Leo MattesPraxeologie

Praxeologie: Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen #10

Praxeologie Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen

Warum sind Diamanten mehr wert als Wasser? Warum zahlen die Leute mehr für ein Gut und weniger für ein anderes? Können wir den Nutzen einer Ware für eine Person messen?

Im letzten Beitrag habe ich über die Unsicherheit geschrieben, die allen menschlichen Handlungen innewohnt. Ich habe aufgezeigt, das Risiko nach verschiedenen Arten von Maßnahmen zu kategorisieren. Und ich habe die Unterschiede der Vorhersagen zwischen den Naturwissenschaft und der Praxeologie aufgezeigt.

In diesem Beitrag möchte ich über die praxeologische Bewertung sprechen, die als Nutzen bekannt ist. Dabei möchte ich die auftretenden Grenzkosten verstehen und wie Güter derselben Art von handelnden Personen eingestuft werden.

Wie wir bereits behandelt haben, möchte der Mensch durch sein Handeln ein gewisses Unbehagen beseitigen. Er glaubt, dass der Einsatz eines Mittels sein eigenes Wohlbefinden verbessert.

Der Wert, der einer Sache aufgrund der Hoffnung, dass sie das Unbehagen beseitigen kann, gegeben wird, kann auch als Nutzen der Sache bezeichnet werden. Der größere Wert einer Sache gegenüber einer anderen, kann nur durch die Handlung eines Menschen bestimmt werden. Und deshalb muss sich logischerweise jeder Wert auf die subjektive Bewertung des handelnden Menschen beziehen.

Manche Dinge in der realen Welt haben einen objektiven und messbaren Wert. Einige Leute nennen dies Nutzen, aber dies ist nicht derselbe Wert nach dem ein Mensch handelt. Ein Mensch handelt nur nach dem Gebrauchswert, welchen er einem Mittel zuweist. Der subjektive Gebrauchswert ist das, was wir Nutzen nennen.

Praxeologischer Nutzen ist nicht gleich technologischer Nutzen

Ein Beispiel kann helfen den Unterschied zu erklären: Jonas möchte sein Haus mit Kohle erwärmen. Sechs Kohlestücke können die objektive Heizleistung haben, um einen kleinen Raum zu erwärmen. Aber für Jonas ist der angenommene Gebrauchswert- der Nutzen-, dass die sechs Kohlestücke sein gesamtes Haus erwärmen. Weil er glaubt, dass die sechs Kohlestücke sein Unbehagen lindern werden, nutzt er die Kohle als Mittel, um sein Ziel zu erreichen.

Der praxeologische Nutzen basiert nicht immer auf dem technologischen Nutzen, da wir wissen, dass der Mensch in vielen Fällen nicht alle relevanten Informationen berücksichtigt, die für die Durchführung einer Aktion erforderlich sind. Er handelt oft irrtümlich und schafft es nicht sein Bedürfnis zu beseitigen.

In unserem Beispiel wird Jonas es niemals schaffen sein ganzes Haus aufzuwärmen. Er wird seine Befriedigung ebenso wenig erhalten, wie ein Mensch, der die Wirkung einer Sache komplett falsch einschätzt.

Ein Mensch kann in Situationen geraten, in denen er etwas völlig ignoriert und damit komplett falsch wertschätzt, weil er es nicht versteht. Angenommen, Jonas hat keine Ahnung, dass Kohle zur Erzeugung von Wärme verwendet werden kann, so wird er überhaupt keine Kohle einsetzen.

Ein Mensch kann also eine Sache auf eine subjektive Art nach einem Nutzen bewerten, die mit ihrem technologischen Nutzen nichts zu tun hat. Der praxeologische Nutzen kann nicht aus der Sicht eines Individuums gemessen oder zwischen verschiedenen Personen verglichen werden. Nutzen kann nur als wichtig oder weniger wichtig aus der Sichtweise einer Person eingestuft werden.

Ein Beispiel: Wir könnten sagen, dass Robert es mehr schätzt ein Buch zu lesen, anstatt Radio zu hören. Aber niemand kann sagen, dass er es 2,5-mal mehr schätzt ein Buch zu lesen, anstatt Radio zu hören. Man kann nur sagen, dass es eine Reihenfolge zwischen den beiden Alternativen gibt.

