Leo MattesSpieltheorie des Lebens

Endliche und unendliche Spiele #1

1 Endliche und Unendliche Spiele

In der Spieltheorie des Lebens werden wir das Leben aus zwei Perspektiven betrachten. Zum einen als endliches Spiel und zum anderen als unendliches Spiel. In diesem Beitrag werde ich diese beiden Spiele vorstellen und voneinander abgrenzen.

Zunächst müssen wir festhalten, dass jeder sich frei entscheiden kann welches Spiel er spielen möchte und dass er jederzeit das Spiel wechseln kann. Ein unveränderliches Prinzip von Spielen ist nämlich, dass jeder Spieler freiwillig mitspielt. Jeder hat die Wahl zwischen einem endlichen oder einem unendlichen Spiel.

Betrachten wir zunächst die Eigenschaften eines endlichen Spiels.

Das Endliche Spiel

Ein endliches Spiel wird gespielt, um zu gewinnen. Dabei ist das endliche Spiel durch festgelegte Regeln limitiert, welche nicht verändert werden können. Die Regeln werden im Vorhinein extern definiert und werden vor einem Spiel kommuniziert. Jeder der Spieler muss vor Spielbeginn den Regeln zustimmen. Wie die Regeln, der Ort, die Anzahl der Spieler und der Start, so ist auch das Ende eines endlichen Spiels definiert. Dabei kann nur eine Person oder ein Team das Spiel gewinnen. Die Zeit für das Spiel ist ebenfalls festgelegt und läuft während des Spiels ab.

Die Spieler in einem endlichen Spiel spielen somit innerhalb der Regeln, denen sie im Vorhinein zugestimmt haben. Der endliche Spieler ist somit ständig darauf angewiesen den Fortschritt des Wettbewerbs im Blick zu haben, was ihm glauben machen kann, dass jeder Schritt bzw. Spielzug einem äußeren Zwang unterlegen ist. Doch durch die freiwillige Teilnahme am endlichen Spiel sind diese Schritte nur Selbsteinschränkungen.

Als Beispiele für endliche Spiele können wir die uns bekannten Spiele Schach oder Fußball nennen. Wenn wir weitere endliche Spiele im Leben als Beispiele suchen, so finden wir etwa Notensysteme, Doktortitel, Kriege oder Gehaltsklassen.

Das Unendliche Spiel

Das unendliche Spiel hat keinen Startpunkt und kein fixes Ende. Es kann somit nicht gewonnen werden, denn das Ziel ist es das Spiel am Laufen zu halten. Die Anzahl der Spieler und die Regeln sind nicht im Vorhinein festgelegt und können sich während des Spiels verändern. Das unendliche Spiel ist kein Wettkampf gegen andere Spieler und auch nicht extern, sondern intrinsisch definiert. Die Spielzeit eines unendlichen Spiels ist nicht festgelegt denn die Zeit wird durch das Spiel selbst kreiert. Ein Spieler eines unendlichen Spiels spielt nicht innerhalb der Regeln, sondern mit den Regeln. Alle Spielzüge werden nicht als Gewinn oder Verlust betrachtet, sondern als weitere Momente im unendlichen Spiel.

Als Beispiele für unendliche Spiele finden wir, wie im Vorwort schon erwähnt, das Aufrechterhalten von immateriellen Dingen, wie etwa Freiheit, Liebe, Vertrauen, Gesundheit, Fitness, Freundschaft, Neugier und das Leben selbst.

Wichtig zu erwähnen ist auch, dass endliche Spiele innerhalb eines unendlichen Spiels gespielt werden können, jedoch ein unendliches Spiel nicht innerhalb eines endlichen Spiels gespielt werden kann.

So können wir in einer Freundschaft gegeneinander Tischtennis spielen, doch sollten wir dabei nicht vergessen, dass das Tischtennis-Spiel nur ein endliches Spiel ist, welches dem unendlichen Spiel untergeordnet ist.

Es ist in jeder Situation wichtig zu wissen, ob man ein endliches Spiel oder ein unendliches Spiel spielt und was man erreichen möchte.

Zoe und Bios

In der griechischen Sprache gibt es sogar zwei Begriffe für das Leben, die diese beiden Betrachtungsweisen unterscheiden. Zoe und Bios. Zoe als ewiges und unendliches Leben und Bios als endliches und individuelles Leben.

“This essential distinction between the whole and the part was later formulated in the Greek language by the two different Greek words for life, zoe and bios, as the embodiment of two dimensions co-existing in life. Zoe is eternal and infinite life; bios is finite and individual life. Zoe is infinite ‘being’; bios is the living and dying manifestation of the eternal world in time.”

Ich freue mich, wenn dir dieser Beitrag gefallen hat und du die Serie weiter verfolgst. Im nächsten Beitrag geht es um „Überraschungen als Ende oder Verwandlung #2“.

Hier gelangst du nochmal zum vorherigen Artikel „Die Spieltheorie des Lebens: Vorwort„.

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Beste Grüße

Leo Mattes

Quellen:

James P. Carse – „Finite and Infinite games“ (Buch)