Mining Death Spiral – der unvermeidliche Stresstest

Seit der Entstehung von Bitcoin ist die Hashrate des Netzwerks nahezu ununterbrochen gestiegen. Selbst größere Kurseinbrüche konnten diesen langfristigen Trend nicht nachhaltig aufhalten. Bis etwa Oktober 2025 war das Netzwerk von einer Entwicklung geprägt, bei der immer leistungsfähigere ASIC-Miner mit deutlich höherer Energieeffizienz auf den Markt kamen. Jede neue Gerätegeneration produzierte erheblich mehr Hashes pro eingesetzter Kilowattstunde und ermöglichte es den Minern, ihre Rechenleistung auch bei stagnierenden oder fallenden Bitcoin-Preisen weiter auszubauen. Dadurch konnte die Hashrate über Jahre hinweg nahezu unabhängig vom kurzfristigen Marktgeschehen steigen.

Rückkopplung und Aufwärtsspirale

Aus dieser historischen Entwicklung lässt sich eine bemerkenswerte positive Rückkopplung ableiten. Eine steigende Hashrate erhöhte die Kosten eines möglichen Angriffs auf das Netzwerk und damit dessen Sicherheit. Höhere Sicherheit stärkte wiederum das Vertrauen von Investoren, Unternehmen und Nutzern in die Beständigkeit des Systems. Dieses wachsende Vertrauen erleichterte die Adoption von Bitcoin, wodurch die Nachfrage und letztlich auch der Marktpreis stiegen. Ein höherer Bitcoin-Preis erhöhte wiederum die Profitabilität des Minings und rechtfertigte Investitionen in neue Mining-Anlagen. Dadurch floss mehr Kapital in die Branche, mehr Energie wurde für das Mining aufgewendet und die Hashrate stieg erneut. Sicherheit, Vertrauen, Adoption, Preis und Hashrate verstärkten sich gegenseitig in einer selbsttragenden Aufwärtsspirale.

Der Autor Gigi beschreibt Bitcoin wiederholt als ein System positiver Rückkopplungen. Er formuliert sinngemäß, dass mehr Nutzer zu mehr Wert führen, mehr Wert zu mehr Sicherheit und mehr Sicherheit wiederum zu mehr Nutzern. Ebenso betont er, dass Bitcoin durch jedes Wachstum stärker wird, weil alle Beteiligten Anreize erhalten, das Netzwerk weiter auszubauen und zu schützen. Diese Beobachtungen beschreiben genau jene Dynamik, die die ersten anderthalb Jahrzehnte von Bitcoin geprägt hat. Jeder Zyklus erhöhte nicht nur den Preis, sondern gleichzeitig auch die wirtschaftliche und technische Sicherheit des Netzwerks.

Miner Effizienzsprünge werden geringer

Diese historische Entwicklung könnte jedoch an einen Wendepunkt gelangen. Die Effizienzsprünge moderner ASIC-Miner werden von Generation zu Generation kleiner. Während frühe Geräte ihre Effizienz teilweise verdoppelten oder sogar vervielfachten, bewegen sich aktuelle Verbesserungen oftmals nur noch im Bereich weniger Prozent. Physikalische Grenzen der Halbleitertechnik sowie der zunehmende Aufwand moderner Chipfertigung sorgen dafür, dass sich diese Entwicklung langfristig fortsetzen dürfte. Dadurch verliert die Hashrate ihren bisherigen strukturellen Rückenwind.

Solange immer effizientere Miner verfügbar waren, konnte die gesamte Netzwerkleistung trotz sinkender Bitcoin-Preise häufig weiter wachsen. Fällt dieser technologische Rückenwind jedoch weg, wird die Hashrate künftig wesentlich stärker von der tatsächlichen Wirtschaftlichkeit des Minings abhängen. Sinkende Bitcoin-Preise werden dann nicht mehr automatisch durch Effizienzgewinne kompensiert werden können. Vielmehr ist zu erwarten, dass unrentable Miner ihre Geräte abschalten und die Hashrate stärker als bisher auf Preisbewegungen reagiert.

Rückkopplung und Abwärtsspirale

Damit entsteht erstmals die Möglichkeit einer entgegengesetzten Rückkopplung. Ein sinkender Bitcoin-Preis reduziert die Einnahmen der Miner. Dadurch werden weniger Mining-Anlagen betrieben und die Hashrate fällt. Eine geringere Hashrate bedeutet, zumindest kurzfristig, einen geringeren Energieaufwand zur Absicherung des Netzwerks und niedrigere Kosten für einen theoretischen Angriff. Diese Entwicklung könnte das Vertrauen einzelner Marktteilnehmer schwächen. Geringeres Vertrauen könnte die Adoption verlangsamen oder sogar rückläufig werden lassen. Eine sinkende Nachfrage würde wiederum den Bitcoin-Preis zusätzlich belasten und weitere Miner aus dem Markt drängen. Aus der historischen Aufwärtsspirale ließe sich somit spiegelbildlich eine potenzielle Abwärtsspirale ableiten.

