Leo Mattes

Strukturwandel im Niedrigzinsumfeld

In den ersten Beiträgen habe ich zunächst eine Utopie für den maximalen Wohlstand hergeleitet und anschließend weitere Erläuterungen zur maximalen Produktivität gegeben. Weitere wichtige Artikel behandeln die Eigenschaften von Pfadabhängigkeiten und die Eigenschaften von Technologiekurven.

Im letzten Beitrag ging es um Strukturveränderungen aufgrund von neuen Technologien. Eine Veränderung der Infrastruktur bzw. ein Strukturwandel verschiebt, wie gesagt, auch immer die Machtverhältnisse, den Einfluss und letztendlich den Wohlstand der betroffenen Unternehmen und Regionen. In diesem Beitrag geht es um den Strukturwandel im Niedrigzinsumfeld.

Was bedeutet ein niedriger Zins?

Neue Schulden können günstig aufgenommen werden. Geld wird weniger zurückgelegt. Was soviel bedeutet wie:

Es ist einfach zu investieren und es ist einfach zu konsumieren, denn der Kredit ist günstig zu haben.

Betrachten wird dies aus der Perspektive des Strukturwandels:

Was macht ein Unternehmen, welches die Technologien der alten Infrastruktur entwickelt und produziert?

Die Absatzmenge nimmt ab, da die Technologie immer weniger wettbewerbsfähig ist. Es werden Kredite aufgenommen und in die bestehenden Wertschöpfungsketten investiert, denn dies ist immer noch günstiger und risikoärmer als in etwas ganz Neues zu investieren. Es können auch noch Potentiale in der Wertschöpfung gehoben werden und das zusätzliche Geld kommt auch irgendwie im Wirtschaftskreislauf teils wieder zurück, doch die Wettbewerbsfähigkeit kann nicht erreicht werden.

Je niedrige der Zins, desto weniger schlecht geht es dem Unternehmen, welches sich eigentlich in einer Abwärtsspirale befindet.

Was macht ein Unternehmen, welches die Technologien für die neue Infrastruktur entwickelt und produziert?

Die Absatzmenge nimmt stetig zu, da man den alten Technologien überlegen ist. Da der Wettbewerb aber ebenfalls wächst geht es darum schneller zu wachsen. Organisches Wachstum mit Hilfe von Eigenkapital reicht nicht aus und es werden Kredite aufgenommen. Diese sind sehr günstig zu haben, da es an Renditemöglichkeiten mangelt. Die Wertschöpfungsketten der neuen Infrastruktur erhalten also ebenfalls eine Menge Geld und sie verbreiten sich schneller als bei höheren Zinsen. Der Wirtschaftskreislauf sorgt dafür, dass das Geld zum Unternehmen aufgrund der besseren Wertschöpfungsketten zurückkommt und sich die Investitionen rentieren.

Je niedriger der Zins, desto schneller wächst das Unternehmen, welches sich in der Aufwärtsspirale befindet.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein niedriger Zins sowohl die Aufwärts- als auch die Abwartsspirale beschleunigt. Pleiten von unrentablen Unternehmen werden jedoch verhindert und rentable Unternehmen wachsen umso schneller.

Ich bin gespannt was passiert, wenn auch die Märkte der wachsenden Unternehmen gesättigt sind. Was passiert zum Beispiel, wenn jeder ein Smartphone hat und der Smartphone-Hersteller nicht mehr wachsen kann und das Unternehmen, welches Festnetztelefone herstellt nur überlebt aufgrund weiterer günstiger Kredite. Wenn dann sehr viele Unternehmen von Fehlinvestitionen betroffen sind, was dann? Irgendwann weiß niemand mehr, welche Unternehmen eigentlich rentabel sind, denn vielleicht sind sie es nur noch, weil sie unrentable Unternehmen als Kunden haben.

Auf jeden Fall führt billiges Geld und geringe Zinsen nicht zu Produktivitätswachstum, denn wenn keine Unternehmen pleitegehen und Pfadabhängigkeiten weiter hinausgezögert werden, so werden auch keine Ressoucen frei, die anderweitig Verwendung fänden.

Ich freue mich, wenn ich dich mit diesem Beitrag inspirieren konnte und wenn du meinen Newsletter abonnierst, damit du keine weiteren Beiträge mehr verpasst.

Mit besten Grüßen

Leo Mattes