Leo Mattes

Technologiekurven und ihre Eigenschaften

In den ersten Beiträgen habe ich zunächst eine Utopie für den maximalen Wohlstand hergeleitet und anschließend weitere Erläuterungen zur maximalen Produktivität gegeben. Im Beitrag über meine Motivation für diesen Blog kam ich des öfteren auf Pfadabhängigkeiten zu sprechen. In diesem Beitrag soll es nun um Technologiekurven gehen. Dabei werden die verschiedenen Phasen der Marktdurchdringung besprochen. Zum Schluss komme ich auf das Innovationsdilemma zu sprechen.

Zunächst möchte ich auf eine Darstellung [1] eingehen, welche die Marktdurchdringungen verschiedener neuer Technologien über die letzten Jahrzehnte aufzeigt.

Dabei ist zu erkennen, dass die Marktdurchdringung der einzelnen Technologien nicht linear verlaufen, sondern nach einem logistisch beschränkten Wachstum. Dabei beginnt das Wachstum exponentiell und je näher die Marktsättigung 100% erreicht, desto langsamer steigt die Kurve. Des Weiteren ist eine zweite wichtige Tendenz zu erkennen, und zwar, dass die Marktdurchdringung über die Jahre immer schneller vorangeht. Nimm dir an dieser Stelle kurz Zeit, um die Darstellung genauer zu betrachten.

Das Fazit dieser Abbildung ist es, dass es sehr wohl möglich ist neue Infrastrukturen und Produkte innerhalb weniger Jahre zu etablieren und die Wertschöpfungsketten komplett zu verändern. So lag die Marktdurchdringung des Autos im Jahr 1918 bei 13% und 1929 bereits bei knapp 60% ehe die Weltwirtschaftskrise eintrat. Smartphones benötigten lediglich 4 Jahre um von einer Marktdurchdringung von 5% auf 40% zu kommen. Zudem passierte dies während der Finanzkrise 2008/2009.

„In 1918 one in thirteen American families owned a car. Eleven years later, 80 percent of American families owned one.“ – Tony Seba

Als nächstes möchte ich die Technologieadaptionskurve etwas genauer betrachten.

Die gelbe Kurve stellt den Marktanteil dar. Die blaue Kurve zeigt welche Gruppen zu welchem Zeitpunkt die Technologie nutzen. Zunächst stehen Erfinder und Innovatoren, die von ihrer Technologie überzeugt sind, am Anfang. Anschließend kommen die Erstanwender dazu. Diese Gruppe gilt als technologieoffen und fortschrittsorientiert. Darauf folgt die frühe und späte Mehrheit, ehe die Nachzügler die Technologie nutzen.

Im Innovationsmanagement wird oftmals von einem „Innovation gap“ (Innovationslücke) geredet. Dies beschreibt die erste Herausforderung die Technologie bzw. das Produkt an die ersten Anwender zu bringen. Dieser Schritt zeigt, ob die Erfindung auch Anwendungspotential am Markt hat.

Wenn diese erste Hürde übersprungen ist, so ist der weitere Verlauf aber keinesfalls ein Selbstläufer, denn es stehen weitere Herausforderungen an, die im Innovationsmanagement selten besprochen werden. Auf diese möchte ich nun aber kurz eingehen.

Die zweite große Hürde tritt auf, wenn die frühe Mehrheit die Technologie bereits nutzt. Ab diesem Zeitpunkt entsteht ein Druck auf die späte Mehrheit und die Nachzügler, denn eine Nichtnutzung der Technologie führt zu einem Ausschluss. So ist man zum Beispiel ohne Smartphone einfach viel schlechter zu erreichen und hat weniger Möglichkeiten sich Informationen schnell unterwegs zu recherchieren. Dieser Ausschluss, ohne von der Technologie begeistert zu sein, führt verständlicherweise zu einer Unzufriedenheit, welche überwunden werden muss, damit die Technologie die Marktdurchdringung fortsetzen kann.

Eine weitere Hürde entsteht dann, wenn die Technologie verpflichtend wird. Dies führt bei den letzten Nachzüglern zu großer Unzufriedenheit, denn sie müssen nun etwas benutzen auf das sie hätten verzichten wollen. Eine Registrierung nur mit E-Mailadresse, nur noch bargeldloses Bezahlen oder ein verpflichtender Fingerabdruck sind Beispiele für diese Hürde der Akzeptanz.

Eine neue Technologie löst zudem meistens eine alte Technologie ab. Dies führt zum S-Kurven- und zum L-Kurven-Konzept [2].

Dabei wird davon ausgegangen, dass die Technologien unterschiedliche Leistungs- und Kostenpotentiale haben. Die neuen Produkttechnologien haben demnach ein höheres Leistungspotential, während die neuen Prozesstechnologien geringere Kostenpotentiale haben. Die alten Technologien können mit diesem Sprung nicht mithalten und werden abgelöst. Die große Frage, die sich hier stellt, ist „ab wann soll man auf eine neue Technologie setzen?“, denn die alte Technologie ist der neuen lange überlegen, bis das Leistungspotential exponentiell steigt und das Kostenpotential exponentiell sinkt. Diese Phase wird als Innovationsdilemma bezeichnet. Beispiele hierfür gibt es genügend: der Wechsel von der Telefonzelle zum Mobiltelefon, von der analogen Kamera zur digitalen Kamera, vom Mobiltelefon zum Smartphone, vom Buch zum E-Book, von der CD zum Streaming.

Derzeit befinden sich viele Unternehmen in einem solchen Innovationsdilemma, weil sie in einer Pfadabhängigkeit der alten Technologien gefangen sind. Des Weiteren passen diese Modelle in die Utopie der Null-Grenzkosten-Gesellschaft, da immer höhere Leistungen zu immer günstigeren Kosten angestrebt werden. Die Produktivität wird vergrößert und der Wohlstand gesteigert.

Ich freue mich, wenn ich dich mit den Technologiekurven und ihren Eigenschaften inspirieren konnte und wenn du meinen Newsletter abonnierst, damit du keine weiteren Beiträge mehr verpasst.

Mit besten Grüßen

Leo Mattes

Quellen:

[1] Technologieadaptionskurven

[2] Prinzipien zur Leistungsfähigkeit von Technologien, Folie 3