Quantenmechanik als Handlungssystem

„What if the solution to quantum mechanics is not in physics but in economics?“
Diese provokante Frage stellt die erkenntnistheoretische Grundlage der modernen Naturwissenschaft infrage. Sie deutet an, dass die Lösung der offenen Paradoxien der Quantenmechanik – insbesondere der Rolle des Beobachters – möglicherweise nicht innerhalb der Physik, sondern in einer Theorie des Handelns zu finden ist. Sie fordert eine Neuinterpretation des physikalischen Erkenntnisaktes als praxeologisches Ereignis: als Handlung, die Realität verändert.

1. Die Voraussetzungen der Physik

Die klassische Physik ruht auf dem Fundament der Wiederholbarkeit.
Isaac Newtons mechanisches Weltbild, später formalisiert durch Laplace, geht davon aus, dass gleiche Ursachen stets gleiche Wirkungen hervorbringen. Dieses Axiom begründet die Vorstellung, dass Experimente unter identischen Bedingungen reproduzierbar sind – eine Voraussetzung für empirische Wissenschaft überhaupt (Popper 1934).

Doch die Quantenmechanik unterminiert dieses Fundament.
Die Heisenbergsche Unschärferelation (Heisenberg 1927) zeigt, dass der Beobachtungsakt selbst den Zustand des Systems verändert. Die Trennung zwischen Beobachter und Beobachtetem verliert ihre Gültigkeit.
Niels Bohr formulierte dies mit seinem berühmten Komplementaritätsprinzip: Die Eigenschaften eines Systems hängen von der Art der Messung ab (Bohr 1935).

Trotzdem hält die Physik an der methodischen Fiktion fest, man könne Experimente beliebig oft durchführen, um statistische Mittel zu bilden. Diese Ensemble-Deutung (Born 1926) ersetzt den klassischen Determinismus durch Wahrscheinlichkeitsdeterminismus – bleibt aber im gleichen erkenntnistheoretischen Rahmen: Die Welt gilt als prinzipiell berechenbar, wenn auch nur probabilistisch.

2. Die Voraussetzungen der Praxeologie

Die Praxeologie, wie sie Ludwig von Mises in Human Action (1949) entwickelte, beruht auf einem entgegengesetzten Prinzip:
Menschliches Handeln ist singulär, intentional und nicht wiederholbar.

Mises schreibt:

“Action is always directed toward the future; it is aimed at changing an existing state of affairs into another one.” (Mises 1949, S. 11)

Das bedeutet: Jede Handlung geschieht unter einzigartigen historischen Bedingungen und verändert diese unwiderruflich.
Während die Physik versucht, Gesetze der Wiederholung zu formulieren, befasst sich die Praxeologie mit Gesetzen der Einmaligkeit.

Ein ökonomischer A/B-Test, ein Marktprozess oder eine historische Entscheidung sind nicht experimentell reproduzierbar, weil sie sich stets in einem sich wandelnden Wissens- und Erwartungsraum ereignen (Hayek 1945).
Die Praxeologie anerkennt diese Einmaligkeit nicht als methodisches Defizit, sondern als Ausdruck der realen Zeitlichkeit und Subjektivität menschlicher Existenz.

3. Die singuläre Realität

„There is no closed experiment but only one reality in which we are.“

Dieser Gedanke offenbart die gemeinsame Grenze von Physik und Ökonomie.
Sowohl in der Quantenmechanik als auch in der Praxeologie existiert kein vollständig abgeschlossenes Experiment – denn jede Beobachtung, jedes Handeln ist Teil der Realität selbst.

In der Physik bedeutet dies: Der Beobachter ist unvermeidlich Teil des Systems, das er beschreibt (Wigner 1961).
In der Ökonomie: Der Forscher ist selbst Handelnder innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung, die er zu verstehen sucht.

In beiden Fällen gilt: Erkenntnis ist keine passive Spiegelung der Realität, sondern eine aktive Interaktion mit ihr.
Realität wird nicht „beobachtet“, sondern vollzogen.

4. Der methodische Gegensatz

MerkmalPhysikalische MethodePraxeologische Methode
GrundannahmeWiederholbarkeit unter gleichen BedingungenEinmaligkeit jeder Handlung
BeobachterExtern, neutralIntern, handelnd
ErkenntniszielErklären (Kausalität)Verstehen (Intentionalität)
ZeitbegriffReversibel (symmetrisch)Irreversibel (historisch)
UnsicherheitStatistische WahrscheinlichkeitEchte Unsicherheit (Knight 1921)

Während die Physik versucht, Unsicherheit quantitativ zu modellieren, betrachtet die Praxeologie Unsicherheit als qualitative Eigenschaft menschlicher Existenz.
Frank Knight unterschied deshalb zwischen risk (berechenbarem Risiko) und uncertainty (unberechenbarer Unsicherheit) – eine Unterscheidung, die auch im Quantenkontext erkenntnistheoretische Relevanz gewinnt.

