Leo MattesPraxeologie

Praxeologie: Das Ertragsgesetz #11

Praxeologie Ertragsgesetz

Wie leiten wir den Nutzen einer Ware ab?

Im letzten Beitrag haben wir uns mit dem Nutzen beschäftigt. Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen zeigt uns wie ein Individuum homogene Güter nach dem zusätzlichen Nutzen einer weiteren Einheit bewertet.

Dieses Verständnis kann uns Probleme erklären, die wir vorher als Paradox empfunden haben. Wir können nun erklären warum eine Tasse Wasser billiger als ein Diamant ist, obwohl Wasser überlebenswichtig ist und Diamanten meist nur als Schmuck verwendet werden.

In diesem Beitrag möchte ich zeigen, wie der Nutzen eines Mittels abgeleitet wird. Der Nutzen eines Stück Kuchen ist uns relativ schnell klar, denn es stillt unseren Hunger, doch wie können wir feststellen wie viel Nutzen eine Diamantfräsmaschine für einen handelnden Menschen hat?

Die Mittel mit denen wir unseren Zweck erfüllen nennen wir Güter. Wir können die Güter in zwei Hauptkategorien einteilen: Konsumgüter und Investitionsgüter.

Konsum- und Investitionsgüter

Konsumgüter sind Güter, die unmittelbar von einem handelnden Menschen zur Erfüllung eines Zwecks verwendet werden. Investitionsgüter sind jene Güter, die mit mindestens einem anderen Gut kombiniert werden, um eine bestimmte Menge eines Konsumgutes zu erzeugen.

Ein Beispiel: Ein Sandwich ist ein Konsumgut, das gegessen werden kann, um den Hunger zu stillen. Das Brot, der Schinken und die Arbeitskraft, die zur Herstellung des Sandwichs einsetzen werden, sind die Investitionsgüter oder auch Produktionsfaktoren.

Wenn wir den Nutzen, der aus einer Einheit eines Konsumguts abgeleitet wird, herausfinden wollen, so müssen wir nur berücksichtigen, dass das menschliche Handeln eine Wahl ist bei dem wir eine Sache der anderen vorziehen.

In anderen Worten:

  • Die Kosten eines Bedürfnis wird durch jedes andere Bedürfnis bestimmt, das man hätten wählen können.
  • Die Handlung bestimmt was ein Mensch am meisten schätzt, denn logischerweise muss er das, was er tat, als das angesehen haben, was er für am Dringendsten hielt.
  • Die Präferenzen können in einer Skala angeordnet werden. Diese Skala zeigt uns, dass der dringendste Wunsch zuerst befriedigt wird. Jedes weitere Bedürfnis muss daher weniger wichtig sein.

Daher gibt eine zusätzliche Einheit eines Konsumguts dem handelnden Menschen einen geringeren Nutzen.

Peter kauft Fernsehgeräte für sein Haus

Angenommen, Peter will sein Haus mit Fernsehgeräten ausrüsten. Der erste Fernseher den er kauft befriedigt das dringendste Bedürfnis. In diesem Fall stellt er den Fernseher in sein Wohnzimmer, um mit seiner Familie fernzusehen. Wenn er einen zweiten Fernseher kauft, stellt er ihn in sein Schlafzimmer, um ihn vor dem Schlafen gehen zu benutzen. Ein dritter Fernseher könnte in seiner Küche aufgestellt werden, damit er ihn während dem Kochen benutzen kann.

Nehmen wir jetzt an er müsste auf einen seiner Fernsehgeräte verzichten, weil seine Energiekosten zu hoch werden. Dann ist der erste Fernseher den er loswerden würde derjenige, der das geringste Bedürfnis befriedigt. Das ist in diesem Fall der Fernseher in der Küche. Wenn er mehr als einen Fernseher loswerden müsste, so würde er den in seinem Schlafzimmer vor dem in seinem Wohnzimmer loswerden. Wenn Peter zuerst sein Schlafzimmerfernseher loswerden will, so verstößt dies nicht gegen das Prinzip, sondern Peter passt lediglich seine Skala an die Realität an.

