Leo MattesPraxeologie

Praxeologie: Marktinterventionen & die Interventionsspirale #27

Praxeologie Marktinterventionen

Warum ist Planwirtschaft ineffizient? Warum kann Sozialismus nicht funktionieren? Was passiert, wenn in den Markt über Verbote, Umverteilung und Gesetze eingegriffen wird?

Im letzten Beitrag haben wir uns die Auswirkungen von Innovationen angeschaut.

In diesem Beitrag möchte ich darauf eingehen, warum Eingriffe in den freien Markt für den Wohlstand der Gesellschaft schädlich sind. Dazu werden wir die Gesetzmäßigkeiten der Praxeologie anführen. Wir hatten bisher den freien Markt als friedlichen und ressourceneffizienten Prozess zugunsten der Menschen behandelt.

Das Recht auf Eigentum und das Recht auf Vertragsfreiheit sind auf einem freien Markt vorausgesetzt. 

In jeder Gesellschaft stellt sich die Frage nach dem Gewalt- bzw. Machtmonopol. Der Stärkste hat somit die Möglichkeit seine Macht auszunutzen. Dies würde bedeuten, dass die freie Marktwirtschaft nicht mehr gegeben ist und die Vorteile einer friedlichen Kooperation nicht mehr genutzt werden können. Stattdessen würde das Machtmonopol dann auf Kosten der Anderen leben. Die Knappheit der Güter ist dabei die Grundvoraussetzung, damit ein Kampf um Ressourcen überhaupt entstehen kann.

Eine solche Ausnutzung des Machtmonopols führt somit zu weniger Wohlstand, zu einer ineffizienten Ressourcenverteilung und zu einer Unzufriedenheit in der Bevölkerung. Das Machtmonopol beschränkt sich dabei meistens auf ein bestimmtes Territorium. Damit die Machtausübung nicht nur einmal funktioniert, werden die Schwächeren üblicherweise nicht ihrer kompletten Lebensgrundlage beraubt, sondern werden einer Scheinkooperation „Verkauf von Sicherheit“ unterworfen.

Planwirtschaft

Im Sozialismus ist eine Wirtschaftlichkeitsrechnung aufgrund fehlender Preise nicht möglich. Somit gibt es keine Knappheitssignale und es können auch keine Gewinne gemacht werden, weil die Kapitalgüter und Produktionsmittel in den Händen des Staates sind. Der planende Staat hat keine Knappheitsindikatoren. Staatliche Unternehmen sind dem Marktprozess von Gewinn und Verlust entzogen und so kann der Staat nie wissen, ob eine Dienstleistung rentabel ist oder nicht und ob demnach Ressourcen gewinnbringend eingesetzt werden oder nicht.

Ein Bürokrat ist nicht den Anreizen des Unternehmers ausgesetzt, welcher immer auf der Suche nach Gewinnen und Verbesserungen für den Kunden ist. Zudem steht der Unternehmer im Wettbewerb, was eine staatliche Einrichtung nicht ist.

Die Kombination eines gewaltsamen und ineffizienten Machtmonopols mit einer zentral gesteuerten Planwirtschaft, welche ohne Preissignale nicht funktionieren kann, strebt danach sich immer weiter auszudehnen. Staaten sind somit langfristig instabil, weil sie sich entweder nicht finanzieren können oder weil niemand das Machtmonopol ausnützt, weil die Vorteile einer gemeinsamen Kooperation überwiegen.

Interventionismus = Markteingriffe

Die Ausdehnung des Machtmonopols führt dazu, dass in den freien Markt und in das Eigentum der Menschen eingegriffen wird. Da die Produktion von Gütern sich entweder im Privatbesitz oder in zentraler Hand befinden, kann es keine dritte Möglichkeit geben. Die soziale Marktwirtschaft ist weder dem reinen Kapitalismus noch dem reinen Sozialismus zuzuordnen und ist somit ein Beispiel für den Interventionismus, denn es gibt sowohl Produktionmittel in Privatbesitz, als auch im Besitz des Staates.

Der Interventionismus kann die Ziele, die seine Befürworter mit ihm erreichen wollen, aber nicht realisieren. Er zwingt die Menschen, sich in einer Weise zu verhalten, wie sie sich aus Eigeninteresse nicht verhalten wollen. Folglich versuchen die Betroffenen, sich dem auf sie ausgeübten Zwang zu entziehen.

