Mit Bitcoin zu einem freien Markt

Mit Bitcoin zu einem freien Markt – Ein geschlossenes Geldsystem für langfristige Stabilität

Leo Mattes

1. Geld als Technologie

Geld hat neben den wirtschaftlichen Funktionen als Tauschmittel, Wertspeicher und Recheneinheit immer auch eine technologische Komponente. Technologie hilft uns dabei unsere Probleme zu lösen und unsere Bedürfnisse zu befriedigen, indem die Rohstoffe und Naturkräfte geschickt so verbunden und eingesetzt werden, dass sie uns das Leben erleichtern. Auch Geld kann als Technologie betrachtet werden und hat in der Vergangenheit immer wieder andere Formen angenommen. Während es zum Beispiel unterschiedliche Schuharten für verschiedene Situationen gibt, so gibt es auch unterschiedliche Erscheinungsformen von Geld. Schuharten wie Sportschuhe, Wanderschuhe, Skischuhe, Business-Schuhe oder Flip-Flops bieten uns jeweils Vorteile, wenn wir sie in den richtigen Situationen einsetzen. Ebenso ist dies bei Münzen, Scheinen, Schecks, Kreditkarten oder eben Bitcoin. Jede Technologie hat seine Eigenschaften, die sich für eine Verwendung besser oder schlechter eignen. Basistechnologien wie die Glühbirne, das Auto oder das Internet, haben unsere Gesellschaft immer wieder drastisch verändert, weil sie eine neue Form des Zusammenlebens ermöglicht haben. Geld ist ebenso eine Basistechnologie, die für eine Gesellschaft von entscheidender Bedeutung ist und deren Eigenschaft die gesellschaftlichen Strukturen prägt. Dieses Kapitel zeigt auf, warum Bitcoin eine faszinierende neue Basistechnologie ist und wie die Eigenschaften von Bitcoin die Gesellschaft verändern können. Weg von einer zentralen Geldpolitik, deren Anmaßung von Wissen große Auswirkungen nach sich zieht, hin zu einer Geldform, die keine zentrale Steuerung bedarf und Asymmetrien zwischen Macht und Verantwortung auflösen kann.

2. Unterschied von Zeichengeld und Warengeld

Wenn wir uns mit der Technologie Geld auseinandersetzten, stellen wir fest, dass Geld sowohl im physischen als auch im digitalen Raum existieren kann. Genauer, wir müssen zwischen Materie und Information unterscheiden. Materie, wie etwa eine Goldmünze, ist ein physischer Gegenstand mit einer Masse und daher gänzlich unterschiedlich zu einer Information. Im Folgenden eine Gegenüberstellung der unterschiedlichen Eigenschaften:

MaterieInformation
Physischer Gegenstand mit MasseBenötigt Datenträger
Einzigartiger Ort bestimmbarOrtsunabhängig, hyper-lokal
Räumliche AusdehnungStark komprimierbar
Nicht kopierbarKopierbar
Echtheit überprüfbarWahrheitsgehalt unklar
Zeitlos aktuellBenötigt zur Aktualität einen Zeitstempel

Geld als Materie bezeichnen wir auch als Token. Dieser Token wird direkt beim Tausch übergeben und wechselt somit den Besitzer. Geld als Information bezeichnen wir auch als Register. Ein Register ist ein Kassenbuch, welches die Besitzverhältnisse und Transaktionen festhält. Es muss für sich zentral gespeichert sein, damit eine Korrektheit und Aktualität sichergestellt werden kann. Es bedarf Vertrauen in die Instanz, die das Kassenbuch fortschreibt. Während die Besitzverhältnisse eines Tokens direkt in der realen physischen Welt durchgesetzt werden, sagt das Kassenbuch nichts über den tatsächlichen Vorgang in der realen physischen Welt aus. Diese Schnittstelle zwischen der physischen Welt und der Welt der Informationen bringt das Orakel-Problem mit sich. Das Abbild ist nicht das Bild selbst. Das Wort „Hund“ bellt nicht, die Einkaufsliste ist nicht der Einkauf, das Kassenbuch ist nicht die Warenübergabe. Diese Schnittstelle ist nicht nur der Grund weshalb wir regelmäßig Inventuren durchführen, sondern auch die Ursache, weshalb Geldsysteme, welche auf einem Kassenbuch beruhen, immer wieder manipuliert wurden und werden.