Wir müssen daher zu dem Ergebnis kommen, dass es tatsächlich sein Schlafzimmerfernseher ist, der ein weniger dringendes Bedürfnis befriedigt hat, und dass Peter sein Küchenfernseher mehr schätzt als sein Schlafzimmerfernseher, während sein Wohnzimmerfernseher sein höchstes bzw. wichtigstes Bedürfnis bleibt.

Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen

Der Punkt ist, dass wir mit logischer Sicherheit wissen können, dass jeder weitere Fernseher den Peter abgibt ein weniger dringendes Bedürfnis erfüllt.

Dies ist uns als das Gesetz des abnehmenden Grenznutzens bereits bekannt. Wir verstehen jetzt, dass der Wert von Konsumgütern – Güter die Bedürfnisse unmittelbar befriedigen- durch den abnehmenden Grenznutzen eines handelnden Individuums bestimmt wird. Dieser Nutzen verringert sich immer weiter mit jeder weiteren Einheit.

Es gibt keine Möglichkeit, diese Tatsache rechnerisch zu ermitteln. Im Fall von Peter entscheidet nur er selbst, wo er den nächsten Fernseher aufstellt. Wenden wir uns nun dem Fall der Investitionsgüter zu – Güter, die Bedürfnisse indirekt befriedigen.

Der Nutzen von Investitionsgütern

Zunächst müssen wir anerkennen, dass es keine Möglichkeit gibt einen Nutzen aus Investitionsgütern zu ziehen, weil sie nicht direkt verbraucht werden. Sie erfüllen nicht direkt unsere Ziele, sondern tragen nur dazu bei ein Endprodukt zu produzieren, welches dann unsere Ziele erfüllt.

Zum Beispiel: Während wir sagen können, dass die Fernsehgeräte von Peter aufgrund des abnehmenden Grenznutzen jeweils ein geringeres gewünschtes Bedürfnis befriedigen, können wir nicht sagen, dass sich für Peter auch ein sich ständig verringernder Nutzen aus einer weiteren Stromeinheit ergibt, weil Peter den Strom nicht direkt konsumiert.

Peter macht Sandwiches

Nehmen wir ein anderes Beispiel: Angenommen Peter möchte für sich und seine Freunde Sandwiches machen. Dazu benötigt er mehrere Investitionsgüter/Produktionsgüter wie Brot, Salat, Salami oder Käse. Wir können sagen, dass jeder weitere Sandwich einen abnehmenden Nutzen für Peter hat, aber über den Nutzen einer weiteren Scheibe Käse können wir bisher nichts sagen.

Um den Nutzen zu bestimmten, den Peter aus einer Scheibe Käse bezieht, müssen wir überlegen wie viel Nutzen Peter verlieren würde, wenn er einen Sandwich ohne Käse belegt. Der Nutzen einer weiteren Einheit eines Investitionsguts bzw. Produktionsguts ergibt sich somit aus dem Nutzen eines weiteren Produkts.

Der Nutzen, den Peter aus einer weiteren Käsescheibe erhält, wird Grenzproduktivität bezeichnet.

Wie wir bereits gesagt haben, handelt es sich bei Gütern um knappe Mittel, die zur Erfüllung unserer Ziele eingesetzt werden. Allein die Tatsache, dass wir Konsumgüter produzieren müssen, bedeutet auch, dass die Produktionsgüter knapp sind.

Also zurück zu unserem Beispiel mit Peter. Wir können allein aus der Tatsache, dass Peter entscheiden muss was er mit seiner begrenzten Anzahl an Sandwiches machen will, sagen, dass es auch nur ein begrenztes Angebot an Käsescheiben, Brot, Salat oder Salami gibt.

Dinge, die unbegrenzt zur Verfügung stehen, sind überhaupt keine Waren oder Mittel.

Rezepte sind nicht knapp

Zum Beispiel: Mit dem Wissen wie Kaffee zubereitet wird muss niemand sparsam umgehen, denn das Rezept für eine Tasse Kaffee ist niemals vergriffen oder verbraucht. Die einzigen Güter, die uns aus gehen können, sind Kaffeebohnen, Filter, Wasser usw. Mit diesen Gütern müssen wir wirtschaftlich umgehen.

