Leo MattesPraxeologie

Praxeologie: Wirtschaftlicher Fortschritt und Wachstum #21

Praxeologie Wirtschaftswachstum

Wer profitiert am meisten von einer wachsenden Wirtschaft?

Im letzten Beitrag haben wir das Konzept des Unternehmertums vorgestellt und dessen Funktion im Marktprozess kennengelernt. Wir haben festgestellt, dass der Unternehmer nach Gewinn strebt, um seine eigene Situation zu verbessern. Wir haben auch gelernt, dass, solange der Unternehmer ohne Zwang und Nötigung agiert, so ist der Gewinn immer ein Belege für die erbrachten Dienstleistungen gegenüber den Kunden, Verbrauchern und Konsumenten.

Ein weiterer wichtiger Punkt im letzten Beitrag war, dass der Unternehmer immer versucht Verluste zu vermeiden und dass Verluste ein Signal für die Verschwendung von Ressourcen sind, die ansonsten für wichtigere Bedürfnisse hätten eingesetzt werden können. Abschließend haben wir noch die konservative Eigenschaft der Bildung kennengelernt. Denn wir haben festgestellt, dass Bildung die Menschen immer mit bereits entwickelten Theorien und Praktiken ausbildet. Sie bringt den Menschen bei, wie man in einem bestehenden System arbeitet, sie kann aber niemals die für unternehmerischen Profit notwendigen Fähigkeiten vermitteln, weil unternehmerische Tätigkeiten das System an sich verbessern.

Eine Person wird zu einem Unternehmer, sobald sie eine Chance sieht, die andere bisher nicht gesehen haben, und wenn sie versucht diese Chance zu nutzen.

Welche Chance sehe ich durch die Veröffentlichung dieser Beiträge über die Praxeologie?

Aufgrund der Dezentralisierung der Kommunikation durch das Internet und aufgrund der Dezentralisierung der Energieversorgung durch Erneuerbare Energien und aufgrund der Dezentralisierung des Geldsystems durch die Blockchain Technologie, bin ich der Meinung, dass es im 21. Jahrhundert auch zu einer Dezentralisierung der Regierungen und der Bildung kommen wird.

Dies liegt daran, dass die Praxeologie zeigt, dass eine zentrale Planung nicht langfristig sinnvoll ist und zweitens, weil wir uns immer weiter spezialisieren und immer geringere und verschiedenere Bedürfnisse befriedigen wollen, die einer zentralen Planung überhaupt nicht vorliegen.

Dafür ist die Praxeologie, also die Logik des menschlichen Handelns, die Grundlage für das Verständnis für Wohlstand und Frieden. Doch erst durch die technologische Dezentralisierung ist es möglich die Praxeologie einer breiten Masse näher zu bringen. Jeder, der von einer zunehmend komplexen Welt redet, zeigt seine Überforderung die Welt ordnen und steuern zu wollen. Dabei wird die Komplexität auf der Welt nicht nur größer, sondern auch ersichtlich, weil sie von zentralen, hierarchischen Strukturen bisher verdeckt wurde.

Disruption der Staaten u- Regierungsformen

Die interventionistischen Strukturen haben kein Interesse daran die Praxeologie zu verbreiten, denn für die Regierungen ist sie vergleichbar wie das heliozentrische Weltbild für das geozentrische Weltbild der Kirchen.

Auf Wikipedia heißt es im Artikel des heliozentrischen Weltbilds: „Doch durch seinen Paradigmenwechsel, als Mittelpunkt der Welt nicht länger die Erde anzusehen, gilt Kopernikus als Auslöser der kopernikanischen Wende und als ein wichtiger Wegbereiter des Übergangs vom mittelalterlichen zum neuzeitlichen Denken.“

Im Artikel der kopernikanischen Wende steht: „In der kopernikanischen Wende manifestiert sich das Ende der Deutungshoheit der Kirche in vielen lebensweltlichen und philosophischen Belangen des Mittelalters. An ihre Stelle traten schrittweise und zum Teil unter heftigen Auseinandersetzungen die sich entfaltenden Naturwissenschaften.“

Weiter heißt es: „Kant führte aus, dass Mathematik, Logik und Naturwissenschaften durch eine „Revolution der Denkart“ von einer losen Sammlung von Entdeckungen zu systematischen Wissenschaften geworden seien, indem sie ihre Prinzipien nicht mehr in den Gegenständen der Erfahrung, sondern in der Vernunft gesucht hätten.“

Na, wer erkennt die Parallelen zwischen der Praxeologie und den heutigen Wirtschaftswissenschaften?

