelns und Wirtschaftens (Buch)

Praxeologie auf Wikipedia