Die Zentralbank als Anthropomorphismus

Die Österreichische Schule der Nationalökonomie beginnt mit einer einfachen, aber radikalen Einsicht: Nur Menschen handeln. Diese Einsicht, die auf den praxeologischen Überlegungen von Ludwig von Mises basiert, bildet den Ausgangspunkt jeder ökonomischen Analyse. Handeln bedeutet dabei stets, dass ein Individuum Mittel einsetzt, um subjektiv gewählte Ziele zu erreichen. Ziele existieren im Geist von Menschen, und ebenso die Bewertung der Mittel.

Aus dieser Perspektive ergibt sich eine fundamentale Konsequenz: Kollektive Entitäten handeln nicht. Weder „die Gesellschaft“, noch „die Wirtschaft“, noch „der Staat“ handeln im praxeologischen Sinn. Handeln können nur konkrete Menschen.

Doch in der politischen und ökonomischen Sprache begegnet uns ständig eine andere Darstellung. Wir hören Formulierungen wie: „Die Zentralbank senkt den Zins“, „Die Zentralbank stabilisiert die Wirtschaft“ oder „Die Zentralbank schafft Geld“. In dieser Sprache erscheint die Zentralbank als handelndes Subjekt – als eine Art ökonomischer Akteur mit eigenen Zielen und Fähigkeiten.

Praxeologisch betrachtet ist diese Darstellung jedoch eine Fiktion.

Der Anthropomorphismus der Zentralbank

Der Begriff Anthropomorphismus bezeichnet die Zuschreibung menschlicher Eigenschaften an etwas, das selbst kein Mensch ist. Man kennt dieses Phänomen aus Religion, Mythologie oder Literatur – wenn etwa Naturkräfte oder Tiere als handelnde Wesen dargestellt werden.

In der politischen Ökonomie geschieht etwas Ähnliches. Institutionen werden so beschrieben, als seien sie handelnde Personen.

Wenn von der European Central Bank oder der Federal Reserve System gesprochen wird, entsteht der Eindruck eines eigenständigen Akteurs. Doch tatsächlich handelt dort niemand außer den Menschen, die Entscheidungen treffen: Vorstände, Ökonomen, Politiker, Bürokraten.

Die „Zentralbank“ selbst besitzt:

  • keinen Geist

  • keine Ziele

  • keine Präferenzen

  • keine Verantwortung

All diese Eigenschaften existieren ausschließlich in den Köpfen der Menschen, die innerhalb der Institution handeln.

Der Ausdruck „die Zentralbank tut X“ ist daher eine sprachliche Abkürzung. In Wahrheit bedeutet er: Bestimmte Menschen treffen Entscheidungen innerhalb einer organisatorischen Struktur, die gesellschaftlich als Zentralbank bezeichnet wird.

Mittel, Ziele und Zuschreibung

Praxeologie analysiert menschliches Handeln als Relation zwischen Mitteln und Zielen.

Die Menschen innerhalb einer Zentralbankstruktur verfolgen Ziele:

  • politische Stabilität

  • Karriere

  • ideologische Vorstellungen

  • wirtschaftspolitische Programme

Um diese Ziele zu erreichen, nutzen sie Mittel:

  • institutionelle Regeln

  • gesetzliche Privilegien

  • Zugriff auf das Geldsystem

  • kommunikative Autorität

Doch diese Mittel existieren nicht aus sich selbst heraus. Sie existieren nur, weil andere Menschen ihnen Bedeutung und Geltung zuschreiben.

Papier wird zu Geld, weil Menschen es als Geld akzeptieren.
Ein Zinssatz wird zur „Leitzinsentscheidung“, weil Menschen ihm Autorität zugestehen.
Ein Gebäude wird zur „Zentralbank“, weil Menschen seine Entscheidungen anerkennen.

Ohne diese Zuschreibung würde nichts davon existieren.

Die Parallele zum Staat

Der gleiche Anthropomorphismus findet sich beim Begriff des Staates. Man sagt:

„Der Staat entscheidet“
„Der Staat verlangt Steuern“
„Der Staat schützt seine Bürger“

Doch auch hier gilt: Der Staat selbst handelt nicht.