3. Die Eigenschaften von Gold

Gold ist ein Element, welches in der Vergangenheit immer wieder als Geld eingesetzt wurde. Es besitzt gegenüber anderen Elementen die Eigenschaften, dass es bei Raumtemperatur nicht flüssig oder gasförmig ist, als Edelmetall nicht reaktionsfreudig ist, nicht radioaktiv ist, nicht giftig ist und nur ein Isotop besitzt. Zudem wird es von den Menschen schon seit über 5000 Jahren entdeckt, gefördert und genutzt. Die jährliche Fördermenge ist im Vergleich zum bisherigen Bestand recht gering und beträgt etwa 2% pro Jahr. Diese Knappheit mit den genannten Eigenschaften sind Gründe, weshalb Gold über viele Jahrhunderte als Wertspeicher gedient hat.

Gold hat aber auch Eigenschaften, die es im Informationszeitalter ungeeignet erscheinen lassen, es als Geld zu nutzen. Gold ist nicht beliebig teilbar und somit im Alltag für indirekte Tauschvorgänge unpraktisch. Gold ist relativ schwer und daher schlecht zu transportieren, Gold bedarf spezieller Messgeräte, um die Reinheit und die Echtheit zu verifizieren. Die wahre Goldmenge ist nicht bekannt und zentralisiert sich auf die Bestände der Zentralbanken und der großen Verwahrstellen. Gold ist ein offenes System, was bedeutet, dass neue Goldeinheiten durch die Miner hinzukommen. Diese haben ein Interesse an der Goldmengenausweitung und tun dies, wenn die Förderung aufgrund der Nachfrage profitabel ist.

4. Förderung von Gold

Es gibt die Faustregel, dass eine Feinunze Gold ungefähr so viel Wert ist wie ein Maßanzug und dies sich über die Jahrhunderte gehalten hat. Doch nach dem französischen Ökonomen Frédéric Bastiat gibt es einen Unterschied zwischen einem schlechten und einem guten Ökonomen. Der schlechte Ökonom beschränkt sich auf die sichtbaren Auswirkungen, während ein guter Ökonom sowohl die sichtbaren als auch die nicht sichtbaren Auswirkungen berücksichtigt.

Im Bezug auf die Entwicklung und Auswirkung der weltweiten Goldmenge bedeutet dies Folgendes: Schätzungsweise 86% des gesamten oberirdischen Goldes wurde in den letzten 200 Jahren gefördert und die weltweite Goldproduktion ist seit dem Jahr 1800 exponentiell gestiegen. Im Jahr 2022 wurden etwa 3100 Tonnen Gold gefördert.[1]

Wenn eine Unze weiterhin einen Maßanzug finanzieren kann, so bedeutet dies, dass ein Maßanzug mittlerweile aufgrund der Produktivitätssteigerungen eigentlich viel günstiger als eine Unze wäre, wenn die Goldmengenförderung nicht zu einer Inflation beigetragen hätte. Gold, sowie die Faustregel des Maßanzugs, genügen somit in einer fortschrittlichen, digitalen Welt nicht mehr den Ansprüchen, da wir von deflationären Effekten durch disruptive Technologiesprünge und massiven Produktivitätssteigerungen umgeben sind.

5. Das zentrale Problem der Zivilisation

Damit Geld als langfristiger Wertspeicher funktioniert und der Sparer nicht durch die Ausweitung der Geldmenge benachteiligt wird, muss die Geldmenge insgesamt knapp sein. Dies bringt uns zum zentralen Problem, welches die Menschheit bisher nicht lösen konnte, denn alle Materie bzw. Produkte werden auf Nachfrage gefördert und produziert, alle Informationen werden auf Nachfrage kopiert und vervielfältigt, und alle Schnittstellen zwischen der Welt der Informationen und der Welt der Materie wurden immer wieder missbraucht. Nicht zuletzt sind die Edelmetallgelder zwar immer wieder eingeführt, doch ebenso wieder abgeschafft worden. Sowohl die römisch-byzantinische Goldmünze „Solidus“ (3. – 11. Jh.), als auch die europäische Währung „Florentiner“ (13.-16. Jh.), als auch der Bimetallismus in Zentraleuropa (18. – 20. Jh.), als auch die Goldmark im deutschen Kaiserreich (19. – 20. Jh.), als auch der Goldstandard (20. Jh.) haben den Test der Zeit nicht bestanden. Auch die heutigen staatlichen Währungen unterliegen seit Jahren einer Inflation und werden stetig ausgeweitet, was zu massiven Einschnitten in die Vermögensverhältnisse der Menschen führt.

