Leo MattesPraxeologie

Praxeologie: Wettbewerb #19

Praxeologie Wettbewerb

Warum ist Freiheit nur in einer freien Marktwirtschaft möglich?

Im letzten Beitrag habe ich die Marktprozesse behandelt und erklärt, warum der freie Markt auch als Kapitalismus bezeichnet wird. Wir haben gelernt, dass ein solches System das Recht auf Privateigentum erfordert. Wir haben auch mehr über die Aufgaben der Wirtschaftsrechnung erfahren und hergeleitet warum auf dem freien Markt niemand ein Sklave für jemand anderes ist.

In diesem Beitrag möchte ich aufzeigen wie der Wettbewerb auf einem freien Markt funktioniert und warum er allen zugutekommt und nicht nur wenigen. Jede Form der sozialen Organisation hat Konkurrenz. Auf dem freien Markt konkurrieren die Verkäufer darum, wer den Kunden den geringsten Preis anbieten kann. Umgekehrt kommunizieren die Käufer den Verkäufern die höchstmöglichen Preise.

Praxeologischer und biologischer Wettbewerb

Um selbst am meisten zu bekommen hat ein Individuum den Anreiz seine Mitmenschen so glücklich wie möglich zu machen. Daher sollte die Art des Wettbewerbs auf einem freien Markt nicht mit der Art des Wettbewerbs in der Natur verwechselt werden, denn in der Natur gelten die Regeln des Stärkeren. Wenn zwei Tiere um dasselbe Futter kämpfen, dann ist klar, wer der Gewinner und wer der Verlierer ist. Aber das Ziel eines freien Marktes ist es diese Machtstruktur durch Zusammenarbeit gezielt zu ersetzen. Wer auf dem Markt nicht genug bietet, wird nicht vernichtet. Er wird einfach in eine bescheidenere Position verbannt.

Wir müssen daher die ursprüngliche Definition von Wettbewerb, die wir als biologischen Wettbewerb bezeichnen von dem Wettbewerb, den die Praxeologie als Wettbewerb bezeichnet, unterscheiden. Der Wettbewerb in der Praxeologie erkennt die Eigentumsrechte und das Recht auf Vertragsfreiheit an. Im biologischen Wettbewerb hat der Starke immer Recht. Die Schwächeren müssen sich ergeben und haben keine andere Wahl. Als Ergebnis ihrer Situation gibt es in der Natur keine Freiheit und die Stimme des Schwächeren hat keine Relevanz.

Eigentum und Vertragsfreiheit

Der Begriff der Freiheit ist nur sinnvoll, wenn er sich auf zwischenmenschliche Beziehungen bezieht. In einem freien Markt hat jeder das Recht über seinen eigenen Körper und sein Eigentum zu verfügen. Zwang und Gewalt sind keine Elemente des freien Marktes. Alle Individuen haben daher die Freiheit, das zu tun, was sie wollen, solange dies nicht die Eigentumsfreiheit anderer beeinträchtigt. In der Praxeologie meint man mit Freiheit auch, dass ein handelnder Mensch in der Lage ist zwischen alternativen Handlungen zu wählen.

Ein Mensch ist frei und hat die Erlaubnis seine Ziele und die Mittel mit denen er diese Ziele erreichen will zu wählen. Die Freiheit eines Menschen wird nur durch die Naturgesetze sowie durch die Gesetze der Praxeologie eingeschränkt. Er kann keine Ziele erreichen, die nicht miteinander vereinbar sind.

Martin auf dem Weg nach New York

Dazu betrachten wir zwei Beispiele, die uns zeigen, wie der Mensch durch die Gesetze der Natur und der Praxeologie begrenzt ist. Angenommen Martin möchte von der Küste New Yorks zur Küste Spaniens springen. Die Naturgesetze, wie sie durch die Physik definiert sind werden dies jedoch für einen gewöhnlichen Menschen nicht ermöglichen. Wenn er jedoch ein Flugzeug als ein (Transport)Mittel benutzt, dann kann er sein Ziel erreichen, doch das Flugzeug unterliegt ebenfalls den Naturgesetzen.

