Die untenstehende Grafik von RethinkX veranschaulicht ein grundlegendes Muster technologischen Wandels: Neue Technologien setzen sich nicht nur deshalb durch, weil sie objektiv besser sind, sondern weil sie positive Rückkopplungsschleifen auslösen, während die bestehende Technologie gleichzeitig in eine entgegengesetzte Dynamik gerät. Innovation ist daher selten ein linearer Prozess. Vielmehr entstehen selbstverstärkende Aufwärtsspiralen für die neue Technologie und ebenso selbstverstärkende Abwärtsspiralen für die alte. Sobald dieser Prozess einen kritischen Punkt überschritten hat, verläuft die Verdrängung häufig überraschend schnell.

Quelle: RethinkX
Unscheinbarer Beginn
Zu Beginn besitzt eine neue Technologie meist nur einen verschwindend geringen Marktanteil. Sie erscheint teuer, unausgereift und wird häufig belächelt. Dennoch besitzt sie einen entscheidenden Vorteil: Sie eröffnet Möglichkeiten, die mit der bisherigen Technologie entweder gar nicht oder nur unzureichend realisierbar waren. Anfangs reichen wenige Pioniere aus, um erste Erfahrungen zu sammeln und Verbesserungen anzustoßen. Jeder zusätzliche Anwender erhöht nicht nur den Absatz, sondern liefert zugleich mehr Daten, mehr Feedback und mehr Kapital für die Weiterentwicklung.
Die Aufwärtsspirale
Dadurch beginnt eine positive Rückkopplungsschleife, die RethinkX als „Virtuous Cycle“ bezeichnet. Mit wachsender Nachfrage steigt die Produktion. Höhere Produktionsmengen ermöglichen Skaleneffekte, wodurch die Kosten pro Einheit sinken. Niedrigere Kosten machen die Technologie wiederum für weitere Käufer attraktiv. Gleichzeitig entstehen höhere Umsätze und größere Gewinnmargen. Unternehmen investieren verstärkt in Forschung, Entwicklung und Produktionskapazitäten. Das Angebot wächst, die Produktvielfalt nimmt zu und die Leistungsfähigkeit verbessert sich kontinuierlich.
Mit jeder Verbesserung steigt auch die gesellschaftliche Akzeptanz. Verbraucher gewinnen Vertrauen, Unternehmen integrieren die Technologie in ihre Geschäftsmodelle und Regierungen beginnen häufig, sie politisch oder regulatorisch zu unterstützen. Investitionen fließen zunehmend nicht mehr in die alte, sondern in die neue Technologie. Kapital folgt den höchsten Zukunftserwartungen. Dadurch beschleunigt sich die Innovationsgeschwindigkeit weiter, wodurch die neue Technologie erneut attraktiver wird. Jeder dieser Faktoren verstärkt alle anderen. Aus einer kleinen Innovation entwickelt sich eine exponentielle Wachstumsbewegung.
S-Kurven Adoption
Die Grafik zeigt diesen Prozess als S-Kurve des Marktanteils. Anfangs verläuft das Wachstum langsam. Die Technologie kämpft gegen bestehende Infrastrukturen, Gewohnheiten und hohe Anfangskosten. Sobald jedoch genügend Verbesserungen zusammenkommen, wird ein Kipppunkt erreicht. Von diesem Moment an wächst der Marktanteil nicht mehr linear, sondern sehr schnell. Was zuvor jahrelang kaum sichtbar war, dominiert plötzlich innerhalb weniger Jahre den Markt.
Die Abwärtsspirale
Während sich die neue Technologie aufschwingt, gerät die alte Technologie gleichzeitig in den gegenteiligen Prozess. Diesen bezeichnet RethinkX als „Vicious Cycle“ oder Todesspirale. Sinkende Nachfrage bedeutet zunächst geringere Umsätze. Geringere Umsätze führen zu sinkenden Gewinnmargen. Dadurch bleibt weniger Kapital für Investitionen in Forschung, Modernisierung und Produktionsanlagen. Die Wettbewerbsfähigkeit verschlechtert sich.