Ist die Knappheit der Geldmenge ein handlungslogisches Phänomen, welches technologisch nicht umgesetzt werden kann? Es bleiben uns zwei Optionen um mit dieser Situation umzugehen. Erstens könnten wir zu Gold als stabilstes und knappstes Element zurückkehren. Dies wäre zwar keine Lösung für ein digitales Zeitalter, jedoch könnten wir hier bestimmt einiges aus der Vergangenheit lernen und versuchen die Verfassung, die Geldpolitik sowie die Kontroll-Strukturen noch sicherer aufzustellen, damit eine Auflösung des erneuten Goldstandards maximal erschwert werden würde. Zweitens könnten wir uns unsere Anforderungen an Geld definieren und versuchen ein Geld, welches diesen Anforderungen genügt, zu designen. Ebenso, wie wir es mit anderen Produkten und Technologien täglich in Entwicklungsabteilungen durchführen.

6. Anforderungen an Geld

Ein Geldsystem, welches dem Individuum dient, sollte eine absolut knappe Geldmenge enthalten, damit es nicht zu Umverteilungseffekten durch neue Geldeinheiten kommt. Diese Eigenschaft der knappen Geldmenge sollte öffentlich für jeden verifizierbar und transparent sein, damit das System fair ist und bleibt. Damit dieses Geldsystem langfristig gelingt, bedarf es dezentrale Akteure, die von der Einhaltung der knappen Geldmenge profitieren und das Netzwerk schützen, weil sie daraus einen Vorteil ziehen. Anders als die aktuellen zentralen „Währungshüter“, die keine direkten persönlichen Nachteile erfahren, wenn sie in das System durch Kreditausweitungen oder Zinsveränderungen eingreifen und somit Einfluss auf Milliarden von Menschen haben. Ein solches System hätte zur Folge, dass eine zentrale Planung der Geldmenge und des Zinses nicht mehr möglich und notwendig wäre und eine Trennung von Macht und Geld vollzogen würde. Dies mag für viele derzeit unvorstellbar sein, doch es hat immer wieder große Veränderungen in der Gesellschaft gegeben, wie zum Beispiel die Trennung von Kirche und Staat.

Ein digitales Zeitalter erfordert zudem ein Geld, welches beliebig teilbar ist, damit Transaktionen einfach und schnell durchgeführt werden können. Ebenso braucht es eine digitale, zensurresistente, grenzenlose Übertragbarkeit an jeden Ort der Welt. Durch zensurresistente garantierte Eigentumsrechte würde es jedem Menschen ermöglicht an der weltweiten Arbeitsteilung teilzunehmen ohne aufgrund von bestimmten Merkmalen vom Geldsystem ausgeschlossen zu werden.

Zusammengefasst bedarf es ein in der Menge geschlossenes und preis-inelastisches System, aber ein sozial offenes, transparentes und faires System, welches auf Kooperationen beruht und unabhängig von Sonderinteressen ist.

7. Bitcoin kommt nicht überraschend

Das Konzept von Bitcoin wurde im Jahr 2008 vom pseudonymen Erfinder Satoshi Nakamoto mit dem Titel „Bitcoin – ein elektronisches Peer-to-Peer-Cash System“ veröffentlicht. Satoshi erkannte, dass das Hauptproblem bei konventionellen Währungen das Vertrauen ist, das man benötigt, damit sie funktionieren. Er schrieb: “Man muss der Zentralbank vertrauen, dass sie die Währung nicht entwertet, aber die Geschichte der Fiat-Währungen ist voll von Verstößen gegen dieses Vertrauen.“ Doch Satoshi war nicht der erste, der dies erkannt hatte. Er gehörte zu einer Cypherpunk-Bewegung, die sich schon seit Beginn des Internets mit den Problematiken hinsichtlich Privatsphäre und monetärer Ausgrenzung auseinandergesetzt hat. Doch nicht nur unter den Cypherpunks wurden Projekte und Überlegungen für ein zuverlässiges elektronisches Cash System angestellt, auch Ökonomen dachten schon länger in diese Richtung darüber nach. So sagte etwa Friedrich August von Hayek bereits im Jahr 1984:

„Ich glaube nicht, dass wir jemals wieder ein gutes Geld haben werden, bevor wir die Sache nicht aus den Händen der Regierung nehmen. Das heißt, wir können es nicht gewaltsam aus den Händen der Regierung nehmen, alles, was wir tun können, ist durch einige schlaue Umwege (by some sly roundabout way) etwas einzuführen, das sie nicht stoppen können.“ – F.A. Hayek

Auch Milton Friedman hatte im Jahr 1999 den möglichen Einfluss des Internets auf die Beschränkung der Regierungen bereits durchdacht:

„Ich glaube, dass das Internet eine der wichtigsten Kräfte sein wird, um die Rolle des Staates zu reduzieren. […] Das Einzige, was noch fehlt, aber bald entwickelt werden wird, ist ein zuverlässiges E-Cash; eine Methode, mit der man über das Internet Geld von A nach B überweisen kann, ohne dass A B oder B A kennt.“ – Milton Friedman

Im Januar 2009, nur wenige Monate nach dem Start der Finanzkrise, wurde das Bitcoin Netzwerk gestartet und es hat sich bis heute rasant entwickelt.