Ein Investitionsgut muss mit mindestens einem weiteren Investitionsgut kombiniert werden, um ein Konsumgut zu schaffen. Denn wenn wir nur ein Investitionsgut für ein Konsumgut benötigen würden, so wäre das Investitionsgut selbst das Konsumgut. Aus der Tatsache, dass Investitionsgüter jederzeit mit mindestens einem anderen Investitionsgut kombiniert werden müssen, ergibt sich folgende Schlussfolgerung.

Obwohl wir den Wert und den Nutzen eines Guts nicht berechnen können, folgt daraus logischerweise, dass die Grenzproduktivität von Produktionsgütern irgendwann einen optimalen Punkt erreicht.

Das heißt, wenn wir alle anderen Inputfaktoren gleich lassen und nur die Menge eines Investitionsguts um eine Einheit erhöhen, dann wird irgendwann ein Optimum erreicht, bei dem jede zusätzliche Einheit dieses Investitionsguts seine Grenzproduktivität nicht mehr steigern kann.

Dies wird als Ertragsgesetz bezeichnet.

Beispiele für das Ertragsgesetz

Angenommen Patrick will sein T-Shirt rot färben, dann benötigt er dazu eine gewisse Menge roten Farbstoff. Eine größere oder kleinere Menge Farbstoff würde Patrick nicht helfen sein Ziel zu erreichen. Wenn er zu viel Farbstoff hat, dann bleibt zusätzlicher Farbstoff ungenutzt, denn in diesem Beispiel gibt es überhaupt keinen weiteren Bedarf für den zusätzlichen Farbstoff. Wenn Patrick nicht genug Farbe hat, dann kann er nur einen Teil seines T-Shirts färben. Jede zusätzliche Farbstoffeinheit würde ihm dabei einen zusätzlichen Ertrag bringen, bis er tatsächlich das gesamte T-Shirt rot gefärbt hat.

Es sollte an dieser Stelle leicht ersichtlich sein, dass es eine optimale Menge an roter Farbe gibt.

Ein weiteres Beispiel: Die optimale Menge an Reifen für ein gewöhnliches Auto ist vier.

Ein weiteres Beispiel: Wenn eine Maschine um zu funktionieren eine minimale Menge Öl benötigt, dann würde das Hinzufügen von mehr Öl bis zum optimalen Punkt einen zunehmenden Ertrag bringen. Eine weitere Einheit an Öl würde die Maschine nicht sofort zum Stoppen bringen, aber jede zusätzliche Öleinheit würde sich dann wieder negativ auf die Grenzproduktivität auswirken.

Diese optimalen Verhältnisse der Investitions-, bzw. Produktionsgüter müssen durch technologische Erfahrungen bestimmt werden und ist keine Aufgabe der Praxeologie.

Zusammenfassung

Das Ertragsgesetz, welches besagt, dass knappe Produktionsgüter einen optimalen Ertrag erbringen müssen, ist eine logische Schlussfolgerung. Wir können somit logisch durch die Eigenschaften des zielgerichteten Handelns ermitteln, wie der Mensch einen Nutzen ermittelt, egal ob es sich um direkte Konsumgüter oder um indirekte Investitions-, bzw. Produktionsgüter handelt.

Alles was wir dafür tun müssen ist eine Betrachtung des Nutzens von den Konsumgütern bis zu den Produktionsgütern. Wir können daraus schließen, dass der Nutzen eines Produktionsguts sein Beitrag zum Konsumgut ist.

Die Schlussfolgerung, dass Investitionsgüter einen optimalen Einsatz haben, wird an Bedeutung gewinnen, sobald wir über Märkte sprechen und uns fragen warum Produkte, die nahezu ununterscheidbar sind, dennoch verschiedene Preise haben und wie das alles zu Gewinnen und Verlusten führt. Dennoch sind dies unabdingbar logische Schlussfolgerungen aus der Wissenschaft der Praxeologie.

Wir sehen uns im nächsten Beitrag „Praxeologie: Die menschliche Arbeit #12„.
Hier geht’s nochmal zum letzten Beitrag „Praxeologie: Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen #10„.

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Beste Grüße

Leo Mattes

Quellen:

Ludwig von Mises – Nationalökonomie, Theorie des Handelns und Wirtschaftens (Buch)

Ludwig von Mises – Human Action (Buch)

Murray Rothbard – Man, Economy and State (Buch)

Youtube-Kanal Praxgirl

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