Leo MattesPraxeologie

Praxeologie: Das Geld #15

Praxeologie Geld

Was ist Geld? Wie entsteht es? Funktioniert eine moderne Gesellschaft auch ohne Geld?

Im letzten Beitrag haben wir gelernt warum Kooperationen stattfinden und wie sie denen zugutekommen, die sich freiwillig daran beteiligen. Wir haben festgestellt, dass die Arbeitsteilung der Schlüssel für Produktivitätssteigerungen ist. Und schließlich haben wir gesehen, dass selbst in Situationen in denen eine Person in allen Produktionsprozessen besser ist, es für sie immer noch vorteilhafter ist sich auf einen Handelspartner einzulassen als isoliert zu produzieren.

In diesem Beitrag möchte ich das Konzept des indirekten Tauschs in der Gesellschaft erläutern. Ich werde aufzeigen was passiert, wenn die Menschen mit einem direkten Tausch aufhören und stattdessen ein Medium für den Austausch verwenden.

Der direkte Tausch

In einem direkten Tausch sind wir sowohl Käufer als auch Verkäufer. Wir handeln als Verkäufer der Ware, die sich bereits in unserem Besitz befindet, und als Käufer der Ware, die wir zu beschaffen versuchen.

Das grundlegende Problem eines direkten Austauschs ist, dass die Tauschverhältnisse nicht immer für beide Seiten passen.

Nehmen wir folgendes Beispiel an: Ein Bäcker möchte eine Axt haben und ist dazu bereit 4 Kuchen einzutauschen. Seine Herausforderung ist es dann einen Schmied zu finden, der bereit ist Kuchen als Austausch für seine Axt anzunehmen. Offensichtlich ist dieser Wunsch sehr spezifisch und schwer zu erfüllen. Damit dieser Austausch stattfinden kann ist ein doppeltes Zusammentreffen von Wünschen erforderlich.

Beide Personen, sowohl der Käufer als auch der Verkäufer, benötigen diesen außergewöhnlichen Umstand, damit ein Tausch vollzogen werden kann. Ein weiteres Problem des direkten Austauschs wird in diesem Beispiel ebenfalls dargestellt, denn der Preis für ein Kuchen kann mit ein Viertel Axt angegeben werden. Oder andersgesagt: Der Preis für eine Axt sind vier Kuchen.

Da ein Axt unbrauchbar wird, wenn sie in kleinere Teile geteilt wird, erkennen wir nun das Problem. Das Problem einer Gesellschaft, welche nur direkte Täusche zulässt ist die Unteilbarkeit von Gegenständen wie Äxten, Büchern oder anderen Werkzeugen. Dies bedeutet, dass diese Produkte auf einem Markt durch einen direkten Tausch schwer vermittelbar sind und daher auch nur sehr wenig davon produziert wird.

Es ist daher klar, dass eine einfache Tauschwirtschaft dazu verdammt ist, in einem primitiven Zustand zu bleiben.

Zwischenfazit: Ein direkter Tausch benötigt für beide Seiten die richtigen Produkte und das richtige Tauschverhältnis.

Der indirekte Tausch

Die Entstehung des indirekten Austauschs: Unteilbarkeit und mangelnde Übereinstimmung von Wünschen sind ein Problem das nur durch die Entstehung eines indirekten Austauschs gelöst werden kann. Ein indirekter Tausch bedeutet, dass ein Mensch ein Gut nicht zum Zwecke des Konsums tauscht, sondern um seinen Handel mit einem anderen zu erleichtern.

Auf den ersten Blick mag der indirekte Austausch als eine weniger effiziente Methode für den Austausch von Waren und Dienstleistungen erscheinen, aber wie wir sehen werden ist er die beste und effizienteste Methode für den Austausch in einer komplexen modernen Wirtschaft.