Die Interventionsspirale

Der Interventionismus ist nicht stabil. Er verleitet zu immer mehr Eingriffen. Ein Ersteingriff führt zu einem weiteren Eingriff, weil das Knappheitsproblem nicht gelöst werden kann oder weil sich an anderer Stelle eine Knappheit einstellt. Die Interventionisten haben somit die Möglichkeit einen vorhandenen Eingriff wieder zurück zu nehmen oder einen weiteren Eingriff zu vollziehen. Da die Interventionisten aber von ihren Eingriffen überzeugt sind, kommt es zu weiteren Eingriffen in den Markt. Diese Interventionsspirale führt bis in den Sozialismus und untergräbt den freien Markt, wenn sie nicht zurückgedreht wird.

Ludwig von Mises schreibt über den Interventionismus

„Der Interventionismus kann nicht als eine Wirtschaftsordnung betrachtet werden, welche auf die Dauer zu bestehen vermag. Er ist eine Methode zur ratenweisen Verwirklichung des Sozialismus. Die Produktion kann entweder durch die Wünsche der Verbraucher gelenkt werden, wie sie in deren Kaufen oder Nichtkaufen zum Ausdruck kommen, oder aber durch den Staat, den gesellschaftlichen Zwangsapparat. Irgendein konkreter Produktionsfaktor, z. B. ein Block Stahl, kann entweder gemäß den Befehlen der Verbraucher oder gemäß den Befehlen der Bürokratie verwendet werden. Eine Zwischenlösung gibt es nicht.“ -Ludwig von Mises

Im Folgenden möchte ich ein paar Beispiele besprechen, welche die Sinnlosigkeit von Interventionen aufzeigen:

Preisobergrenzen bzw. Maximalpreise, die unter dem Marktpreis stehen, wie z.B. die Mietpreisbremse/der Mietpreisdeckel

Durch die Festlegung eines Maximalpreises sehen die Eigentumer keinen Sinn mehr für eine Investition und eine Vermietung, da die Mieteinnahmen für die Kosten oder eine Investition nicht ausreichen. Die Eigentümer nehmen somit die Wohnung vom Markt und vermieten sie gar nicht. Eine zusätzliche Wohnung entsteht auch nicht, da keine Gewinne mehr erzielt werden können. Ein hoher Mietpreis hätte jedoch das Signal weitere Wohnungen zu bauen, da mit der Vermietung Gewinne gemacht werden können. Ein Mietpreisdeckel erhöht nicht das Angebot an knappen Wohnungen und es kommt somit zu einem Nachfrageüberschuss, der nicht befriedigt werden kann.

Preisuntergrenzen bzw. Mindestlohn

Wie haben gelernt, dass ein Unternehmer immer danach strebt einen Gewinn zu machen. Dazu muss er auf der einen Seite die Kosten für die Produktionsmittel und auf der anderen Seite die Zahlungsbereitschaft der Kunden beachten. Wenn nun ein Mindestlohn eingeführt wird, so wird das Marktgleichgewicht zerstört. Auf der Seite des Unternehmers führt es dazu, dass seine Kosten für die Mitarbeiter steigen.

Damit er weiterhin Gewinn machen kann muss er demnach entweder auch die Preise erhöhen oder er ersetzt die Mitarbeiter mit Maschinen, weil sich die Investition nun lohnt, oder er stellt keine neuen Mitarbeiter mehr ein, weil er sich die Lohnkosten nicht leisten kann.

Ein Mindestlohn hat somit keinen positiven Einfluss auf Menschen, die bisher freiwillig für einen Lohn unterhalb des Mindestlohns gearbeitet haben, denn entweder erhöhen sich auch die Preise, oder sie werden durch automatisierte Maschinen ersetzt, oder sie werden entlassen und nicht wieder angestellt. Auf einem freien Markt steht der Unternehmer nicht nur mit den Produkten, sondern auch mit den Löhnen im Wettbewerb und er kann daher die Löhne gar nicht beliebig senken.

Ein Mindestpreis führt somit zu einem Angebotsüberhang. Ein Mindestlohn führt zwangsläufig zu mehr Arbeitslosen, weil diese aufgrund des Überangebots an Arbeitskräften keine Arbeit finden.

Subventionen/ Umverteilungen/ Länderfinanzausgleich

Die Gewinne, welche auf dem freien Markt entstehen, werden über Steuern teilweise konfisziert. Durch Umverteilung und Subventionen werden Handlungen wirtschaftlich, die ohne eine Subvention nicht rentabel wären. Jedoch gibt es für den Staat keinerlei Anhaltspunkte ob und in welcher Höhe eine Subvention eingesetzt werden soll. Für die Marktteilnehmer, denen ein Teil des Gewinns abgenommen wurde, entsteht dieselbe Situation wie durch einen verstärkten Wettbewerb.