Nehmen wir jetzt an, dass Martin auf unbestimmte Zeit eine Menge Eis konsumieren möchte. Er kann viel Eis kaufen und konsumieren, aber sobald sein Geld weg ist kann er nicht mehr auf die gleiche Weise konsumieren wie zuvor. Die Gesetze des Marktes haben ihn also in eine Position gedrängt in der er erst wieder sparen muss, bevor er noch mehr Eis konsumieren kann. Seine einzige weitere Möglichkeit sofort mehr Eis zu bekommen wäre es, das Eis zu stehlen, aber dann handelt Martin nicht mehr in der Gesellschaft oder auf dem Markt, sondern dann handelt er gegen die Interessen der anderen und langfristig auch gegen seine eigenen Interessen.

Somit unterliegen wir alle den universellen Gesetzen der Praxeologie. Wir können nicht auf der einen Seite die Vorteile der Arbeitsteilung und der sozialen Zusammenarbeit genießen, wenn wir uns auf der anderen Seite auf ein Verhalten einlassen, welches die Gesellschaft zerstört. Niemand hat die Freiheit, die Freiheiten anderer zu verletzen. Wenn wir dies annehmen würden, dann bekämen wir einen Widerspruch, weil der eine dem anderen seinen Willen aufzwingen würde. Dadurch würden wir tatsächlich wieder zu irgendeiner Form biologischer Konkurrenz zurückkehren, in der nur der Stärkste überlebt.

Freiheit macht nur im Kontext eines friedlichen sozialen Systems Sinn.

Wohlstandsungleichheiten und die Beziehung zur Freiheit

Wir haben zuvor festgestellt, dass die Menschen nicht mit den gleichen Fähigkeiten und Möglichkeiten geboren werden, um die gleichen Aufgaben zu erledigen. Die Praxeologie beurteilt nicht, ob es für die Menschen ethisch und moralisch besser oder schlechter ist, über ein gleiches Vermögen und Einkommen zu verfügen. Unsere einzige Aufgabe ist es zu verstehen, wie Ungleichheit eine Rolle beim menschlichen Handeln spielt.

Und so haben wir bisher gesehen, dass ein Handeln selbst immer das Ergebnis einer Unzufriedenheit eines Menschen ist und dass ein Tausch immer das Ergebnis einer Ungleichheit ist. Der Wettbewerb entsteht auf dem Markt gerade deshalb, weil ein Verkäufer sich von einem Käufer in seinem Besitz und seinen Fähigkeiten unterscheidet. Es ist erst die Ungleichheit zwischen dem, was die Menschen sich gegenseitig bieten können, und nicht die Gleichheit, die alle dazu drängt, sich gegen ihre Konkurrenten durchzusetzen.

In jeder Marktphase versuchen die Menschen andere Menschen besser zu befriedigen, um sich selbst zu befriedigen. Je zufriedener sie andere Menschen machen, desto mehr Mittel erwerben sie, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Jeder hat die Wahl zwischen einer mehr oder weniger vollständigen Nutzung seiner eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten und diese auf dem Markt anzubieten.

Dadurch können nicht die zugrundeliegenden persönlicher Nachteile beseitigt werden. Aber es ist ein Anreiz für alle, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten so weit wie möglich einzusetzen. Nun können wir die Frage stellen, wie denn genau eine Ordnung durch bestehenden Wettbewerb auf dem Markt gehalten werden kann. Die kapitalistische Gesellschaft hat keine Möglichkeit einen Menschen zu einem Berufswechsel oder einem Ortswechsel zu zwingen, als diejenigen, die den Wünschen der Verbraucher nachkommen, mit einem höherem Entgelt zu belohnen.