8. Die Idee Bitcoin – Kombination vieler Eigenschaften

Bitcoin ist eine Geldtechnologie, die wir bis 2008 nicht kannten. Bitcoin basiert auf einem Kassenbuch, welches dezentral gespeichert wird. Eine fortlaufend, transparente Übersicht der Transaktionen und Besitzverhältnisse ist somit für jeden einsehbar. Die Bitcoin haben dadurch keinen spezifischen Aufenthaltsort, denn das Kassenbuch kann von jedem auf einer handelsüblichen Festplatte gespeichert werden. In diesem Kassenbuch kann die Geldmenge zu jeder Zeit von jedem Netzwerkteilnehmer verifiziert werden. Durch kryptographische Verfahren erhält jeder eine andere Adresse und kann nur mit Hilfe seines Passworts die Bitcoin an andere Netzwerkteilnehmer weitersenden. Die Passwörter sind einzigartig und werden dezentral gelagert und ähneln diesbezüglich einem Token. Jeder Nutzer ist pseudonym im Netzwerk. Keine Identität/Namen, lediglich Adressen lassen sich nachverfolgen. Nur wer durch das Passwort Zugriff auf die Bitcoin hat, ist auch wirklich der Besitzer. Dies bedeutet, dass man nur an Bitcoin kommen kann, wenn man mit dem Tauschpartner eine Kooperation eingeht.

Ein dezentrales Kassenbuch wirft folgende drei wichtige Fragen auf, damit ein Konsens der Teilnehmer gefunden werden kann. Welches ist die richtige und aktuelle Version? Wer darf das Kassenbuch weiterschreiben? Wann wird das Kassenbuch weitergeschrieben?

Der Konsens, dass die Transaktionen im Sinne der Tauschpartner im Kassenbuch richtig aufgeschrieben werden, entsteht durch die Miner, welche sich einem Wettrennen um die Transaktionskosten stellen. Dies bedeutet, dass die Miner in der materiellen Welt durch Ressourceneinsatz zunächst ins Risiko gehen müssen und nach den Regeln der Kassenbuchhalter spielen müssen, bevor sie die Belohnung in Form von Bitcoin selbst bekommen. Dieses Anreizsystem nennt man den Proof-of-Work Konsensmechanismus, da reale Rechenleistung benötigt wird. Dieser Arbeitsnachweis dient dazu die Sicherheit des Netzwerks sicherzustellen und das Vertrauen in die Datenbank durch dezentrale Verifizierung zu erreichen.

Bitcoin ist somit ein digitales Geldsystem, welches die Eigenschaften eines Kassenbuchs mit denen eines Tokens verbindet. Es entsteht, anders als im heutigen Kreditgeldsystem, keine Schuld durch Kreditvergabe, sondern jeder Bitcoin ist ein Vermögenswert ohne Verbindlichkeit. Bitcoin ist ein Geldsystem, das ohne die Verschuldung anderer Teilnehmer funktioniert. Durch einen digitalen Konsens entsteht eine unveränderbare Wahrheit über die Besitzverhältnisse. Der Bitcoin Bestand einer Person ist somit immer zwischen 0 und 21 Millionen, aber niemals negativ. Es gibt zwar weiterhin die Möglichkeit, dass man jemandem Bitcoin versprechen kann, jedoch sind Geld und Kredit streng voneinander getrennt. Zukünftige Versprechungen von Bitcoin können von Bitcoin genau unterschieden werden, denn diese werden außerhalb des Netzwerks gemacht. Weil es über die gesamte Menge von 21 Millionen einen Konsens der Netzwerkteilnehmer gibt, lässt sich der Bestand des Einzelnen nicht durch Inflation verwässern. Ein Bitcoin bleibt immer ein Bitcoin von 21 Millionen. Hierauf beruht die Erwartung, dass Bitcoin als Wertspeicher dem Sparer dient und das Individuum seine Lebenszeit und Arbeitskraft mit eigenen zukünftigen Interessen abwägen kann.

