AntifragilitätLeo Mattes

Ist DEIN Leben in der Krise, weil DAS Leben in der Krise ist?

DAS Leben ist in der Krise - deshalb auch DEIN Leben

Warum bist du in der Krise? Warum sind wir in der Krise? Wie kommen wir aus der Krise? Wie verhindern wir weitere Krisen? Was streben wir an? Um was geht es uns wirklich?

In diesem Beitrag möchte ich dir zwei Betrachtungsweisen über das Leben mit auf den Weg geben, welche den ewigen Konflikt der Menschheit zwischen Individuum und Kollektiv beschreiben.

Geht es dir um DEIN Leben oder geht es dir um DAS Leben?

Kümmerst du dich darum, dass möglichst viele überleben, oder darum, dass überhaupt jemand überlebt?

Geht es dir darum, dass du deine Überlebenswahrscheinlichkeit für dein Leben erhöhen möchtest, oder geht es dir um etwas größeres und Wichtigeres als dich?

Wenn wir uns Systeme anschauen, dann können diese entweder fragil oder antifragil sein. Etwas, das fragil ist, wird durch einen externen Schock zerstört. Ein Glas ist fragil. Jedes unserer Leben ist fragil. Etwas, das antifragil ist profitiert durch einen externen Schock, weil es sich durch unvorhergesehene Ereignisse verbessern kann. Ein Glasmacher kann durch jedes zerbrochene Glas etwas lernen, um die Gläser besser zu machen. Durch jeden Flugzeugabsturz lernen wir das Fliegen sicherer zu machen. Damit das Gesamtsystem antifragil sein kann, muss ein Teilsystem fragil sein.

Ein antifragiles System benötigt somit den Versuch und den Irrtum, damit Verbesserungen und ein Fortbestehen existieren können.

Es gibt keine absolute Sicherheit

Nun gibt es keine absolute Sicherheit im Leben, was sich darin äußert, dass hin und wieder unvorhergesehene Ereignisse auftreten. Diese Schwankungen sind für den Einzelnen meistens nicht schlimm. Wenn wir uns gegenseitig freiwillig aushelfen, so ist dies kein Problem, denn wir bleiben als Individuen Teilsysteme der Menschheit. Wenn wir uns jedoch zu einer gegenseitigen Hilfe oder zu einem anderen gemeinsamen Verhalten verpflichten, so sind wir nicht mehr mehrere Teilsysteme, sondern werden zu einem großen System.

Doch auch große Systeme sind Unsicherheiten ausgesetzt, welche sie fragil machen. Es besteht somit ein Drang zu immer größeren Systemen, welche zwar die kleinen Probleme der Teilsysteme lindern können, doch steigt ebenso die Fragilität des gesamten Systems.

Die Fragilität des gesamten Systems nimmt zu, während dementsprechend die Antifragilität abnimmt.

Wir können dieses Muster etwa in der Altersvorsorge der Rentenversicherung sehen. Wir sind alle davon abhängig, dass das Rentensystem funktioniert. Sollte es einmal nicht mehr funktionieren, so haben wir als Gesellschaft und auch jeder Einzelne ein Problem. Wir sehen dies ebenfalls in der Arbeitslosenversicherung. Was passiert etwa, wenn sehr viele auf einmal arbeitslos werden?

Solche Systeme haben immer die Idee, dass möglichst viele überleben, doch kommt es bei einem Scheitern des System zu einer großen humanitären Krise, weil jeder sich vom System abhängig gemacht hat.

Der freie Markt ist antifragil. Der Staat ist fragil.

Auf einem freien Markt ist das Individuum nicht von einem Gesamtsystem abhängig und viele Individuen machen ein Gesamtsystem antifragil. Durch staatliche Vorgaben wird das Gesamtsystem fragil. Sollte einem fragilen Gesamtsystem etwas Außergewöhnliches zustoßen, so kommt es zu einer großen Krise für alle, während es in einem antifragilen Gesamtsystem zu vielen kleinen Krisen kommt.