Denn auch die Quantenphysik kennt keine deterministische Wiederholbarkeit. Sie ersetzt sie durch ein mathematisches Ensemble – eine statistische Fiktion, die nur in der Vorstellung vieler möglicher Welten Sinn ergibt (Everett 1957).
Doch real existiert nur eine Welt, ein einmaliger Verlauf.

5. Quantenmechanik als Handlungssystem

Betrachtet man die Quantenmechanik praxeologisch, dann erscheint der Beobachtungsakt als zielgerichtete Handlung.
Der Forscher wählt eine Messgröße, eine Apparatur, eine Frage – er trifft Entscheidungen. Diese Handlung verändert die Realität, die er zu erkennen sucht.

Der „Kollaps der Wellenfunktion“ (Dirac 1930) wäre in diesem Sinne kein physikalischer Zufall, sondern der Vollzug einer Handlung:
Die Auswahl einer Möglichkeit aus einem Raum potenzieller Alternativen.
Die Realität konkretisiert sich durch Entscheidung.

So wie eine menschliche Handlung aus Erwartungen, Präferenzen und Zwecken entsteht, so „entscheidet“ das Universum in jedem Messmoment über eine Richtung seines eigenen Verlaufs.
Die Welt wird damit nicht als Maschine, sondern als Handlungssystem sichtbar:
Ein Prozess von Entscheidungen, in dem Beobachten selbst ein Teil der Handlung ist.

6. Die wissenschaftliche Verschiebung

Diese Sichtweise hätte tiefgreifende Konsequenzen für das Selbstverständnis der Wissenschaft:

  1. Objektivität neu gedacht:
    Objektivität wäre nicht mehr die Abwesenheit des Subjekts, sondern die bewusste Reflexion der eigenen Handlung im Erkenntnisprozess.
    (vgl. Polanyi 1958: Personal Knowledge)

  2. Empirie ohne Wiederholung:
    Wissenschaft müsste nicht auf Wiederholbarkeit, sondern auf Kohärenz und transparente Handlungsketten zielen.
    Sie würde damit der Geschichtswissenschaft und der Ökonomie methodisch näherstehen als der klassischen Physik.

  3. Gesetz und Geschichte:
    Naturgesetze würden nicht mehr als transzendente Gleichungen existieren, sondern als regelhafte Muster des Handelns – eingebettet in Raum, Zeit und Bewusstsein.

Das wäre keine Verwirtschaftlichung der Physik, sondern eine Verlebendigung des Wissenschaftsbegriffs.
Die Welt wäre nicht länger ein berechenbarer Automat, sondern ein intelligentes Handlungssystem, in dem Erkenntnis selbst Teil der Kausalität ist.

7. Schluss

„We can’t repeat history. We can’t expect that A/B tests have the same preconditions. There are no multiple tests in reality.“
Diese einfache Aussage fasst die Grenze der Physik und die Stärke der Praxeologie zusammen.

Wenn Realität singulär ist, dann kann Wissenschaft nicht länger in Wiederholung ihr Kriterium der Wahrheit finden.
Sie muss in das Bewusstsein der Handlung übergehen – dorthin, wo Beobachtung, Entscheidung und Konsequenz untrennbar sind.

Dann wäre Quantenmechanik kein System der Materie, sondern ein System des Handelns –
eine Theorie der Realität, die sich nur einmal vollzieht.

Literaturverzeichnis

  • Bohr, Niels (1935): Can Quantum-Mechanical Description of Physical Reality be Considered Complete? Physical Review, 48(8), 696–702.

  • Born, Max (1926): Zur Quantenmechanik der Stoßvorgänge. Zeitschrift für Physik, 37, 863–867.

  • Dirac, P.A.M. (1930): The Principles of Quantum Mechanics. Oxford University Press.

  • Everett, Hugh (1957): “Relative State” Formulation of Quantum Mechanics. Reviews of Modern Physics, 29, 454–462.

  • Hayek, Friedrich A. (1945): The Use of Knowledge in Society. American Economic Review, 35(4), 519–530.

  • Heisenberg, Werner (1927): Über den anschaulichen Inhalt der quantentheoretischen Kinematik und Mechanik. Zeitschrift für Physik, 43, 172–198.

  • Knight, Frank H. (1921): Risk, Uncertainty, and Profit. Houghton Mifflin.

  • Mises, Ludwig von (1949): Human Action: A Treatise on Economics. Yale University Press.

  • Polanyi, Michael (1958): Personal Knowledge: Towards a Post-Critical Philosophy. University of Chicago Press.

  • Popper, Karl (1934): Logik der Forschung. Springer.

  • Wigner, Eugene (1961): Remarks on the Mind-Body Question. In: Good, I.J. (Hg.), The Scientist Speculates. Heinemann.

Beste Grüße

Leo Mattes

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Disclaimer: Dieser Essay wurde natürlich mit chatGPT unterstützt.