Zu Beginn des Netzwerks gab es offensichtlich noch keinen Bitcoin und insgesamt soll es jemals knapp 21 Millionen Bitcoin geben. Dabei lässt sich jeder Bitcoin in 100.000.000 Satoshi unterteilen. Doch wie kommen die Bitcoin in das Netzwerk? Das Kassenbuch ist in Kapitel unterteilt. Durchschnittlich alle 10 Minuten wird ein Kapitel von den Minern hinzugefügt. Diese Kapitel nennt man auch Blöcke. Die Blockkette dann entsprechend Blockchain oder Timechain, da sich eine zeitliche Chronologie ergibt. Mit jedem Block werden neue Bitcoin nach einer festgesetzten Ausschüttung freigesetzt und dem Miner zusätzlich zu den Transaktionsgebühren gutgeschrieben. Diese neue Ausschüttung pro Block wird jedoch alle 210.000 Blöcke (ca. alle 4 Jahre) um die Hälfte reduziert, weshalb sich eine asymptotische Annäherung an 21 Millionen Bitcoin ergibt. In der ersten Epoche gab es 50 Bitcoin pro Block, anschließend 25, dann 12,5 und aktuell 6,25. Im April 2024 wird diese Blockausschüttung auf 3,125 fallen.

9. Goldgedeckte Kryptowährungen

Immer wieder gibt es Leute, die die Idee verbreiten, man könne Gold und Kryptowährungen auf einer Blockchain miteinander verbinden. Doch dies wäre nicht etwa eine Kombination der guten Eigenschaften beider Systeme, sondern eine Technologie, die keinerlei Problem lösen würde.

Die Innovation der Bitcoin-Blockchain ist, dass sie ein geschlossenes System ist, in dem die Geldeinheiten nicht beliebig ausgeweitet werden können. Dies funktioniert, da alle Informationen aus dem System selbst kommen: Die Adressen, die Passwörter, die Bitcoin-Einheiten, die Transaktionen und die Mining Informationen. Es gibt kein Abbild eines materiellen Gutes, weil dies wieder eine Schnittstelle zur Folge hätte und es unklar wäre, ob es das materielle Gut wirklich gibt. Der Versuch Gold auf einer Blockchain abzubilden hat somit informationstechnologische Hürden. Bitcoin bildet nichts aus der materiellen Welt ab. Es gibt hierfür den Spruch: „In Bitcoin the map is the territory.“ Es gibt nur eine Karte und kein Gebiet. Es gibt die Bitcoin Einheiten nur im Kassenbuch und nicht in der materiellen Welt. Im Bitcoin System ist die Information über die Passwörter der Vermögenswert. „In Bitcoin the information is the asset.“

Möchte man die Goldbestände in einer Datenbank abbilden, ist immer eine Schnittstelle notwendig, der vertraut werden muss. Eine zusätzliche kryptographische Verschlüsselung würde keinen Vorteil bringen, da bereits dem Ersteintrag vertraut werden muss. Hinzukommt, dass Gold weiterhin in der materiellen Welt inflationiert und daher der Gesamtbestand sich ständig ändern würde und im Detail unbekannt ist. Eine Software kann dieses Problem nicht lösen, egal wie fortschrittlich sie ist. Das Ergebnis wäre ein System, dem weiterhin vertraut werden muss und welches weiterhin inflationiert. Es besteht hierfür keine Notwendigkeit, wenn wir bereits ein System haben, welches die Transaktionen dezentral verifiziert und die Geldmenge nicht inflationiert.

In der Evolution des Geldes hatten wir bisher überwiegend Gold und Fiatgeld als These und Antithese. Gold war zwar immer relativ begrenzt, was eine Wertspeicherung den Umständen entsprechend möglich machte, jedoch für Tauschvorgänge über große Distanzen hinderlich war. Das Fiatgeld, als zentral überwachtes Kassenbuch, ermöglicht es zwar Transaktionen über weite Distanzen und im digitalen Raum durchzuführen, jedoch ist eine Wertspeicherung über die Zeit nicht möglich. Bitcoin tritt nun als Synthese auf, indem es sowohl die Tauschvorgänge über den Raum, als auch über die Zeit hinweg durchführbar macht. Die absolute, digitale Knappheit ist ein Phänomen, welches wir in der Gesellschaft bisher noch nicht kannten. Und das Ganze noch global, Open-Source, zensurresistent und „ohne spezielle Ladenöffnungszeiten“, denn rund um die Uhr handelbar.