Vertrauen und Image

Auf dem Markt ist der Ruf alles. Dies bedeutet, dass private Verbraucherschutzorganisationen andere Unternehmen auf die Kreditwürdigkeit aufmerksam machen, wenn sie Verträge nicht einhalten oder Privateigentum verletzen. Diese Einrichtungen existieren, weil der Einzelne durch das Streben nach seinen eigenen Ziele immer dazu bereit ist für Sicherheit zu zahlen. Damit ein Mensch von anderen kaufen und mit ihnen handeln kann, muss eine Person Vertrauen aufbauen oder mit anderen Worten einen guten Ruf haben.

Dies steht im Gegensatz zur Gewalt, die Menschen dazu zwingt auf bestimmte Weise zu handeln. Gewalt kann am besten durch Regierungen beschrieben werden. Ein freier Markt ist mit keiner Regierungsform vereinbar, da eine Regierung per Definition sagt, dass zwischen den Verbrauchern und dem Anbietern keine hundertprozentige Übereinstimmung besteht.

(Anm. d. Red.: Vielleicht hast du ja gerade deshalb weder in der Schule noch auf der Universität oder in den Medien etwas von der Praxeologie gehört)

Regierungen stehen im Widerspruch zum freien Markt

Daher bedeutet Regierung auch ausführende Gewalt (Exekutive). Wie wir gesagt haben, widerspricht Gewalt der freien Marktwirtschaft und dem Kapitalismus. In weiteren Beiträgen werden wir mehr darüber erfahren, wie die Umsetzung von Regierungs- und Wirtschaftsplanung dazu führt, dass die Wünsche der Gesellschaft unerfüllt bleiben. Der Machtwechsel in einer Demokratie erfolgt friedlich, doch ändert dies nichts an der Tatsache, dass eine regierende Mehrheit über eine Minderheit regiert.

Es ist geradezu grotesk, dass die heutigen Ungerechtigkeiten dem freien Markt zugeschrieben werden und nicht dem Markteingriff der Regierungen. Doch dazu in weiteren Beiträgen mehr. Im Moment können wir einfach sagen, dass in einem System, in dem die Regierung Entscheidungen im Namen der Bürger trifft, die Menschen nur ein Recht haben: Das Recht zu gehorchen. Vielleicht sind alle Sklaven unter dem Herrscher gleichgestellt, aber jedenfalls sind sie nicht dem Herrscher gleichgestellt. So können wir sie nicht als frei in irgendeinem nützlichen Sinne bezeichnen.

Zusammenfassung

Die Praxeologie stellt somit fest, dass die Ungleichheit von Individuen in Bezug auf Vermögen und Einkommen ein wesentliches Merkmal der Marktwirtschaft ist. Aber dies führt nicht zu Zerstörung und Chaos, sondern wir stellen fest, dass diese Ungleichheit tatsächlich eine wichtige Triebkraft für den Wohlstand in einem kapitalistischen System ist.

Freiheit und Ordnung entstehen durch das Streben aller ihre eigenen Ziele zu erreichen. Des Weiteren haben wir die jahrhundertelange Kritik am freien Markt, dass nur der Stärkste profitiert, widerlegt, denn der freie Markt ist genau das Gegenteil.

Während der Dschungel ein brutaler Ort des Krieges aller gegen alle ist und der stärkere Mensch auf Kosten der Schwächeren lebt, verwandelt die Marktgesellschaft den destruktiven Wettbewerb des Dschungels in eine friedliche Zusammenarbeit, von der alle profitieren.

Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung enthält die Begriffe: life, freedom and the pursuit of happiness. Die Praxeologie würde dies etwa folgendermaßen sagen: Eigentum, Vertragsfreiheit und das Streben nach Bedürfnisbefriedigung.

Wir sehen uns im nächsten Beitrag „Praxeologie: Der Unternehmer #20„.
Hier geht’s nochmal zum letzten Beitrag „Praxeologie: Der Markt #18„.

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Beste Grüße

Leo Mattes

Quellen:

Ludwig von Mises – Nationalökonomie, Theorie des Handelns und Wirtschaftens (Buch)

Ludwig von Mises – Human Action (Buch)

Murray Rothbard – Man, Economy and State (Buch)

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