Der Ruf nach Vergesellschaftung und Staat funktioniert zwar in einem antifragilen Gesamtsystem, doch wird er zunehmend zum Problem, weil die Fragilität des Gesamtsystems bzw. des Staates zunimmt.

Genau dies ist die ewige Auseinandersetzung zwischen der freien Marktwirtschaft – auch genannt Kapitalismus- und einem planwirtschaftlichen und totalitären System – auch genannt Sozialismus.

Wofür lebst du?

Um zur Ausgangsfrage zurückzukommen, ob du für DEIN Leben oder für DAS Leben lebst.

Wer für SEIN Leben lebt, der ist für eine Vergemeinschaftung des Risikos und für einen größeren Staat. Er nimmt die Fragilität des Gesamtsystems in Kauf, um sein eigenes Leben vor den möglichen Risiken zu schützen. Doch dies funktioniert nur solange, bis einem die Fragilität des Gesamtsystems zum Verhängnis wird. Wer hingegen für DAS Leben lebt, der ist gegen einen Nanny-Staat, denn eine Fragilität des Gesamtsystems wird für DAS Leben nicht gut enden.

Auch in der aktuellen Krise stellt sich die Frage, ob wir uns auf die Anweisungen des Staates verlassen sollten, denn es ist der Versuch mit EINEM kollektiven Lösungsweg möglichst viele Menschen zu retten. Wenn dieser Versuch jedoch eine schlechte Idee ist und scheitert, weil z.B. die Nebenwirkungen die Wirtschaft zerstören, so haben wir eine andere und evtl. größere humanitäre Krise. Und vor allem hat DAS Leben aufgrund eines fragilen Gesamtsystems ein Problem.

Es kommt für jedes System immer der Tag, an dem es auf Fragilität getestet wird. Sollten wir alle gleichzeitig in der Krise sein, so ist eine Fragilität des Gesamtsystems mit großer Wahrscheinlichkeit die Ursache. Wir erkennen hier eine Zeitpräferenz. Wenn man für SEIN Leben lebt, dann denkt man nicht über seinen eigenen Tod hinaus, im Gegensatz, wenn man für DAS Leben lebt.

Sollten wir daher lieber unsere eigene Fragilität akzeptieren, damit DAS Leben weitergehen kann? Denn sicher ist, dass langfristig nur ein antifragiles System überleben kann, denn ein fragiles System wird per Definition scheitern müssen. Fragile Systeme sind in einer Pfadabhängigkeit und ein Ende ist vorherbestimmt, lediglich der Zeitpunkt ist noch unsicher.

Es kann also sehr gut sein, dass DEIN Leben in der Krise ist, weil DAS Leben in der Krise ist.

Wie wir es auch drehen und wenden, es läuft immer auf die Frage hinaus: Leben wir primär für DAS Leben oder für UNSER Leben. Für die freie Marktwirtschaft/Kapitalismus oder für ein planwirtschaftliches System/Sozialismus.

Ausblick

James P. Carse hat in seinem Buch „Finite and infinite games“ genau diese Unterscheidung vorgenommen. Er betrachtet das Leben als Spiel. Zum einen sieht er das Leben als endliches Spiel, das gespielt wird, um selbst zu gewinnen. Und zum anderen betrachtet er das Leben als unendliches Spiel, das gespielt wird, um es am Laufen zu halten.

In den nächsten Wochen werde ich eine Serie über dieses endliche und unendliche Spiel hier auf meinem Blog veröffentlichen.

Ich freue mich, wenn dir dieser Beitrag gefallen hat und du meinen Newsletter abonnierst.

Beste Grüße,

Leo Mattes

Weitere Artikel über Pfadabhängigkeiten:

Eigenschaften von Pfadabhängigkeiten

Die Sackgasse des Geldsystems

Die Anreizsysteme der Demokratie

Das Rentensystem in der Pfadabhängigkeit

Dezentralisierung: Das neue ökonomische Paradigma

Praxeologie: Marktinterventionen & die Interventionsspirale #27

Antifragilität auf Wikipedia