Mit sinkenden Produktionsmengen verschwinden außerdem die bisherigen Skaleneffekte. Fixkosten müssen auf immer weniger Produkte verteilt werden. Die Kosten pro Einheit steigen. Höhere Preise machen die alte Technologie im Vergleich zur neuen noch unattraktiver. Die Nachfrage sinkt weiter. Unternehmen schließen Werke, reduzieren ihr Angebot oder verlassen den Markt vollständig. Jede dieser Entwicklungen verstärkt wiederum den Rückgang der Nachfrage.
Auch die öffentliche Wahrnehmung verändert sich. Was früher als Standard galt, erscheint zunehmend veraltet. Kunden wechseln freiwillig zur neuen Technologie, weil sie günstiger, leistungsfähiger oder komfortabler geworden ist. Regierungen und Investoren richten ihre Aufmerksamkeit auf Zukunftstechnologien, während die alte Branche politische Unterstützung und gesellschaftliche Legitimation verliert. Damit verschlechtert sich ihre Position zusätzlich. Aus einem schleichenden Rückgang entwickelt sich eine beschleunigte Abwärtsspirale.
Rückkopplungsschleifen – sich verstärkende Effekte
Entscheidend ist, dass beide Prozesse nicht unabhängig voneinander ablaufen. Jeder Marktanteilsgewinn der neuen Technologie bedeutet gleichzeitig einen Marktanteilsverlust der alten. Die Investitionen, die in neue Produktionskapazitäten fließen, fehlen den etablierten Unternehmen. Ingenieure wechseln in Wachstumsbranchen. Zulieferer orientieren sich an den Zukunftsmärkten. Kunden verändern ihre Erwartungen. Kapital, Wissen, Arbeitskräfte und politische Aufmerksamkeit wandern gemeinsam in Richtung der aufsteigenden Technologie. Dadurch verstärken sich Auf- und Abwärtsspirale gegenseitig.
Die Grafik verdeutlicht außerdem, dass Märkte häufig lange stabil erscheinen, obwohl sich im Hintergrund bereits grundlegende Veränderungen aufbauen. Viele etablierte Unternehmen interpretieren die ersten Jahre einer neuen Technologie als unbedeutende Nische. Da die S-Kurve zunächst flach verläuft, unterschätzen sie das Tempo der späteren Entwicklung. Sobald der Wendepunkt erreicht ist, bleibt oft nur wenig Zeit zur Anpassung. Die Geschichte technologischer Revolutionen ist deshalb voller Beispiele, in denen Marktführer innerhalb weniger Jahre ihre dominante Stellung verloren.
Historische Beobachtungen
Dieses Muster lässt sich in zahlreichen Industrien beobachten. Pferdekutschen wurden vom Automobil verdrängt, analoge Kameras von Digitalkameras, Filmrollen von digitalen Speichermedien, Festnetztelefone von Mobiltelefonen oder Glühlampen von LEDs. In jedem Fall entwickelte die neue Technologie zunächst langsam positive Rückkopplungen, bevor sie schließlich den Markt dominierte und die bisherige Technologie in eine wirtschaftliche Todesspirale zwang.
Letztlich beschreibt die Grafik kein zufälliges Marktgeschehen, sondern ein universelles Prinzip technologischer Evolution. Technologische Konkurrenz ist kein statischer Wettbewerb zweier gleich starker Alternativen. Vielmehr handelt es sich um einen dynamischen Prozess sich gegenseitig verstärkender Rückkopplungen. Die Gewinner werden immer stärker, weil ihre Größe weitere Vorteile erzeugt, während die Verlierer immer schwächer werden, weil ihr Rückgang neue Nachteile hervorbringt. Deshalb verlaufen technologische Revolutionen häufig zunächst unscheinbar, anschließend jedoch mit erstaunlicher Geschwindigkeit – bis die neue Technologie den Markt nahezu vollständig übernommen hat und selbst zum neuen Standard wird.