Deshalb wird sich aus meiner Sicht die Deutungshoheiten der Regierungen und Staaten in vielen lebenswichtigen und philosophischen Belangen zurückziehen und die Praxeologie wird sich entfalten. Denn der bevorstehende Paradigmenwechsel hin zu einer zunehmenden Dezentralisierung endet mit dem Individuum, welches die Praxeologie behandelt. 

Doch machen wir nun mit der Praxeologie weiter. 

In diesem Beitrag werden wir sehen, wie das Handeln der Unternehmer zu wirtschaftlichem Fortschritt führt und wer davon am meisten profitiert.

Wirtschaftlicher Fortschritt

Wenn eine Wirtschaft wächst, dann bedeutet das, dass die Menge an Investitionsgütern zunimmt und den Individuen zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse nun die gleichen Güter zu günstigeren Preisen oder neue Güter zur Verfügung stehen. In anderen Worten: Der Lebensstandard der Menschen wächst.

Der einzige Weg, wie wirtschaftlicher Fortschritt erzielt werden kann, ist die Kapitalakkumulation, bei der die Menschen weniger konsumieren als sie für die Zukunft benötigen. Sie sparen. Ein Beispiel: Angenommen Lars hat 10 Kuchen und weiß, dass er einen davon am Abend mit seiner Familie essen wird. So bleiben ihm noch 9 Kuchen als Kapital.

Eine Wirtschaft erzielt Fortschritte, wenn Unternehmer Nettogewinne gegenüber Nettoverlusten erzielen. In einer solchen Situation können Unternehmer höhere Einkommen erzielen, und ihre Investitionsgüter werden nicht verschwendet. Aber wir müssen uns daran erinnern, dass der Wettbewerb immer die Gewinne nach unten treibt, bis keine Gewinne mehr anfallen können.

Wir können sagen, dass Gewinne nur bei einem Produktivitätsvorsprung gegenüber dem Wettbewerb, also dem besseren und effizienteren Einsatz von Investitionsgütern entstehen können. Ohne Gewinne würden die gesamten Einnahmen die Kosten decken und es gäbe keinen Vorteil für den handelnden Unternehmer. Daher sind Unternehmer gezwungen ein profitables Business zu führen. Sie müssen die Produktion weiter verbessern und ausbauen, um neuen Wünschen in einer sich verändernden Welt gerecht zu werden.

Einfach gesagt: Sie müssen neue Investitionsgüter erwerben. Dabei können neue Investitionsgüter auf zwei Arten erworben werden. Unternehmen können entweder ihren aktuellen Stand der Technik optimieren oder neue Technologien entwickeln, die vorher nicht möglich waren. Lass uns dazu nochmal ein Beispiel anschauen, wie echte Unternehmen wirtschaftlichen Fortschritt schaffen können.

Wie kann Apple mehr Gewinn machen?

Apple, als Hersteller von iPhones, kann auf zwei Arten mehr Investitionsgüter erwerben. Sie können um die Gewinne zu steigern entweder mehr Fabriken bauen, die mit den steigenden Anforderungen der Verbraucher Schritt halten können, oder sie können eine neue Technologie entwickeln, die die Produktion erleichtert und Arbeitskräfte ersetzt, wodurch die Kosten gesenkt und mehr iPhones verkauft werden können. Beides steigert die Gewinne.  Wenn wir dies mit einer betriebswirtschaftlichen Formel ausdrücken wollen, so sagen wir:

Gewinn = Umsatz – Kosten.

Apple kann demnach entweder den Umsatz steigern oder die Kosten senken. Beide Methoden senken den Preis für iPhones und ermöglichen mehr Käufern den Zugang zu den Produkten. Apple kann dadurch die Verfügbarkeit eines Guts für Personen mit geringerem Einkommensniveau erhöhen.

Nur durch die Möglichkeit einen Gewinn zu erzielen bzw. durch den Erwerb neuer Investitionsgüter ist die Gesellschaft erfolgreicher als je zuvor.

