Leo MattesPraxeologie

Praxeologie: Die Unsicherheit #9

Praxeologie Unsicherheit

Im letzten Beitrag habe ich erklärt, warum das Konzept der Zeit für die Wissenschaft der Praxeologie so wichtig ist. Die Zeit ist im Wesen des menschlichen Handelns inbegriffen und grenzt die Praxeologie als Wissenschaft von allen anderen Denkschulen, die versuchen, das menschliche Handeln zu untersuchen, ab.

In diesem Beitrag möchte ich auf das Thema der Unsicherheit, die im menschlichen Handeln inbegriffen ist, eingehen, und einen Blick auf die begrenzte Möglichkeit praxeologischer Vorhersagen werfen.

Die Ungewissheit der Zukunft ist bereits im eigentlichen Begriff des Handelns enthalten. Handeln heißt wählen. Aber wenn der Mensch die Zukunft wüsste, müsste er sich nicht entscheiden, was bedeutet, dass er nicht handeln würde. Der Mensch wäre wie eine Maschine, die ohne eigenen Willen auf Reize reagiert.

Der Mensch kennt die Zukunft nicht und auch die Naturwissenschaften können die Zukunft nicht vorhersagen. Sie teilen uns nur möglichen Ergebnisse aufgrund einer Reihe bestimmter Parameter mit.

Dabei sind zwei Punkte unvorhersehbar:

  1. Die Fakten über die Natur, die wir nicht kennen und
  2. menschliche Entscheidungen.

Unser Mangel an Wissen in Bezug auf diese beiden Bereiche wirkt sich auf alle menschlichen Handlungen mit Unsicherheit aus. Es gibt drei verschiedene Arten, wie wir die Handlungen eines Menschen in Bezug auf die Zukunft einordnen können.

  • Glücksspiel,
  • Spekulationen und
  • das Einsetzen von Technik.

Beim Glücksspiel kennen wir die Häufigkeit der Möglichkeiten, aber diese Informationen können uns nicht dabei helfen, das Glücksspiel zu gewinnen. Wir müssen uns auf das Glück verlassen.

Beim Spekulieren versuchen wir die Zukunft mit Hilfe von vergangenen Informationen bestmöglich abzuschätzen und unser Handeln daran anzupassen. Dabei gehen wir immernoch ein Risiko ein, aber dieses Risiko wird reduziert, indem wir zusätzliche Informationen über das Ziel einholen.

Jede menschliche Handlung ist eine Form der Spekulation. In den Ingenieurswissenschaften wissen wir fast alles darüber, wie ein Werkzeug oder eine Maschine nach den Anforderungen entwickelt wird. Zusätzlich werden aber Vorsichts- und Sicherheitsmaßnahmen getroffen, um einige Unsicherheiten zu beseitigen.

Es gibt den Begriff namens Social Engineering, aber dieser Begriff ist nichts anderes als ein Synonym für Diktatur und Totalitarismus. Man kann einen Menschen und eine Gesellschaft nicht gestalten, wie man sie gerne hätte, denn Menschen kann man nicht so behandeln, wie ein Ingenieur ein Zahnrad und seine Maschine behandelt. Auch ein Diktator kann seinen Willen nicht dem Willen des Volkes aufzwingen. Ein Individuum muss glauben, dass es durch eine Handlung seinem Glück näherkommt. Ein Diktator kann diesen Glauben nicht erzwingen.

Vorhersagen der Praxeologie

Zuvor sprachen wir über die Grenzen naturwissenschaftlicher Vorhersagen. Gleichermaßen ermöglicht uns die Praxeologie, die Ergebnisse verschiedener Handlungen mit logischer Sicherheit vorherzusagen. Aber diese Vorhersagen können niemals etwas quantitatives aussagen.

In anderen Worten: Wir können sagen, dass ein Rückgang der iPhone-Nachfrage zu einem Rückgang des iPhonepreises führen wird, wenn alle anderen Faktoren gleichbleiben. Wir können jedoch nicht vorhersagen, um wie viel Euro der Preis fallen wird. Denn wie ich in früheren Beiträgen erklärt habe, können wir einer menschlichen Handlung keinen festen Wert zuweisen.

Jeder Praxeologe, der eine quantitative Vorhersage über den Preis eines Gutes oder dessen Zeitpunkt macht, trifft keine praxeologische Vorhersage, sondern äußert seine eigene unternehmerische Meinung.

Zusammenfassung

Wir können die Zukunft nicht kennen, wir können nur spielen, spekulieren oder konstruieren. Und bei jedem dieser drei Ansätze besteht ein unbestreitbares Risiko und eine Unsicherheit. Es gibt somit keine vollständige und exakte Vorhersagbarkeit, Sicherheit oder Stabilität. Unsere Vorhersagen können eine Reihe logischer Ergebnisse aussagen. Diese prognostizierten Ergebnisse können jedoch nur qualitativ und nicht quantitativ sein.

Wir sehen uns im nächsten Beitrag „Praxeologie: Das Gesetz des abnehmenden Grenznutzen #10„.
Hier geht’s nochmal zum letzten Beitrag „Praxeologie: Die Zeit #8„.

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Beste Grüße

Leo Mattes

Quellen:

Ludwig von Mises – Nationalökonomie, Theorie des Handelns und Wirtschaftens (Buch)

Praxeologie auf Wikipedia