Beste Grüße
Weitere Essays:
Mining Death Spiral – der unvermeidliche Stresstest
Warum Fortschritt Geld niemals überflüssig machen wird
Bitcoin als archimedischer Punkte
Greshams und Thiers Law im Vergleich
Das Axiom des Arguments von Hans-Hermann Hoppe
Das Axiom des Handelns von Ludwig von Mises
Dämonischer und religiöser Wendepunkt im Handeln
Bitcoin verändert das interne Rechnungswesen und die Investitionsrechnung
Eine goldgedeckte Kryptowährung ist keine Lösung
Waren- und Zeichengeld sind alleine nicht genug
Die Relevanz der Praxeologie für die Sozialpädagogik
Bitcoin als thermodynamisches geschlossenes System
„Value-for-Value“ ist keine tragfähige Wirtschaftsordnung
Der Konflikt zwischen Auslastung und Verfügbarkeit
Wort und Tat – eine praxeologische Betrachtung
Drei fundamentale Verwechslungen in der öffentlichen Debatte
Bitcoin und die Ehe – zwei Institutionen der Wahrheit
Praxeologie steht über Eliten und Autoritäten
Praxeologie disruptiert viele Berufsfelder
Glaubwürdigkeit von Informationen im digitalen Zeitalter
Degeneration – Generationen im Vergleich
Gebote, Sünden und Opportunitätskosten
Chainwork – Bestimmung der längsten Bitcoin Kette
Quantenmechanik als Handlungssystem
Wenn dir etwas wichtig ist, mach es selbst!
Regeln sind das Ergebnis von Kooperation – nicht Voraussetzung
Ein stabiles Geldsystem benötigt Energie
Nicht der Zinseszins trägt die Zivilisation – sondern der Kindeszins
Der Liberalismus – die einfache Wahrheit, die niemand hören will
Bitcoin verbraucht nicht genug Energie
Das Ende von ETFs als Ersatzkonstruktion für gutes Geld
Von Praxeologie über Libertarismus zur Metaphysik
Machine-to-Machine Payments: Praxeologische & wirtschaftstheoretische Kritik
Bitcoin als Opportunität für jede Intelligenz
Mit Bitcoin-Maximalismus zum Leapfrogging
Shrinkflation – Die versteckte Fratze der Inflation
Die selbstkastrierende Zukunft der KI-Tools – ein Ausblick auf ChatGPT, Copilot
Exodus, Umkehr, Vorsorge: Drei biblische Lektionen auf dem Bitcoin-Pfad
Geteilte Ahnungslosigkeit – Wie Boomer und Gen Z die Inflation nicht verstehen
Bitcoin und die 7R der Logistik
Bitcoin ist die neue Messlatte
Warum Bitcoin zu den Schwaben passt
Die Konsequenz als Richter: Was uns wirklich straft
Durch Bitcoin werden christliche Werte wieder respektiert
Interne vs. Externe Recheneinheit: Die stille Krise ökonomischer Entscheidungsgrundlagen
Durch Bitcoin wird libertärer Autismus endlich respektiert
Deflationäres Geld als Schlüssel zur Nachhaltigkeit
Bitcoin und konservative Werte
Bitcoin als Befreiungsschlag für junge Menschen
Bitcoin als Werkzeug linker Emanzipation
Bitcoin und das Gefangenen-Dilemma
Bitcoin und die Warteschlangentheorie
Thermodynamischen Schranken der Mining-Zentralisierung
Bitcoin und der Hitzetod – Das Ende der monetären Thermodynamik
Disclaimer: Dieser Essay wurde natürlich mit chatGPT unterstützt.