10. Fragile und Antifragile Gesamtsysteme

Systeme mit zentralen Instanzen gelten als fragil. Die Funktionsfähigkeit ist abhängig von einem zentralen Punkt. Aufgrund fehlender Redundanzen ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein Ereignis eintritt, welches die Funktionsfähigkeit einschränkt und damit das gesamte System zum Scheitern bringt. Zentralbanken und andere planwirtschaftliche Strukturen mögen zwar kurz- und mittelfristig aufgrund ihrer Autorität Sicherheit schaffen, doch langfristig sind sie zum Scheitern verurteilt. Entweder weil sie sich Wissen anmaßen und daher das Vertrauen der Menschen verlieren, oder weil äußere Einflüsse den Kopf des Systems ausschalten.

Anders dagegen ein antifragiles Gesamtsystem. Dieses besteht dann, wenn ein externer Schock nicht die komplette Funktionsfähigkeit einschränkt, sondern nur Teilbereiche betroffen sind. Ein solches System besteht aus dezentralen Redundanzen, sodass nicht nur die Funktionsfähigkeit und das Überleben gesichert ist, sondern auch eine Lernfähigkeit besteht. Die Marktwirtschaft gilt als antifragil, denn einzelne Unternehmen stehen zwar im Wettbewerb und bedienen die gleichen Kundenwünsche, doch ein Scheitern eines einzelnen Unternehmens bedeutet nicht den Untergang der Wirtschaft.

Bitcoin gilt ebenfalls als ein dezentrales, antifragiles System, denn alle Funktionen werden mehrfach ausgeführt. Zum einen wird das Kassenbuch von vielen Akteuren verifiziert und gespeichert; und zum anderen stehen die Miner mit anderen Minern im ständigen Wettbewerb um die nächsten Transaktionsgebühren.

Andere „Kryptowährungen“ unterscheiden sich deutlich von Bitcoin, denn sie sind entweder nicht dezentral, haben keine knappe Geldmenge oder benutzen nicht den Proof-of-Work Konsensmechanismus, der notwendig ist, um Bitcoin mit den Anreizen der materiellen Welt zu verknüpfen, um Sicherheit und Vertrauen zu schaffen. Sie können nicht als ein dezentrales, antifragiles, redundantes, sicheres und vertrauenswürdiges System angesehen werden.

11. Bottom-up Strukturen durch ein geschlossenes Geldsystem

Nicht nur aufgrund der Dezentralität gilt Bitcoin als resilient, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass die Kryptographie das Eigentum durchsetzt. Dadurch wird die Möglichkeit verhindert, dass durch Gewalt die Vermögensverhältnisse geändert werden, was zu einem Bottom-up und nicht zu einem Top-Down System führt. Im Netzwerk wird jeder nach den gleichen Regeln behandelt, da jeder nur anhand einer Adresse identifizierbar ist. Jeder Netzwerkteilnehmer bekommt nur dann Bitcoin, wenn er auch als -wortwörtlich- Dienstleister auftritt. Tut er dies nicht, so gerät er selbst in eine wirtschaftlich schlechtere Situation. Bitcoin bringt damit ein System hervor indem Haftung und Risiko im Einklang sind und sich niemand auf Kosten eines Dritten bereichern kann. Natürlich bietet sich die Möglichkeit, dass sich Menschen zusammenschließen und auf Bitcoin Unternehmen und andere Organisationsstrukturen aufbauen, doch steht es jedem immer frei die Organisation zu verlassen und wieder unabhängig zu werden. Dieses System bietet den Menschen eine Alternative zu unserem heutigen Top-Down System aus Zentralbanken, in dem nicht jeder die Möglichkeit hat ein Konto zu eröffnen und Transaktionen zu senden. Bitcoin gibt jedem die Möglichkeit an der weltweiten Arbeitsteilung und der Produktivität teilzuhaben.

Ludwig von Mises hat den Sozialismus unter anderem aufgrund fehlender Wirtschaftlichkeitsrechnungen widerlegt. Er führte aus, dass es ohne Eigentum keine Tauschvorgänge, ohne Tauschvorgänge keine Preise, ohne Preise keine Wirtschaftlichkeitsrechnung, und ohne Wirtschaftlichkeitsrechnungen auch keine Produktionsentscheidungen getroffen werden können, die die Grundbedürfnisse vieler Menschen befriedigen. Dem kann hinzufügt werden, dass in Bitcoin das Eigentum an Bitcoin durchgesetzt wird, dadurch Kooperationen, Tauschvorgänge, Preise und Wirtschaftlichkeitsrechnungen hervorgehen, sodass sinnvolle Produktionsentscheidungen zur Vergrößerung des Wohlstands getroffen werden können.