Diese Einsicht wurde besonders deutlich von Murray Rothbard formuliert: Der Staat ist kein Wesen, sondern eine Organisation von Menschen, die über besondere institutionelle Privilegien verfügen.

Wenn der Staat Steuern erhebt, dann tun dies konkrete Menschen: Beamte, Politiker, Vollstreckungsorgane.
Wenn der Staat Gesetze erlässt, dann tun dies konkrete Menschen: Parlamente, Regierungen, Gerichte.

Der Staat ist somit keine eigenständige Realität, sondern ein Begriff für ein bestimmtes Muster menschlicher Interaktionen.

Die Zentralbank ist lediglich eine spezialisierte Organisation innerhalb dieses Musters.

Die Illusion institutioneller Subjekte

Warum aber erscheint uns die Zentralbank dennoch als eigenständiger Akteur?

Die Antwort liegt in der sprachlichen Abstraktion.

Sobald komplexe institutionelle Strukturen entstehen, beginnt der Mensch, sie wie handelnde Subjekte zu behandeln. Diese sprachliche Vereinfachung ist praktisch – aber sie verschleiert die praxeologische Realität.

Aus der Perspektive der Österreichischen Schule existieren daher keine kollektiven Handlungseinheiten.

Es gibt nur:

  • Individuen

  • ihre Ziele

  • ihre Mittel

  • ihre Entscheidungen

Alles andere ist Beschreibung, nicht Realität.

Die radikale praxeologische Konsequenz

Nimmt man diese Einsicht ernst, folgt eine radikale Schlussfolgerung:

Es hat nie eine Zentralbank gegeben.
Es gibt keine Zentralbank.
Und es wird niemals eine Zentralbank geben.

Es gibt nur Menschen, die innerhalb bestimmter organisatorischer Strukturen handeln und denen andere Menschen eine besondere Autorität zuschreiben.

Der Begriff „Zentralbank“ ist somit kein realer Akteur, sondern ein sprachlicher Sammelbegriff für ein System von Handlungen und Zuschreibungen.

Die Institution existiert nicht als handelndes Subjekt – sondern nur als Glaubensstruktur innerhalb der sozialen Ordnung.

Ein weiterer praxeologischer Schluss folgt unmittelbar aus dieser Einsicht: Wenn es im strengen Sinne keine Zentralbank als handelndes Subjekt gibt, dann kann sie auch weder geschaffen noch abgeschafft werden. Was politisch als „Gründung einer Zentralbank“ bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit lediglich ein Prozess, in dem bestimmte Menschen anderen Menschen neue Regeln, Privilegien und Erwartungen zuschreiben. Ebenso bedeutet die „Abschaffung“ einer Zentralbank nicht das Verschwinden eines realen Akteurs, sondern nur die Veränderung oder Auflösung eines institutionellen Arrangements von Handlungen, Rechten und Zuschreibungen.

Es wird also nicht ein Wesen ins Leben gerufen oder beseitigt, sondern lediglich das Verhalten von Menschen in bestimmten organisatorischen Strukturen verändert. Praxeologisch existiert daher weder der Moment, in dem eine Zentralbank entsteht, noch der Moment, in dem sie verschwindet – es existieren nur Menschen, die ihre Handlungen und ihre gegenseitigen Zuschreibungen verändern.

Schluss

Die praxeologische Methode zwingt uns, ökonomische Phänomene auf ihre elementare Grundlage zurückzuführen: das individuelle Handeln.

Sobald man diesen Schritt vollzieht, lösen sich viele scheinbar mächtige Institutionen in ihre tatsächlichen Bestandteile auf. Die Zentralbank erscheint dann nicht mehr als übergeordnetes Steuerungsorgan der Wirtschaft, sondern als ein Netzwerk von Menschen, das nur deshalb Wirkung entfaltet, weil andere Menschen ihm Bedeutung und Autorität zuschreiben.

Der Anthropomorphismus der Zentralbank ist somit keine ökonomische Notwendigkeit, sondern eine sprachliche und mentale Konstruktion.

Und wie jede Konstruktion existiert sie nur so lange, wie Menschen an sie glauben.

Beste Grüße

Leo Mattes

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Disclaimer: Dieser Essay wurde natürlich mit chatGPT unterstützt.