Wenn die Menschen iPhones billiger erwerben können, haben sie mehr Geld für andere Güter, und der Wohlstand der Gesellschaft wächst. Gewinne bzw. Kapitalakkumulation ist der einzige Weg, auf dem eine Gesellschaft Wohlstand erreichen kann, und diese Tatsache kann nicht oft genug betont werden.

Woher kommen die Kritiker?

Ein weit verbreitetes Missverständnis unter den Kritikern des Marktprozesses besagt, dass Kapitalisten einen ungerechten Anteil an den Vorteilen der Kapitalakkumulation haben. Der Eindruck entsteht, weil die erfolgreichen Kapitalisten diejenigen sind, die wir in Privatjets fliegen, auf Yachten feiern und in den Villen leben sehen.

Aber wenn wir über die Verteilung der Vorteile nachdenken, die sich aus der Akkumulation von Kapital ergeben, können wir schnell erkennen, dass diese reichen Personen nur einen Bruchteil der gesteigerten Produktivität ernten.

  1. Wie wir im letzten Beitrag gesehen haben, entstehen Gewinne nicht automatisch. Sie sind immer das Ergebnis eines Risikos, bei dem ein mutiger Unternehmer eine Chance erkennt, die die Mehrheit nicht sieht.
  2. Unternehmer machen nur Gewinn, wenn sie einen Produktionsprozess erfolgreich an die Wünsche ihrer Verbraucher angepasst haben.
  3. Ihre Gewinne sind ständig von einer besseren Lösung anderer Unternehmer bedroht.

Beispielsweise verringert jedes neue Produkt, das mit dem iPhone konkurriert, die Grenzproduktivität der Maschinen, die iPhones herstellen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es durch weiteren Wettbewerb ein größeres Angebot an Smartphones gibt, was den Gesamtwert der von den Maschinen produzierten iPhones verringert.

Von der Technische Deflation profitieren alle

Wenn wir uns jedoch auf die nicht-unternehmerischen Gruppen konzentrieren, dann können wir sehen, dass sie dauerhaft ebenfalls von der Risikobereitschaft der Unternehmer profitieren. Eine Erhöhung des Gesamtangebots an Investitionsgütern in der Gesellschaft kommt den Arbeitnehmern am meisten zugute, da die Grenzproduktivität ihrer Arbeit und ihre Löhne steigen.

Oder anders gesagt: Aufgrund des Fortschritts bekommt man mehr für sein erarbeitetes Geld. Dies wird auch technische Deflation genannt.

Ein Beispiel: Die Preise für USB-Speicher sind in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Dies können wir langfristig aufgrund des technischen Fortschritts auf einem freien Markt bei jedem Gut beobachten.

Diese Gründe sollten wir immer bedenken, wenn wir über Unternehmer und Produzenten diskutieren. Wenn Apple seine Mitarbeiter durch iPhone-Maschinen ersetzen würde, so würden zwar einige der ehemaligen Mitarbeiter zur Wartung der iPhone-Maschinen benötigt werden, doch die Arbeit wäre jetzt produktiver, da durch weniger Mitarbeiter auch weniger Kosten entstehen und gleichviel oder mehr iPhones produziert werden können.

Es ist auch richtig, dass ein Teil der Arbeiter aufgrund einer solchen Innovation kurzfristig niedrigere Löhne verdienen oder sogar ihre Arbeit ganz aufgeben müssen, weil dann die Spezialisierung der Mitarbeiter nicht mehr benötigt wird. Aber wenn sie anfangen an anderen Produktionen, Problemen oder Bedürfnissen zu arbeiten, dann wird sich auf lange Sicht ihr Lebensstandard erhöhen. Dazu müssen sie sich aber erst neu spezialisieren.

Wie stark profitieren Nicht-Unternehmer?

Die Marktgesetze teilen demnach den durch erfolgreiche Unternehmen geschaffenen Wohlstand zwischen allen Beteiligten so auf, dass ein Großteil an die nicht-unternehmerischen Gruppen geht. Sogar die Mitarbeiter von Apples Wettbewerbern profitieren langfristig von dem zusätzlichen Wohlstand, den Apple geschaffen hat. Dies ist auch alles logisch, denn ein erfolgreicher Unternehmer erfüllt die Bedürfnisse seiner Kunden und der Wettbewerb sorgt dafür, dass er es möglichst günstig und effizient tun muss.