Mining Death Spiral als Narrativ

Diese Überlegung erinnert an das häufig diskutierte Narrativ der sogenannten Mining Death Spiral. Dabei handelt es sich um die Vorstellung, dass fallende Preise immer mehr Miner zur Abschaltung zwingen, wodurch die Netzwerksicherheit sinkt und der Preis weiter unter Druck gerät. Bislang wurde dieses Szenario in der Praxis nie dauerhaft beobachtet. Zwar gab es temporäre Rückgänge der Hashrate, doch der Schwierigkeitsanpassungsmechanismus des Bitcoin-Protokolls stellte die Profitabilität der verbleibenden Miner immer wieder her. Das Netzwerk stabilisierte sich nach jeder Phase neu.

Gerade deshalb wäre eine solche Phase keineswegs ausschließlich negativ. Im Gegenteil: Die langfristige Resilienz eines Systems zeigt sich nicht daran, dass es ausschließlich günstige Rahmenbedingungen erlebt, sondern daran, dass es auch ungünstige Bedingungen übersteht. Bitcoin konnte seine ökonomische Aufwärtsspirale bereits mehrfach unter Beweis stellen. Was bislang weitgehend fehlt, ist ein längerer Belastungstest, bei dem Hashrate, Sicherheit, Vertrauen und Preis gleichzeitig unter Druck geraten. Erst wenn das Netzwerk auch diesen Test besteht, lässt sich zeigen, dass seine Stabilität nicht allein auf ständig steigender Rechenleistung beruht, sondern auf den ökonomischen Anreizen des Protokolls selbst.

Die Analogie zu Gigis Beschreibung der positiven Netzwerkeffekte ist dabei besonders interessant. Wenn mehr Nutzer mehr Wert schaffen und mehr Wert wiederum mehr Sicherheit erzeugt, dann müsste im Umkehrschluss auch gelten, dass weniger Wert kurzfristig weniger Sicherheit erzeugen kann. Entscheidend ist jedoch nicht die Existenz dieser negativen Rückkopplung, sondern ihre Grenzen. Die eigentliche Stärke von Bitcoin besteht darin, dass die ökonomischen Anreize auch in einer Schrumpfungsphase bestehen bleiben. Sinkende Hashrate reduziert zwar die absolute Sicherheit, gleichzeitig sinkt aber auch die Mining-Schwierigkeit. Dadurch steigen die Erträge der verbleibenden Miner wieder an, wodurch sich ein neues Marktgleichgewicht bildet. Die gleiche Marktlogik, welche die Aufwärtsspirale ermöglicht hat, wirkt letztlich auch stabilisierend in einer Abwärtsspirale.

Zunehmende Korrelation aus Hashrate und Bitcoin-Preis

Es wäre daher verfrüht zu behaupten, dass bereits der aktuelle Halving-Zyklus zwangsläufig eine ausgeprägte Phase des „Mining Death Spiral“-Narrativs hervorbringen wird. Dafür sind zahlreiche Einflussgrößen entscheidend, darunter der Bitcoin-Preis, die Stromkosten, regulatorische Entwicklungen und zukünftige Hardwareinnovationen. Ebenso ist nicht ausgeschlossen, dass einzelne Effizienzsteigerungen auch künftig noch einmal größere Sprünge ermöglichen. Dennoch erscheint das grundsätzliche Szenario langfristig zunehmend plausibel. Je geringer die technologischen Fortschritte bei der Energieeffizienz ausfallen, desto stärker wird sich die Hashrate an der tatsächlichen Profitabilität des Minings orientieren. Damit dürfte ihre Korrelation zum Bitcoin-Preis im Zeitverlauf zunehmen.

Ein weiterer notwendiger Reifetest

Gerade darin liegt jedoch möglicherweise der nächste Reifetest des Bitcoin-Netzwerks. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass sich eine positive Rückkopplung zwischen Sicherheit, Vertrauen und Adoption entwickeln kann. Die kommenden Jahre könnten zeigen, ob dieselben Marktmechanismen auch in die entgegengesetzte Richtung begrenzt wirken und das Netzwerk selbst unter widrigen Bedingungen stabilisieren. Sollte Bitcoin auch eine Phase fallender Hashrate, sinkender Mining-Investitionen und pessimistischer Marktstimmung überstehen, wäre dies vermutlich einer der stärksten empirischen Belege dafür, dass seine Sicherheit nicht von permanentem Wachstum abhängt, sondern von einem robusten, selbstregulierenden ökonomischen System.

Beste Grüße

Leo Mattes

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Disclaimer: Dieser Essay wurde natürlich mit chatGPT unterstützt.