Sie werden stärker dazu angehalten Innovationen und Verbesserungen in den Produktionsprozess einzubringen, um den Gewinn wieder zu vergrößern. Die Subventionierten auf der anderen Seite erhalten das gegenteilige Signal, da sie nun mehr Kapital zur Verfügung haben, obwohl sie dieses in der Vergangenheit nicht sinnvoll eingesetzt haben.

Des Weiteren bekommen sie den Eindruck, dass der Wettbewerbsdruck nachlässt. Und sie gelangen somit zu einer Monopolstellung, welche durch die staatlichen Geldflüsse gewährleistet wird. Wir können somit sagen, dass eine Subvention immer zu mehr Verschwendung führt, weil der freie Markt sich nicht mehr dem eigentlichen Gleichgewicht, welches sich aufgrund der Bedürfnisse der Menschen einstellen würde, anpassen kann.

Eine Subvention hat somit immer eine Vermehrung des Subventionierten zur Folge. Auch wenn sie oftmals gut gemeint ist, so kommt es zu Fehlanreizen, ineffizienten Prozessen, beliebiger Ressourcenverteilung und zu einer geringeren Produktivität.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde demnach dazu führen, dass die Löhne steigen müssen, denn die Menschen würden tendenziell weniger arbeiten, wenn sie das Geld auch so bekommen. Und aufgrund der hohen Lohnkosten würden dann auch die Preise steigen, sodass ein bedingungsloses Grundeinkommen nur zu einer Preisinflation führen würde.

Des Weiteren hatten wir gelernt, dass es, solange die Menschen Probleme haben, auch immer Arbeitsplätze gibt. Sollte demnach die Automatisierung in den nächsten Jahren viele Arbeiter ersetzen, so würden durch den Wettbewerb auch die Preise sinken, denn eine Maschine bzw. ein Roboter benötigt keinen Lohn. Alles was eine Maschine bzw. ein Roboter benötigt ist entweder auch automatisiert oder wird von einem Menschen bereitgestellt, welcher dann für seine Arbeit einen Lohn bekommt.

Angenommen die Menschen würden trotz bedingungslosem Grundeinkommen gleich viel arbeiten wie ohne, so gäbe es eine erhöhte Kaufkraft, aber die Menge an Produkten und Dienstleistungen wäre weiterhin identisch. Somit würden die Preise ebenfalls steigen, weil die Kunden bereit wären mehr für die knappen Güter zu bezahlen.

Verordnungen und Gesetze

Ein freier Markt setzt das Recht auf Eigentum und das Recht auf Vertragsfreiheit voraus. Somit behandeln wir in diesem Abschnitt nur Gesetze, die darüber hinausgehen. Angenommen ein Gesetz oder eine Verordnung wäre sinnvoll und würde den Wünschen der Menschen entsprechen. So würde man das Gesetz oder die Verordnung nicht benötigen. Somit bleibt noch der Fall, dass das Gesetz oder die Verordnung manche Menschen in ihren Bedürfnissen und Wünschen hindert.

Niemand sollte aber das Recht haben über das Eigentum und die Vertragsfreiheit eines Menschen zu entscheiden und damit die Befriedigung seiner Bedürfnisse einschränken. Das Gesetz ist somit mit dem freien Markt nicht vereinbar. Des Weiteren benötigt jedes Gesetz und jede Verordnung auch Kontrollinstanzen, welche dadurch aus dem Produktionsprozess des freien Marktes entzogen werden.

Dies führt letztendlich zu falschen Ressourcenallokationen und zu einer geringeren Produktivität.

Geistiges Eigentum und Patente

Patente und Urheberrechte sind ebenfalls als staatlich gewährtes Monopolprivileg zu betrachten und stellen einen Eingriff in die in einer Marktwirtschaft bestehenden Eigentumsrechte dar. Die reine Marktwirtschaft ist über ein System der Eigentumsrechte definiert, nach welchem jedem Menschen das exklusive Verfügungsrecht über sein rechtmäßig erworbenes Eigentum zusteht.

Die Eigentumsrechte beziehen sich dabei auf physische Objekte und beinhalten die Rechte, diese umzuformen und zu tauschen. Eine Gewährung von Rechten an geistigem Eigentum steht somit im Widerspruch zu den in einer Marktwirtschaft geltenden Eigentumsrechten an physischen Objekten.

Sozialstaat und das Rentensystem

Der Sozialstaat ist ebenfall eine Subvention bzw. eine Umverteilung von den Produktiven einer Gesellschaft hin zu den Unproduktiveren. Auch hier kommt es dementsprechend zu Fehlallokationen, scheinbar beliebiger Zuteilung, ineffizienten Prozessen und geringerer Produktivität, was eine Vergrößerung des Sozialstaats zur Folge hat.