Kehren wir nun zu unserem Beispiel des Bäckers und des Schmieds zurück. Wir haben gesehen, dass es sich für keine der beiden Seiten gelohnt hat einen Bruchteil einer Axt gegen eine Torte einzutauschen. Aber es kann sich lohnen, wenn der Schmied ein anderes Gut findet das er mit dem Bäcker austauschen kann, um eine Torte zu erwerben. Der Schmied kann zu einem Bauern gehen und eine Axt gegen Butter tauschen und anschließend die Butter mit dem Bäcker tauschen. Dies ist die Entstehung des indirekten Austauschs.

Die Entstehung von Geld

Damit der Schmied (mit dem Wunsch für einen Kuchen) seinen Austausch erleichtern konnte erwarb er ein Stück Butter, welches ihm den Tausch mit dem Bäcker erleichtert hat. Wie wir an diesem Marktbeispiel sehen können haben einige Waren für den indirekten Austausch einen höheren Wert als andere. Nehmen wir an, dass in der Gesellschaft in der der Bäcker und der Schmied leben Butter ein wichtiges Gut ist. So kann es sein, dass Butter für Tauschzwecke häufiger als jedes andere Gut nachgefragt wird.

Wenn nun genug Leute damit anfangen Butter als Tauschmittel zu verwenden, so steigt die Marktfähigkeit von Butter als Tauschmedium an. Ein Schneeball-Effekt tritt auf, wenn die Gesellschaft immer mehr Wert auf Butter legt, um ihren Austausch zu erleichtern. Die Menschen beginnen nun damit Butter zu lagern, um sie in Zukunft gegen Waren und Dienstleistungen eintauschen zu können. Sie sparen, damit nicht nur der gegenwärtige, sondern auch der zukünftige Tausch erleichtert wird.

Ein Gut, das allgemein als Tauschmittel verwendet wird, wird als Geld definiert. Der Praxeologie ist es dabei egal welches Gut zum Tauschmittel und zum Geld wird, denn sie betrachtet lediglich die Auswirkungen von Geld auf einen Markt.

Historisch gesehen waren schon viele Güter Geld. Tabak im kolonialen Virginia, Zucker in Westindien, Rinder im alten Griechenland, Nägel in Schottland und Kupfer im alten Ägypten. Im Laufe der Menschheitsgeschichte haben sich zwei Metalle als weltweit vorherrschende Austauschmedien herauskristallisiert. Silber und Gold. Ihre natürlichen Eigenschaften haben zu ihrer langfristigen Verwendung als Geld beigetragen.

Gute Eigenschaften eines Tauschmittels

Gute Eigenschaften für ein Tauschmittel sind dabei folgende: Ein solches Gut muss zum Beispiel knapp sein, es muss homogen, teilbar, lagerfähig, haltbar, transportabel und übertragbar sein.

Eine Warentauschwirtschaft ist eine imaginäre Konstruktion. Es gibt keine Beweise dafür, dass sie jemals existiert habt. Denn wie würde ein Mann, der in New York City ein Hochhaus bauen will, jedes Gut auftreiben, welches seine Bauarbeiter auch bereit wären im Gegenzug als Lohn für ihre Arbeit zu akzeptieren?

Offensichtlich ist jede Form einer zivilisierten Wirtschaft nur mit indirektem Austausch möglich. Der indirekte Austausch und sein unmittelbares Nebenprodukt „Geld“ sind die Antworten auf die Probleme des direkten Austausches. Die wichtigen Funktionen des Geldes als Tausch- und Informationsmittel über Zeit und Raum werden wir uns in den nächsten Beiträgen noch näher anschauen.

Wir sehen uns im nächsten Beitrag „Praxeologie: Wirtschaftlichkeit #16„.
Hier geht’s nochmal zum letzten Beitrag „Praxeologie: Kooperation und Arbeitsteilung #14„.

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Beste Grüße

Leo Mattes

Quellen:

Ludwig von Mises – Nationalökonomie, Theorie des Handelns und Wirtschaftens (Buch)

Praxeologie auf Wikipedia