Leo MattesPfadabhängigkeiten

Veränderung der Machtverhältnisse

In den ersten Beiträgen habe ich zunächst eine Utopie für den maximalen Wohlstand hergeleitet und anschließend weitere Erläuterungen zur maximalen Produktivität gegeben. Weitere wichtige Artikel behandeln die Eigenschaften von Pfadabhängigkeiten und die Eigenschaften von Technologiekurven.

Im letzten Beitrag ging es um Strukturveränderungen aufgrund von neuen Technologien. Eine Veränderung der Infrastruktur bzw. ein Strukturwandel verschiebt, wie gesagt, auch immer die Machtverhältnisse, den Einfluss und letztendlich den Wohlstand der betroffenen Unternehmen und Regionen. Damit beschäftige ich mich in diesem Beitrag.

Wer verliert an Einfluss? Zentrale, hierarchische Strukturen

Kurz: Ölindustrie, Kohleindustrie, Atomenergieindustrie, Verlage, Zeitungen, Radiosender, Fernsehsender, Musikindustrie, Hotelindustrie, Einzelhandel, Taxiindustrie, Verbrennungsmotorindustrie, Tankstellen, Autobesitzindustrie sprich Werkstätten, Autovermietungen, Parkhäuser/plätze, öffentliche Verkehrsmittel, Banken, öffentlich-rechtliche Medien, die EU, und alle, die Verantwortung abgeben und nach dem Staat rufen.

Wer gewinnt an Einfluss? Dezentrale partizipative Netzwerke

Kurz: Unternehmen, welche die neue Infrastruktur mitgestalten. Photovoltaik, Energiespeicher, Elektroautos, Autonome Autos, Kommunikationsplattformen wie Facebook, Youtube, Spotify, Marktplätze und Versandhändler wie Amazon, Uber, AirBnB, 3D-Druck Produzenten, und alle, die mit Hilfe der neuen Möglichkeiten Verantwortung übernehmen und aktiv mitgestalten.

Was sehen wir in der öffentlichen Debatte?

Der Verbrennungsmotor wird so lange es geht produziert, die EU möchte das Urheberrecht verschärfen und bekämpft alle EU-Gegner, die öffentlich-rechtlichen Medien bestehen auf ihre Existenz, Plattformen werden allerlei Vorwürfe gemacht. Amazon behandle Mitarbeiter schlecht, Google und Facebook respektieren nicht die Privatsphäre, AirBnB zerstöre den Wohnungsmarkt und Uber bezahle die Fahrer unangemessen, Tesla als Produzent von Photovoltaikmodulen, Energiespeichern und der Entwicklung von autonomen elektrischen Autos befände sich in der Produktionshölle, der Auslieferungshölle und der Servicehölle. Der technische Fortschritt und die Produktivitätsgewinne bleiben dabei allzu oft unerwähnt.

Aus meiner Sicht hat das alles System. Nicht etwa von einer geheimen Macht organisiert, sondern aufgrund von kongruentem Handeln. Die alten Strukturen kämpfen gegen den Verlust von Einfluss und Macht. Die alten Strukturen befinden sich in einer Pfadabhängigkeit und wissen nicht wie sie herauskommen sollen. Sie rufen nach dem Staat, Gesetze werden verschärft, Zinsen zum überleben gesenkt, aber eine Einsicht zum Wandel bleibt lange aus.

Oft kommt an dieser Stelle das Argument, dass die Plattformen aufgrund ihrer hohen Produktivität und ihrer Netzwerkeffekten zu Monopolen werden und dies verhindert werden müsse. Aus meiner Sicht gibt es hier zwei Möglichkeiten, da auch Monopole nicht endlos wachsen können. Denn niemand kann unendlich Geld bzw. Gewinne aus dem Wirtschaftssystem ziehen.

  1. Die Plattformen senken nach und nach die Preise, um entstehende Konkurrenz aufgrund von Wettbewerbs- und Preisdruck zu unterbinden. Je länger dies nicht geschieht, desto eher wird der Markt einen Wettbewerber finanzieren, weil niemand einem Monopol ausgesetzt sein möchte. Wird ein Unternehmen zu eigensinnig, so wird es vom Markt bzw. den Kunden bestraft. Fortschritt und Kapitalismus basieren nämlich nicht auf Gier sondern auf Empathie, wie es der Artikel „The driving force of capitalism is empathy, not greed“ von Rainer Zitelmann im Forbes-Magazin beschreibt.
  2. Zentral organisierte Plattformen werden irgendwann von dezentral organisierten Plattformen abgelöst.
  3. Aus 1) und 2) folgt, dass der Markt das aufgrund von Anreizen regeln wird.

In einer Wirtschaft, die zunehmend nicht nur in der Informationsindustrie, sondern auch der Energie- und Transport-/Mobilitätsindustrie auf Netzwerken basiert wird eine Kontrolle und eine hierarchische Organisation zunehmend schwerer. Auch der Staat wird sich neu erfinden müssen, aber ob er das auch einsehen wird?

Ich habe bereits angesprochen, dass die Zinsen zunehmend gesenkt werden. Welchen Einfluss dies auf den Strukturwandel hat behandle ich im nächsten Beitrag.

Ich freue mich, wenn ich dich mit diesem Beitrag inspirieren konnte und wenn du meinen Newsletter abonnierst, damit du keine weiteren Beiträge mehr verpasst.

Mit besten Grüßen

Leo Mattes