Der Nutzen kann objektiv nicht gemessen werden

Damit wir etwas messen können muss es eine feste und objektiv festgelegte Einheit geben an der sich andere Einheiten messen lassen. Doch eine solche objektive Einheit gibt es im Bereich der menschlichen Bewertung nicht. Ein Mensch muss selbst bestimmen, ob es ihm infolge einer Veränderung besser oder schlechter geht.

Jetzt, da wir erklärt haben was Nutzen ist, ist hier eine interessante Frage:  Warum ist ein Diamant wertvoller als eine Tasse Wasser? Warum ist eine Tasse Wasser, die wir zum Leben brauchen, weniger wert als ein Diamant, den wir nicht zum Leben brauchen? Sollten die Menschen nicht bereit sein viel mehr für eine Einheit Wasser als für eine Einheit Diamant zu bieten?

Die Antwort ist, dass wir niemals in der Lage sind, zwischen allen Diamanten der Welt und dem gesamten Wasser der Welt zu wählen. Wir wählen nur zwischen der nächsten Wassereinheit und der nächsten Diamanteinheit. Unsere Wahl wird durch den Nutzen einer zusätzlichen Einheit getroffen. Wir vergleichen nur den Grenznutzen von Diamanten und den Grenznutzen von Wasser, nicht den Gesamtnutzen von Diamanten und den Gesamtnutzen von Wasser.

Der Grenznutzen ist dabei der Nutzen, den wir einer zusätzlichen Einheit eines Gutes beimessen.

Eine Handlung impliziert die Knappheit der Mittel, denn sonst müssten wir nicht handeln. Aus diesem Grund müssen wir unsere Mittel zur Erreichung unserer Ziele sinnvoll einsetzen. Logischerweise müssen daher unsere knappen Mittel so eingesetzt werden, dass sie dem größten Bedürfnis als erstes Nutzen. Das nächste Mittel dient unserem zweitstärksten Bedürfnis und so weiter …

Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen

Dies bedeutet, dass jede zusätzliche Einheit eines homogenen Guts dazu dient ein geringeres Bedürfnis zu befriedigen und dass jede zusätzliche Einheit uns somit einen geringeren Grenznutzen verschafft. Dies ist als das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen bekannt.

Lass uns dazu nochmal ein Beispiel anschauen: Betrachten wir die Familie Müller. Sie kaufen ihr erstes Auto, das an den Vater geht. Er benutzt es, um ins Büro zu fahren, da dies die wichtigste Verwendung des Autos für die Familie Müller ist.

Nehmen wir jetzt an sie beschließen ein zweites Auto zu kaufen. Dieses Auto würde an Frau Müller gehen. Frau Müller benutzt es, um zum Supermarkt zu fahren und um weitere Besorgungen zu erledigen. Dies ist für die Familie Müller die zweitwichtigste Verwendung eines Autos.

Jetzt kaufen sie ein drittes Auto für den Sohn, der damit zur Schule fahren kann. Dies ist die drittbeste Verwendung eines Autos für die Familie Müller.

Dies zeigt, dass die Familie Müller jede zusätzliche Einheit eines Autos weniger als die vorherige schätzt, weil sie einem weniger dringenden Zweck dient. Nehmen wir jetzt an, dass das Auto von Herr Müller  kaputt geht. Was meinst du, wer müsste ohne ein Auto auskommen?

Es ist der Sohn, der ohne Auto auskommen muss, weil die zwei verbleibenden Autos für die beiden dringendsten Bedürfnisse verwendet werden. Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen ist eines der grundlegendsten Prinzipien der Praxeologie.

Zusammenfassung

Wir halten fest, dass dieses Prinzip nicht auf psychologischen oder verhaltensbezogenen Annahmen beruht, sondern logisch aus dem unwiderlegbaren und wahren Satz des menschlichen Handelns abgeleitet werden kann. Und bevor wir empirische Tests durchführen kann uns das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen folgendes sagen: Die Preise von Waren entstehen nicht mechanisch durch Angebot und Nachfrage, sondern durch zielgerichtetes Wählen von Individuen und dem zu erwartenden Nutzen.

Wir sehen uns im nächsten Beitrag „Praxeologie: Das Ertragsgesetz #11„.
Hier geht’s nochmal zum letzten Beitrag „Praxeologie: Die Unsicherheit #9„.

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Beste Grüße

Leo Mattes

Quellen:

Ludwig von Mises – Nationalökonomie, Theorie des Handelns und Wirtschaftens (Buch)

Ludwig von Mises – Human Action (Buch)

Murray Rothbard – Man, Economy and State (Buch)

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