Bei der Frage um das beste Geld wird von Ökonomen oftmals argumentiert, dass ein freier Markt und damit die freien Entscheidungen der Menschen das beste Geld hervorbringen würde. Doch in der Praxis sind die Gesellschaften immer wieder mit dem Problem konfrontiert, dass es nicht zu einem freien Markt kommt. Die Existenz von Bitcoin könnte diese Annahme auf der Suche nach gutem Geld in Frage stellen. Ist es nicht eher so, dass ein gutes Geld einen freien Markt hervorbringt, als dass ein freier Markt ein gutes Geld hervorbringt?

12. Technologieadoption und Netzwerkeffekte

Bitcoin stellt aufgrund seiner Eigenschaften einen Schellingpunkt dar. Dieser hat die Eigenschaft, dass sich Menschen unabhängig voneinander an ihm orientieren, da er ihnen Vorteile bringt. Die knappe Geldmenge gibt dem Individuum eine Orientierung für seine Vermögensverhältnisse, seine wirtschaftlichen Tätigkeiten und die Marktpreise. Durch die maximale Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin ergibt sich eine Verknüpfung an eine Konstante. In den Naturwissenschaften haben wir ebenfalls die Messgrößen für unsere Einheiten wie Kilometer, Sekunde oder Kilogramm an Naturkonstanten geknüpft und dadurch eine weltweite Standardisierung und Vorteile erreicht. Die Ausrichtung unserer Preise an einer konstanten Geldmenge bringt eine Messgrößenstabilität mit sich und steht dabei im krassen Widerspruch zu der Vorgehensweise der Zentralbanken. Diese haben eine Preisstabilität zum Ziel. In Bitcoin gemessen werden Preise wieder variabel sein und den Vorteil haben, dass sie Informationen über die Knappheit übertragen, sodass Unternehmungen ihre Handlungen nach den Bedürfnissen der Menschen ausrichten können.

Menschen, die sich intensiv mit den Eigenschaften und Vorteilen von Bitcoin beschäftigen, wenden sich dadurch automatisch dem bisherigen Zentralbankensystem ab. Da der Wechsel von einem inflationären zu einem deflationären System einer Einbahnstraße gleicht. Dadurch kommt es zu einem System, welches sich im Aufschwung befindet und zu einem System, welches sich im Abschwung befindet. Wie bei jeder Technologie-Disruption kommt es dabei zu Effekten, die das eine System wachsen und das andere schrumpfen lassen. Die alte Technologie erfährt immer weniger Akzeptanz, weshalb zunehmend höhere Kosten entstehen, da die Fixkosten nicht mehr auf die gleiche Menge umgelegt werden können. Es kommt dadurch zum Umkehr der ehemals positiven Skaleneffekte. Geringere Umsätze ziehen geringere Gewinne und Investitionen nach sich. Es wird zunehmend unattraktiver sich der alten Technologie anzuschließen.

Auf der anderen Seite gibt es die Wachstumseffekte der neuen Technologie. Zunehmende Akzeptanz lässt bei den Teilnehmern die Umsätze, Gewinne und Investitionen steigern und es entwickelt sich ein immer größeres Unternehmens- und Expertennetzwerk. Positive Skaleneffekte, Lernkurven sowie auch öffentliche Akzeptanz tragen dazu bei, dass sich die zunehmende Nachfrage und die Angebote bestärken. Der Verlauf der Adoption verläuft in einer S-Kurve, denn die Netzwerkeffekte werden durch neue Teilnehmer stärker und es kommt nach einer langsamen Adoptionsphase zu immer größeren Umwälzungen, bis sich die Adoption einem Maximum nähert. Ein solches Adoptionsverhalten hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, wie zum Beispiel bei der Einführung des Autos, dem Internet oder dem Smartphone.

13. Das Vertrauen und Interesse an Bitcoin wächst

Bitcoin ist eine Open-Source Technologie, was bedeutet, dass der Programmiercode öffentlich transparent für jeden einsehbar ist und so die Regeln des Netzwerks nachvollzogen werden können. Doch in der Realität haben nur wenige Menschen das Wissen, um alles nachvollziehen zu können. Nachfolgend ein paar Gedanken, weshalb Bitcoin dennoch immer mehr Menschen und deren Vertrauen anzieht.