Wenn die Investitionsgüter der Gesellschaft zunehmen, so steigen demnach die Reallohnsätze der Arbeitnehmer, weil sie mehr Güter als zuvor kaufen können. Die Unternehmer eines erfolglosen Unternehmens erleiden hingegen echte Verluste bei der Verschwendung ihres Kapitals.

Wissen + Kapital = Wirtschaftswachstum

Wie wir gesehen haben ist der einzige Weg auf dem eine Gesellschaft so erfolgreich wie möglich werden kann der Gewinn und Vermögens- bzw. Kapitalaufbau. Aber leider erhalten technologische Innovationen und Wissen in unserer Gesellschaft eine weitaus größere Bedeutung als die Ansammlung von Kapital.

Es wird fälschlicherweise angenommen, dass das einzige, was den wirtschaftlichen Fortschritt einschränkt, technologische Kenntnisse sind. Es wird damit argumentiert, dass solange wir genug Geld für Forschung und Entwicklung ausgeben, auch der wirtschaftliche Fortschritt folgen wird. Wir haben jedoch nun gesehen, dass wir auch Gewinne und somit Kapital brauchen.

Eine Technologie ist ein Rezept, wie man ein gewünschtes Gut herstellt. Wenn das Wissen über eine Technologie begrenzt ist, dan kann dies theoretisch die Produktion einschränken. Das Kapital ist jedoch noch wichtiger. Denn der Mensch wird selten durch das Wissen einer Technologie eingeschränkt, sondern er ist viel mehr durch das zur Verfügung stehende Kapital begrenzt.

Kapital kann nicht über das vorhandene Wissen hinaus produzieren. Wissen muss somit für eine Produktion existieren, doch ohne Kapital kann es nicht angewendet werden. Und Kapital entsteht erst durch Gewinne. Wenn wir uns die rückständigen oder unterentwickelten Länder von heute ansehen, wird die Bedeutung des Kapitals schnell klar.

USA vs. Indien

Ein Bauer in Indien kann leicht detaillierte Pläne für den Bau eines Traktors erhalten. Der Grund, warum er keinen Traktor hat ist klar. Ihm fehlt das Kapital, um den Traktor zu erwerben. Der einzige Grund, warum die Löhne der amerikanischen Arbeiter höher sind als in Indien, ist das pro Kopf investierte Kapital, denn dies ist in den Vereinigten Staaten höher als in Indien.

Kapitalakkumulation ist gleich wirtschaftlicher Fortschritt. Wir können das jeden Tag an den Produkten und Dienstleistungen um uns herum sehen. Der Kapitalismus ist das einzige System, das es ermöglicht, diesen Sparprozess in vollem Umfang zu verwirklichen. Jedes System, das die Sparfähigkeit der Menschen künstlich einschränkt, behindert zwangsläufig den Fortschritt.

Wir verstehen jetzt, wie ein rhetorischer Angriff auf den Kapitalismus abläuft. Ein neidischer Nörgler argumentiert gegen einen erfolgreichen Unternehmer und sagt den Leuten, dass er viel mehr zu konsumieren hat als andere und dass dies unfair sei. Dabei werden die sichtbaren Gewinne angegriffen, während das Risiko und die Verluste anderer Unternehmer nie erwähnt werden.

Wenn wir jedoch den Markt logisch untersuchen, so müssen wir nicht nur eine Gruppe, sondern alle Gruppen und nicht nur einen Zeitrahmen, sondern den gesamten Zeitrahmen gleichzeitig berücksichtigen. Wir müssen nicht nur darüber nachdenken, was gesehen wird, sondern auch darüber nachdenken was unsichtbar ist.

Wir sehen uns im nächsten Beitrag „Praxeologie: Marktpreise #22„.
Hier geht’s nochmal zum letzten Beitrag „Praxeologie: Der Unternehmer #20„.

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Beste Grüße

Leo Mattes

Quellen:

Ludwig von Mises – Nationalökonomie, Theorie des Handelns und Wirtschaftens (Buch)

Praxeologie auf Wikipedia