Generell kann man sagen, dass es zur Altersvorsorge zwei Möglichkeiten gibt. Entweder man spart Kapital an, welches man dann im Alter konsumiert, oder man gründet eine Familie. Eine Kombination der beiden Möglichkeiten ist natürlich auch möglich. Auch wenn man nur Kapital anspart, so benötigt man im Alter dennoch jüngere Menschen, die einen pflegen oder zumindest weiterhin für einen produzieren.

Das umlagebasierte Rentensystem setzt nun dahingehend Anreize, dass man Rentenansprüche erlangt, auch wenn man selbst keine Kinder bekommt. Es entkoppelt somit die Altersversorgung mit der Familiengründung. Es entsteht ein Leben auf Kosten der Jüngeren, denn diese sind erstens nicht mehr so viele, was die Produktivität reduziert und zweitens müssen sie nicht nur für ihre Eltern aufkommen, sondern auch für die Kinderlosen.

Der demographische Wandel wird aufgrund der Anreize somit verstärkt und auch erst zum Problem.

Möglichkeiten der Staatsausdehnung

Betrachten wir zum Schluss noch die Möglichkeiten, wie ein Staat sich ausdehnen kann.

  1. Der Staat erhöht sein Einflussgebiet. Dies hatten wir etwa zu Zeiten des Kolonialismus oder des Imperialismus erlebt.
  2. Der Staat führt einen Krieg. Die Ausdehnung führt für gewöhnlich zu Konflikten mit anderen Territorialmonopolisten und führt wie in den Weltkriegen zu großem Leid.
  3. Der Staat greift in die Wirtschaft ein und übernimmt zunehmend mehr Aufgaben. Dies erleben wir durch die Vergrößerung des Wohlfahrtstaats. Ein staatliches Schul- und Ausbildungssystem, staatliche Versicherungen und eine staatliche Altersvorsorge sind unteranderem die Folge.
  4. Der Staat hält das Geldmonopol und manipuliert die Währung. Durch eine Vergrößerung der Geldmenge und einer Steuerung des Zinses werden die Anreize verändert. Das Geldmonopol macht es zudem möglich Steuern einzutreiben und zu kontrollieren.
  5. Mehr Arbeitskräfte durch Einwanderung. Damit der Staat sich weiter ausweiten kann, ist eine Einwanderung produktiver Arbeitskräfe ebenfalls denkbar, denn dadurch kann die Produktivtät und das Steueraufkommen erhöht werden.
  6. Mehr Regulierung, Abgaben und Gesetze. Im Sinne des Verbraucherschutzes oder des Minderheitenschutzes werden weitere Eingriffe in den Markt vorgenommen. Dies führt zu mehr Verwaltung und Organisationsaufwand und somit zu weniger Arbeitslosen, aber zu höheren Preisen und geringerer Produktivität.
  7. Der Staat kauft sich Zeit. Durch Kredite und weitere zukünftige Versprechungen kann sich der Staat Zeit kaufen und sich finanzieren.

Abschließend müssen wir noch feststellen, dass die genannten Möglichkeiten oftmals auch den großen Unternehmen helfen, denn diese können somit auch ihre Absatzmärkte vergrößern oder erhalten aufgrund der zunehmenden Komplexität weniger Wettbewerb. Diese Zusammenarbeit zwischen Staaten und Konzernen können wird im Lobbyismus erleben.

Zusammenfassung

In diesem Beitrag haben wir uns mit Marktinterventionen beschäftigt. Diese können eine Knappheit der Güter und Dienstleistungen nicht beseitigen. Des Weiteren verschieben Sie die Marktgleichgewichte und somit die Marktpreise, welche Knappheits- und Informationsindikatoren für die Marktteilnehmer darstellen.

Staatliche Institutionen stehen nicht im Wettbewerb und eine Beurteilung bezüglich ihres Ressourceneinsatzes ist somit nicht möglich. Die Ineffizienz führt dazu, dass Staaten immer weiter in den freien Markt eingreifen, was zu einer Interventionsspirale führt, die den Wohlstand aller verringert, da die Produktivität nachlässt und das Leben auf Kosten anderer zunimmt.

Im nächsten Beitrag werden wir uns näher mit der Manipulation des Geldsystems auseinandersetzen.

Wir sehen uns im nächsten Beitrag „Praxeologie: Konjunkturzyklen & der Cantillon-Effekt #28„.
Hier geht’s nochmal zum letzten Beitrag „Praxeologie: Innovationen und Wirtschaftszyklen #26„.

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Beste Grüße

Leo Mattes

Quellen:

Ludwig von Mises – Nationalökonomie, Theorie des Handelns und Wirtschaftens (Buch)

Praxeologie auf Wikipedia