Bitcoin funktioniert. Bitcoin läuft nun seit über 15 Jahren ohne, dass es je eine Unterbrechung oder einen erfolgreichen Hack gab. Je länger Bitcoin funktioniert, desto mehr Menschen vertrauen in das System. Desto mehr Menschen auf Bitcoin aufmerksam werden, desto öfter wird auch versucht zu verstehen, wie es im Detail funktioniert. Sprich, je größer die Bitcoin Adoption, desto größer die Sicherheit, desto vertrauenswürdiger. Dies ist dasselbe Verhaltensmuster wie wir es auch bei anderen Technologien sehen. Niemand versteht im Detail wie das Internet, ein Auto oder ein Flugzeug funktionieren. Dennoch benutzen Milliarden von Menschen diese Technologien. Bei Bitcoin kommt hinzu, dass bei zunehmender Adoption die Vermögenssumme des Netzwerks stetig zunimmt und somit die Anreize für einen Hack ständig größer werden. Die Tatsache, dass Bitcoin bis heute nicht gehackt wurde, spricht für Bitcoin. Und je länger eine Technologie am Markt besteht, so wahrscheinlicher ist es auch, dass sie weiterhin besteht. Dies nennt sich der Lindy-Effekt.

Bitcoiner haften mit ihrem Vermögen. Bitcoiner haben „Skin in the Game“, denn sie sind höchstwahrscheinlich Halter von Bitcoin. Man könnte ihnen zwar vorwerfen, dass sie lediglich neue Käufer in das System locken wollen, jedoch spricht vieles aufgrund der Anreize des Systems dafür, dass die Wertspeicherfunktion von Geld eine Win-Win Situation für alle Teilnehmer darstellt. Sollte Bitcoin dennoch irgendwann scheitern, so sind die Bitcoiner die großen Verlierer. Daher spricht vieles dafür, dass sie sich für das Bestehen und Funktionieren des Systems langfristig einsetzen.

Bitcoin ist eine Technologie, die allen Entitäten offen steht. Dies gilt für Individuum, Familien, Unternehmen, Vereinen oder Staaten. Aufgrund der bisherigen Erfolgsgeschichte und der ökonomischen sowie technologischen Grundlagen stehen die Chancen gut, dass die Adoption weiter zunehmen wird und immer mehr Entitäten die Vorteile des digitalen Wertspeichers für sich erkennen – gerade in Zeiten in denen das Vertrauen der Menschen in zentrale Institutionen und in staatliche Währungen schwindet.

„Habe zumindest ein bisschen.“ Niemand wird gezwungen eine neue Technologie auszuprobieren oder Geld zu investieren. Jedoch könnte es sinnvoll sein wenigstens etwas Bitcoin zu haben, denn die Chancen für eine weitere Adoption stehen gut. Die letzten Jahre haben dies deutlich gezeigt und hinzu kommt, dass die weltweiten staatlichen Währungen zunehmend inflationieren. Im Januar 2024 wurden mehrere Bitcoin ETFs genehmigt, was es institutionellen Anlegern erleichtert in Bitcoin zu diversifizieren. Ebenso wird Bitcoin vermehrt von Politikern diskutiert und immer mehr Nationalstaaten setzen sich mit den Rahmenbedingungen für eine Bitcoin Adoption auseinander.

Wenn man die 21 Millionen Bitcoin auf 8 Milliarden Menschen aufteilt, so ergibt sich eine Menge von 0,002625 Bitcoin (262.500 Satoshi) pro Person. Dies entspricht beim aktuellen Bitcoin-Kurs von 60.000€ einem Betrag von 157€.

„Es könnte sinnvoll sein, sich etwas zu besorgen, falls es sich durchsetzt. Wenn genug Leute das Gleiche denken, wird das zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung.“ – Satoshi Nakamoto

14. Zusammenfassung – Bitcoin als neues Paradigma

In der Geschichte der Menschheit hat sich die Basistechnologie für Geld immer wieder verändert und weiterentwickelt. Bitcoin ist eine Geldtechnologie, die das Orakel-Problem umgeht. Eine zentrale Instanz, welcher vertraut werden muss, wird vermieden. Die absolut knappe und digitale Geldmenge hat das Potential die Grundlage für ein neues globales Finanzsystem zu sein. Das Individuum als kleinste Minderheit hat nun die Möglichkeit ein Geld, welches lediglich aus Information besteht, international und zensurresistent zu übertragen. Alle 8 Milliarden Menschen benötigen eine Lösung für Inflation und dem damit einhergehenden Kaufkraftverlust. Bitcoin als ökonomisch geschlossenes System und sozial offenes System ist hier um zu bleiben, weil es eine Lösung als Wertspeicher für dieses riesige Problem darstellt. Bitcoiner sind für Bitcoin und Bitcoin ist für Bitcoiner da.

Dieses Kapitel ist Teil eines bald erscheinenden Buchs.

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Buch: „Eine Revolution der Denkart