Leo MattesPraxeologie

Praxeologie: Konjunkturzyklen & der Cantillon-Effekt #28

Praxeologie Konjunkturzyklen Cantilloneffekt

Wie entstehen Konjunkturzyklen und was ist der Cantillon-Effekt? Warum führt Inflation zu einer Umverteilung von Arm nach Reich?

Im letzten Beitrag haben wir die Auswirkungen von Marktinterventionen besprochen und gesehen, dass sie den Wohlstand nicht vergrößern, da sie das Knappheitssproblem nicht lösen können. Marktinterventionen sind sogar ineffizient und führen in eine Interventionsspirale, welche immer mehr in die Wirtschaft eingreift.

In diesem Beitrag werden wir uns anschauen welche Auswirkungen eine Manipulation des Geldsystems hat. Dazu betrachten wir zum einen den Konjunkturzyklus und zum anderen den Cantillon-Effekt. Beide Phänomene treten auf, wenn die Geldmenge vergrößert wird.

Wie wir bereits gelernt haben, ist die Knappheit eine wichtige Eigenschaft des Geldes. Diese Eigenschaft ermöglicht den Werterhalt und lässt uns somit einen indirekten Tauschhandel bequem durchführen.

Der Cantillon-Effekt

Der Cantillon-Effekt beschreibt die Auswirkungen einer Geldmengenausweitung. Eine Geldmengenausweitung begünstigt die Erstempfänger, denn diese erhalten das Geld als erstes und können noch zu günstigen Preisen einkaufen und investieren. Die größere Geldmenge wird erst durch mehrere Inflationsstufen eingepreist und jeder weitere Empfänger des Geldes wird mehr benachteiligt. Eine Inflation der Vermögenspreise ist die Folge. Dies geht zu Lasten der Ärmeren, da diese das neue Geld als letztes bekommen. Üblicherweise profitieren die Staaten, Banken und die großen Kreditnehmer vom Cantilloneffekt, denn die Geldmengenausweitung durch die Kreditschöpfung ermöglicht, dass die Vermögenden auch viel Kredit bekommen.

Konjukturzyklus – Boom & Bust

Eine Ausweitung der Geldmenge führt zudem dazu, dass Unternehmungen rentabel erscheinen, welche  zuvor nicht rentabel waren. Diese neuen Fertigungsstufen, welche kapitalintensiver sind, benötigen Güter, welche somit von bisher rentablen Unternehmungen weg verlagert werden. Die Gütermenge bleibt aber weiterhin knapp und fehlt dann in den Produktionsstrukturen, die die Menschen nachfragen. Deshalb verlagern sich die Güter nach einiger Zeit zu höheren Preisen wieder zurück, damit die dringenderen Bedürfnisse der Menschen befriedigt werden können.

Die neuen Unternehmungen können somit nicht weiter durchgeführt werden und werden wieder unrentabel. Dies führt zu Kreditausfällen bzw. zu einer höheren Nachfrage nach Geld, was die Zinsen steigen lässt. Die zunehmenden Kreditausfälle und die steigenden Zinsen führen zu weiteren Kreditausfällen und es kommt zu einer Konjunkturkrise, bis die Wirtschaft sich einem neuen Gleichgewicht angenähert hat.

Kann die Anpassung verhindert werden?

Diese Anpassung der zuvor getätigten Fehlallokationen von Ressourcen kann nur verhindert werden, wenn die Geldmenge weiter vergrößert wird und oder die Zinsen künstlich gesenkt werden, damit es nicht zu Kreditausfällen kommt. Dies löst allerdings nicht das Problem der knappen, fehlallokierten Güter, sondern zögert die Anpassung der Produktionsstrukturen nur weiter hinaus und destabilisiert zunehmend das Geldsystem, welches das wichtige Informationssystem einer modernen Wirtschaft ist.

Eine Manipulation des Geldsystems führt somit immer zu einer Benachteilungung einiger Bevölkerungsgruppen und zu einer Destabilisierung des gesamten Systems.

Das aktuelle Fiatgeldsystem, welches eine Ausdehnung der Geldmenge und eine Manipulation des Zinses erlaubt, ist daher kein Teil einer freien Marktwirtschaft. Das Geldmonopol in den Händen einer zentralen Institution können wir als Geldsozialismus bezeichenen.

Hier endet der theoretische Teil der Praxeologie

Die Lehre vom menschlichen Handeln hat uns gezeigt, welche Gesetzmäßigkeiten das menschliche Handeln und der freie Markt haben. Wir können nun erklären, wie Wohlstand und Frieden entstehen. Die Verwendung von knappen Ressourcen wird am effizientesten über viele freiwillige Kooperationen organisiert. Dies wird auch die unsichtbare Hand des Marktes genannt. Jeder Mensch, der am freien Markt teilnimmt, ist gleichzeitig Käufer und Verkäufer, Produzent und Konsument. Jeder Mensch zielt durch seine unternehmerischen Handlungen auf eine Bedürfnisbefriedigung und somit auf einen inneren Profit ab. Geld ermöglicht es uns indirekten Tauschhandel zu betreiben und eine Wirtschaftlichkeitsrechnung durchzuführen.

Wir können nun viele Probleme und Herausforderungen der heutigen Zeit mit der Praxeologie verstehen. Des Weiteren gibt uns die Praxeologie die Sicherheit die guten Konzepte von den schlechten zu unterscheiden, denn wie wir gesehen haben, führt nur ein System, welches auf Eigentum, Vertragsfreiheit und auf der freiwilligen Kooperation basiert, langfristig zu Wohlstand und Frieden in einer Gesellschaft.

Dieses System ist der Kapitalismus und die freie Marktwirtschaft.

Wir sehen uns im nächsten Beitrag „Zusammenfassung der Praxeologie #29“.
Hier geht’s nochmal zum letzten Beitrag „Praxeologie: Marktinterventionen & die Interventionsspirale #27„.

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Beste Grüße

Leo Mattes

Quellen:

Ludwig von Mises – Nationalökonomie, Theorie des Handelns und Wirtschaftens (Buch)

Ludwig von Mises – Human Action (Buch)

Murray Rothbard – Man, Economy and State (Buch)

Youtube-Kanal Praxgirl

Praxeologie auf Wikipedia

Cantillon-Effekt auf Wikipedia